Warburg. Drei Erdteile in 1,3 Kubikmeter Wasser: "Südamerika, Türkei und Südostasien", zählt Apotheker Eddi Küppers auf und deutet auf seine stillen, aber flinken Freunde - seine Fische. Eddi Küppers hat sich ein maßgefertigtes Naturaquarium bauen lassen. Eine berauschende Unterwasserwelt mit Hightech-gestütztem Ökosystem.
"Das Aquarium ist eine Spezialanfertigung", sagt Eddi Küppers und klopft zaghaft an das 19 Millimeter dicke Glas. "Das ist wie Panzerglas, da kannst du mit einer Kanone drauf schießen." Ungefüllt wiegt das gläserne Becken 230 Kilogramm. Es hat ein Fassungsvermögen von 1.300 Liter. Damit bringt das Aquarium mehr als eineinhalb Tonnen auf die Wage. Die Bewohner dieses künstlichen Atlantis’ wirken dagegen winzig: 15 Zentimeter misst die Siamesische Rüsselbarbe, der größte Fisch in Küppers Becken.
"Ich hatte als Kind schon Fische", erinnert sich der 53-jährige Apotheker. Die richtige Leidenschaft packte Küppers aber erst beim Abtauchen als Erwachsener - etwa bei Tauchgängen im australischen "Great Barrier Reef". Seitdem zählt sich Küppers zu den Aquarianern. Einen Teich mit Koi-Karpfen ziert den Hausgarten, ein Aquarium schmückt das Heim und das zweite, tonnenschwere Becken steht in Küppers Apotheke am Kasseler Tor. "Dort bringe ich Beruf und Hobby zusammen", sagt der Warburger.
Das Aquarium in der Apotheke ist ein Ferientripp für den Augenblick. "Es kann in meiner Branche sehr hektisch sein", erzählt der Apotheker. Aber bei Stress genüge ein Seitenblick. "Die Fische strahlen Ruhe aus und erinnern mich an ferne Länder. Das ist meine grüne Unterwasserwelt."
"Auch wenn Fische nicht wie ein Hund jaulen können"
Die grüne Unterwasserwelt ist nach der Aquaristik-Philosophie des japanischen Designers und Fotografen Takashi Amano eingerichtet. Das Naturaquarium bedarf der gleichen Pflege wie das Gartenreich. "Die Pflanzen müssen geschnitten, der Boden gesäubert und die Scheiben gewienert werden", sagt Küppers. Ein Aquarium mache Arbeit, egal wie groß es sei. "Ein verdrecktes Aquarium ist Tierquälerei, auch wenn Fische nicht wie ein Hund jaulen können", betont der Aquarianer.
Bei der Beckenpflege setzt der Apotheker auf Hilfe aus dem Hightech-Bereich. Eine Etage unter dem Aquarium steht die große Filteranlage mit Umwälzpumpe. Automatisch werden die Wasserwerte gemessen. Der pH-Wert muss neutral sein und die CO2-Werte stimmen. "Der Kohlenstoff ist der Dünger für die Wasserpflanzen", erklärt Küppers. Sensoren messen den Gehalt. Bei Abweichungen beginnt der CO2-Reaktor an der sechs Kilo schweren Kohlenstoff-Falsche zu arbeiten. Auch die Heizung und Beleuchtung sind computergesteuert. Füttern, das muss der Fisch-Fan aber immer noch per Hand. "Zweimal pro Woche bekommen die Fische spezielles Tropenfutter", sagt Küppers. Tropenfutter heißt: getrocknete Krebse, Krill und hochenergetisches Eiweiß-Futter. Das mögen Eddi Küppers kleine Fische, wie der kolumbianische Rotkopfsalmer, die Siamesische Rüsselbarbe und die türkische Saugbarbe. Letztere wird auch Knabber- oder Doktorfisch genannt, denn sie frisst auch Hautpartikel - Menschenhaut.
"Die türkische Saugbarbe wird bei Schuppenflechte und Neurodermitis eingesetzt, denn die Fische knabbern die Hautschuppen ab und injizieren dabei enzymhaltige Sekrete, die den Juckreiz mindern", erklärt Apotheker und Aquarianer Eddi Küppers.
















