Schloß Holte-Stukenbrock. Ein neues Logo, eine neue Internetseite und viele neue Vorhaben - "wir haben auch in diesem Jahr interessante Projekte vor uns", sagt Oliver Nickel, Vorsitzender des Fördervereins der Dokumentationsstätte "Stalag 326", beim Mitgliedertreffen am Mittwochabend.
Ein besonderes Vorhaben: Nach Russland zu reisen, um ehemalige Kriegsgefangene zu interviewen. "Wir müssen schnell sein", sagt Nickel. 60 Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg habe man angeschrieben und aus diesen wiederum sieben ausgewählt, von denen sich die Organisatoren interessante Einblicke in die damalige Zeit versprechen. "Aber die Soldaten sind alt geworden." Mit jedem, der stirbt, sterbe auch ein Teil der Geschichte. Geplant ist auch, eine Archivfahrt nach Russland zu machen. "Dort liegen 44 Aktenordner über das Gefangenenlager Stalag 326 herum", erklärt Nickel. Viele geschichtliche Forschungslücken könnten nach der Einsicht geschlossen und eventuell weitere Verbrechen des Nationalsozialismus aufgedeckt werden.
Die Kosten dafür kann der Förderverein allerdings nicht selbst tragen. Deswegen wollen die Mitglieder diese Projekte der Europäischen Union vorstellen, die für Forschungsarbeiten dieser Art besondere Fördermaßnahmen bereitstellt.
Im Vordergrund steht dabei immer die Erfassung von individuellen Erinnerungen. "Unsere Projekte werden sich deshalb nicht mit dem Rumtrampeln auf Fakten und Einzelheiten befassen", so Nickel, "sondern mit dem Geschichtserlebnis an sich."
Ein vollkommen barrierefreies Erlebnis soll auch der neugestaltete Internetauftritt der Dokumentationsstätte darstellen. In mehreren Sprachen sollen sich Interessenten demnächst online über Anreise- und Besichtigungstermine erkundigen können. Ein Wissensportal für Schüler und Lehrer ist in der Planung. Es soll Material für den Unterricht und für geplante Besuche bereitstellen.
"So erfolgreich wir auf unsere Arbeit blicken", sagt Nickel, "so sehr bedauere ich, Werner Busch heute gehen zu lassen." Viele Jahre hat dieser sich um den Verein verdient gemacht, bevor er zuletzt dessen Kasse führte. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge gibt er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen an den Steuerberater Frank Wulfmeyer ab. Dieser ist zugleich das 50. Mitglied des Fördervereins und will tatkräftig dabei helfen, die Projektarbeiten voranzutreiben und den Verein auszubauen.