Schloß Holte-Stukenbrock. Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl und auch die heimische CDU wollen zwar von dem Staatssymbol der kommunistischen Sowjetunion mit Hammer, Sichel und Stern nichts wissen. Aber jetzt regiert Rot-Grün in Düsseldorf, und deshalb muss nach 55 Jahren das orthodoxe Kreuz auf der Spitze des Obelisken auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof weichen.
Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat ein Machtwort gesprochen. Der Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock", der alljährlich im September eine Gedenkveranstaltung vor dem Obelisken organisiert, hatte im November bei ihr die Umsetzung eines Beschlusses vom Juni 2006 eingefordert. Damals war zwischen Vertretern der Landesregierung, der Bezirksregierung, des Denkmalschutzamtes Münster und des Arbeitskreises die Restaurierung des Obelisken besprochen worden, und ganz oben auf der Liste steht nach wie vor: Die Stele soll wieder in den Originalzustand versetzt werden, und zwar mit einer roten Fahne aus Glas auf der Spitze. Aber nicht mit der Regierungspräsidentin. Sie blockierte bis heute erfolgreich die Umsetzung.
Am 7. April, nur fünf Tage nach der Befreiung des Kriegsgefangenenlager Stalag 326, hatten ehemalige Gefangene begonnen, über den Massengräbern in Stukenbrock-Senne den Obelisken zu bauen. 130 Russen und der Senner Maurermeister Heinrich Henkenjohann arbeiteten 23 Tage, bis zum 30. April, an dem 10 Meter hohen selbstentworfenen Bauwerk. Weil die Russen so unterernährt und entkräftet waren, mussten sie sich häufig schon nach wenigen Minuten bei der schweren Arbeit abwechseln, wie in dem Buch "Die Vergessenen von Stukenbrock" von Volker Pieper und Michael Siedenhans nachzulesen ist. Am 2. Mai 1945 wurde das Denkmal vor rund 10.000 Menschen feierlich eingeweiht.
Zu den Erbauern zählte Dimitri Orlow, der erst im Oktober vergangenen Jahres im Alter von 102 Jahren gestorben ist. Ihm war es ein wichtiges Anliegen, dass wieder eine Fahne auf der Spitze des Obelisken angebracht wird. Er schickte noch kurz vor seinem Tod seinem Schloß Holter Freund, Heimatforscher Günter Potthoff, eine genaue Skizze, wie die Ursprungsfahne ausgesehen hatte.
Das orthodoxe Kreuz wurde 1956 angebracht – was nach Meinung des Arbeitskreises "Blumen für Stukenbrock" dem Kalten Krieg geschuldet war. Die Bezirksregierung hat das "Blumen für Stukenbrock" gegenüber anders geschildert. In den 50er Jahren sei der Obelisk in einem so schlechten baulichen Zustand gewesen, dass über den Abriss nachgedacht worden sei. Im Einvernehmen mit der sowjetischen Militäradministration habe man sich dann für die Restaurierung – und das orthodoxe Kreuz entschieden.
Möglicherweise sei die rote Glasfahne damals nicht mehr vorhanden gewesen. 1988 wurde der Soldatenfriedhof mit dem Obelisken (mit Balkenkreuz) unter Denkmalschutz gestellt. Und nach Meinung der Bezirksregierung würde eine Replik der Glasfahne das Denkmal verfälschen.
Das sieht die Staatskanzlei von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft anders. In einem Schreiben, das Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises "Blumen für Stukenbrock", jetzt erreichte, teilt der Chef der Staatskanzlei, Franz-Josef Lersch-Mense, mit, dass "die alsbaldige Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes des Obelisken entsprechend der Absprachen vom Juni 2006 in die Wege geleitet ist". Das orthodoxe Kreuz wird eingelagert, bis sich Bezirksregierung und Orthodoxe Kirche auf einen neuen Standort geeinigt haben.
"Der Arbeitskreis würdigt diesen längst überfälligen Schritt der Landesregierung", sagt Hubert Kniesburges, "gerade in diesem Jahr, in dem sich am 22. Juni zum 70. Mal der Tag des Überfalles der Wehrmacht auf die UdSSR jährt." Für den Vorsitzenden des Arbeitskreises ein Beitrag zur Normalisierung des Verhältnisses zwischen den Deutschen und den Menschen der ehemaligen UdSSR.