Ralph Brinkhaus vermisst in der Debatte zur Euro-Krise die Diskussion, die zum Überleben wichtig ist
Schloß Holte-Stukenbrock (tee). "Ein Politischer Aschermittwoch musszünftig sein, da zieht man seine Jacke aus." Hemdsärmelig gibt sich Ralph Brinkhaus bei der ersten Veranstaltung dieser Art in Schloß Holte-Stukenbrock, zu der die Senioren-Union eingeladen hatte.
Der Gütersloher CDU-Bundestagsabgeordnete ist Finanz- und Finanzmarktexperte, aber vor Griechenland kommt Gauck. "Ich kenne ihn zu wenig", räumt Brinkhaus ein, warnt aber, im alten und neuen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt die Lichtgestalt zu sehen. "Es gibt hierzulande die Tendenz, jemanden besonders hoch auf einen Sockel zu stellen, damit man ihn möglichst tief fallen lassen kann", meint der Abgeordnete, der seit 2009 in Berlin ist.
Auch Joachim Gauck sei kein Mensch ohne Fehler und ohne ein Vorleben. "Wir sollten ihm daher eine faire Chance geben und nicht gleich alles auf die Goldwaage legen, was er macht", erklärt Brinkhaus und unterstreicht nicht zuletzt mit dem Blick auf Christian Wulff das Recht eines Politikers auf ein Leben vor der Politik und ein Leben nach der Politik. "Ich muss leider bezweifeln, ob Wulff jetzt noch eine Chance auf dieses Leben hat."
In Sachen Euro-Krise und Griechenland ist dem Diplom-Ökonom und Steuerberater Zweifel fremd. "Probleme anderer EU-Länder sind auch unsere Probleme, und wir können es uns überhaupt nicht leisten, einen Teil Europas dem Chaos auszusetzen." Ob Griechenland in Europa oder nicht, ob mit oder ohne Euro – für Brinkhaus macht das keinen Unterschied. "Wir müssen auf jeden Fall zahlen." Eines stört Ralph Brinkhaus an der Schuldendebatte mächtig. Über die ganz wichtige Frage, wovon die Griechen künftig leben wollen, werde bedauerlicherweise nicht diskutiert. "Investoren schauen nicht auf die Vergangenheit, sie interessiert die Zukunft. Hier müssen Antworten her."
Kritisch wird es auch, als Brinkhaus auf die Schulden im eigenen Land zu sprechen kommt und nachhaltige Lösungen anmahnt, statt Krisenmanagement von einem auf den anderen Tag zu betreiben. 2,1 Billionen Euro Schulden seien nur die eine Seite der Medaille, die ungedeckten Schecks für Rentenversicherung und Pflege die andere. "Wir reden letztlich von sechs Billionen Euro Schulden und stehen damit den Griechen nichts nach."
Kein Zweifel besteht für Ralph Brinkhaus, dass wieder über die Erhöhung der Lebensarbeitszeit gesprochen werden muss und die Rente erst mit 67 noch nicht reicht. Selbstverständlich gehöre ein Arbeitnehmer in dem Alter nicht mehr aufs Dach. "Aber wir werden Wege finden." Weil sie gefunden werden müssen. Brinkhaus ist Jahrgang 1968 und geht felsenfest davon aus, "dass ich nicht vor 70 in Rente gehen kann."