Schloß Holte-Stukenbrock/Paderborn. Hat der Heilige Franziskus für moderne Menschen noch eine Bedeutung? "Ja", sagt Bruder Stanislaus. Mit vielen anderen Brüdern und Schwestern aus ganz Deutschland beantwortet er nicht nur Fragen zur Ausstellung "Unser Kloster ist die Welt", sondern auch zu seinem eigenen Leben im Kloster. Und manchmal führen die Gespräche sogar zu spontaner Beichte.
"Viele Menschen, die in die Ausstellung kommen, stellen keine Fragen zu den Exponaten selbst", sagt Bruder Stanislaus. Vielmehr möchten sie etwas über das Leben in einer Ordensgemeinschaft wissen, über den Tagesablauf, über das zölibatäre Leben und über aktuelle Themen in der Kirche. "Manche Fragen entstehen auch erst im Gespräch. Zum Beispiel wollen viele wissen, was es mit den drei Knoten im Ordensgürtel auf sich hat. Die sind nur zur Kürzung des Gürtels und zur Zierde", schmunzelt Bruder Stanislaus.
"Zwischendurch kommt es auch zu sehr tiefen Gesprächen", verrät der Pater. Manchmal komme es dann auch dazu, dass die Menschen beichten möchten. "Sie tasten sich heran, möchten den Gegenüber kennenlernen. Es ist eine Frage des Vertrauens."
Die Ausstellung "Unser Kloster ist die Welt" im Franziskanerkloster in der Westernstraße zeigt das Engagement der Brüder und Schwestern vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie ergänzt die Schau mit Kunstgegenständen im Diözesanmuseum, die jetzt erstmals zu sehen war, und ist in vier Themenfragmente geteilt: "Caritas – Dienst am Nächsten", "Neue Formen der Seelsorge", "Mission" und "Franziskanisches Engagement heute".
Die beiden Mitarbeiterinnen der Fachstelle "Franziskanische Forschung", Angelica Hilsebein und Gisela Fleckenstein, haben für diese Ausstellung ganz bewusst die Franziskaner gebeten, persönlich für die Fragen der Besucher zur Verfügung zu stehen. "Eine ähnliche Ausstellung gab es bereits 2007 in Thüringen. Das Fachpersonal konnte etwas zu den Exponaten sagen, aber die Fragen zum Ordensleben blieben damals größtenteils unbeantwortet. Das wollten wir ändern", so Angelica Hilsebein.
Franz von Assisi sei auch heute noch brandaktuell. "Franziskus steht für Umweltschutz und Frieden und Gerechtigkeit", sagt Gisela Fleckenstein. Jeder verbinde mit ihm etwas anderes. Diese Individualität spiegelt sich auch in den Fragen an die Brüder wider. Pater Stanislaus und seine Brüder und Schwestern sind bis zum Ausstellungsende am 6. Mai vor Ort.