Kreis Höxter/Brakel (kö). "Nach heutigem Stand ist die Produktion am Standort Brakel nicht mehr erforderlich. Die Filialen werden verpachtet", teilte die Geschäftsleitung der Backstube Siebrecht dem Betriebsrat mit Schreiben vom 5. Juni mit. Weiter heißt es in der Mitteilung: Aufgrund der hohen Minusstunden und der unzureichenden Rentabilität werde unverzüglich mit dem erforderlichen Personalabbau in der Produktion begonnen.
Für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist das Verhalten des Backwarenherstellers nicht nachvollziehbar: Anstatt die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich von 38,5 auf 42 Stunden zu erhöhen, die Zuschläge für Sonn- und Feiertage auf 25 Prozent zu senken, die Zuschläge für die Nachtarbeit auf 20 Prozent zu senken, Zuschläge für die Spätarbeit völlig zu streichen und die bis zum Ende 2010 vereinbarte Beschäftigungssicherung ganz außer Kraft zu setzen, fordert die NGG, andere Möglichkeiten auszuschöpfen. Seitens der NGG wurden Kurzarbeit, eine vorübergehende Reduzierung der Arbeitszeit, die Förderung von Teilzeitangeboten vorgeschlagen. "Die Arbeitnehmer hätten dabei auf Einkommen verzichtet", sagt Wiese, "entlassen werden muss niemand".
Dass man bei Siebrecht über hohe Lohnkosten klagt, ist für die NGG ohnehin unverständlich. "Mit dem letzten Tarifvertrag sind wird der Geschäftsleitung soweit entgegengekommen, dass Siebrecht 10 bis 20 Prozent unter dem Flächentarif zahlt", stört sich Wiese am hartnäckigen Gebaren der Unternehmensleitung. Was diese derzeit fordere, laufe darauf hinaus, dass einige für das gleiche Geld mehr arbeiteten, während andere auf die Straße gesetzt würden. "Gewerkschaften und Betriebsrat sollen erpresst werden", ist sich Wiese sicher.
Für 26 seit dem Jahr 2006 eröffnete Filialen, für die der Haustarif nicht gilt, will Siebrecht ab Juli das Verpachtungssystem einführen. Für Armin Wiese werden die Arbeitnehmer damit in eine Scheinselbständigkeit gedrängt. Eine Stellungnahme der Siebrecht-Geschäftsleitung war gestern nicht zu bekommen. Es wurde aber angedeutet, der Betriebsrat werde eine Vereinbarung mittragen. Gegebenenfalls auch gegen den Willen der NGG. Laut Wiese sind von den geplanten Maßnahmen mehr als 900 Mitarbeiter betroffen.














