Landrat Hubertus Backhaus über sein Wirken im Kreishaus / Verkrustete Strukturen aufgebrochen
Kreis Höxter. Zweimal seit 1996 wählten die Bürgerinnen und Bürger des Kreises Höxter Hubertus Backhaus zu ihrem Landrat. Mit Ergebnissen, die deutlich höher lagen als die seiner Partei, der CDU, der er seit 1974 angehört. Seit fast 13 Jahren ist Backhaus somit als höchster Repräsentant des Kreises Höxter Chef der Kreisverwaltung mit rund 630 Mitarbeitern und Vorsitzender des Kreistags Höxter. Für ihn "eine Herzensangelegenheit und die Entscheidung dafür, keineswegs nur von der Ratio bestimmt." Zur Wahl des neuen Landrats am 30. August, tritt Backhaus aus eigenem Entschluss nicht mehr an. Seine Amtszeit endet am 20. Oktober.
So recht daran glauben kann er noch nicht. Er ist zu sehr mittendrin in seiner Arbeit. Das Tagesgeschäft hat ihn voll im Griff, und er will es auch im Griff behalten. "An erster Stelle steht die Aufgabe und die Aufgabenerfüllung", sagt er. So habe er es immer gehalten, und dann könne er auch hoch erhobenen Hauptes gehen. Mit einer Prioritätenliste im Kopf, aber ebenso schriftlich formuliert, trat Hubertus Backhaus sein Amt vor 13 Jahren mit dem Ziel an, die verkrusteten Strukturen im Kreis Höxter aufzubrechen. Aus der jahrelangen Arbeit im Kreistag waren ihm viele Felder bekannt, in denen der Kreis bei weitem nicht den Anforderungen der Zeit entsprach. In Form einer Aufholjagd galt es, den Kreis mehr in den Fokus zu stellen, aber auch den Menschen, die hier leben, zu helfen, die Zukunft etwas besserer und sicherer zu machen.
Die gesamte Verwaltung umgekrempelt
Vieles ist ihm gelungen, manches nicht. Das meiste ging ihm nicht schnell genug. Backhaus malt kein alles überstrahlendes Bild seiner Schaffenszeit. Er sieht das Licht wie auch den Schatten und misst sich an den eigenen hohen Ansprüchen. "Ich habe mich nicht daran gewöhnt, dass nicht alles so schnell geht, wie man es haben müsste, um auf der Höhe der Zeit zu sein. Aber ich habe gelernt, es zu akzeptieren."
Hervorragend gelungen ist ihm die Umkrempelung der Verwaltung angefangen bei der Modernisierung der gesamten Einrichtungen, Technik, Ablauf- und Organisationsstruktur. Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter haben sich deutlich verbessert, sodass er sich auf die Unterstützung durch ein engagiertes Team verlassen kann.
"Weniger gelungen als ich mir vorgenommen hatte, sind die Maßnahmen für ein Zusammenwirken der Verwaltungen im öffentlichen Sektor der kommunalen Familie, um Verbesserungen der Strukturen, der Schlagkraft und der Einsparung von Ressourcen zu erreichen", räumt er ein. Punktuell gab es erhebliche Widerstände der Städte aus Sorge, durch die Zusammenarbeit bestimmte Zuständigkeiten oder Selbstständigkeiten zu verlieren. "Während die freie Wirtschaft notwendige Prozesse in kürzester Zeit umsetzt, lässt sich die öffentliche Verwaltung teilweise Jahre Zeit. "Das verschwendet Ressourcen, das verschwendet Geld und vermindert auch die Zukunftsaussichten."Nichtsdestotrotz hat der Kreis Höxter innerhalb der kommunalen Familie auf Landesebene heute in vielen Bereichen und auf zukunftsweisenden Feldern eine Vorreiterrolle übernommen. An vielen Projekten, die hier entwickelt und umgesetzt wurden, orientieren sich andere Kommunen. "Das macht nicht stolz, aber es macht zufrieden, wenn sich andere für die Vorgehensweisen interessieren. Zeigt es doch, dass wir auf dem richtigen Weg sind."
Dazu gehören unter anderem die Bündelung der Zuständigkeit in der Abfallwirtschaft und das Geodatenportal mit Digitalisierung der Gesamt-Katasterdaten mit dem Internetzugang für Städte, Architekten und Notare. "Hier haben wir 1996 die schlechteste Position eingenommen, jetzt liegen wir ganz vorne." Eine Vorreiterrolle nimmt der Kreis Höxter ebenso beim Bildungsmanagement und dem Gewässerprojekt, aber auch innerhalb der Verwaltungsorganisation unter anderem durch die Einführung von Mitarbeitergesprächen oder Kundenbefragungen ein.
Im touristischen "Projekt Kloster-Region" und vor allem im Projekt "Natura 2000 - Naturerleben im Kreis Höxter", mit dem die besonderen Schätze des Kreises Höxter, großflächig von der EU unter Schutz gestellt, für Naturfreunde für den sanften Tourismus erschlossen werden. Hierin sieht Backhaus ausgezeichnete Chancen der Zukunftsentwicklung im Kreis. "Der Tourismus wird sich wieder mehr auf das Inland konzentrieren. Dafür muss man Anreize schaffen, um auf den Kreis Höxter aufmerksam zu machen."
Das Thema Schuldenabbau war ein weiterer Punkt, den Backhaus sich von Beginn an vorgenommen hatte. "Hier ist die Reduzierung auf ein knappes Drittel der Schulden gelungen." Dies sei durch Personalabbau, Kostensenkung in allen Bereichen, speziell bei Energie und Versorgung, aber auch im Bereich der Integration von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern in den Arbeitsmarkt erreicht worden. "Da haben wir eine Menge getan. Von 1996 bis 2005 konnten wir die Anzahl derjenigen, die auf den Staat angewiesen sind, fast halbieren."
Gefragt nach der herbsten Niederlage seiner Amtszeit, kommt die Antwort prompt: "Die gescheiterte Einführung des bereits 1997 fertig entwickelten und eingestielten Intranets, mit dem alle Schulen untereinander verknüpft ins Internet gegangen wären, war der größte GAU, den ich zu verkraften hatte. Das macht mir heute noch zu schaffen." Die Chance sei vergeben worden, weil die Städte nicht bereit waren, die aus seiner Sicht marginalen Kosten zur langfristigen Sicherung des Projekts zu übernehmen. "Ich habe nicht verstanden, dass so eine Zukunftsfragestellung und die enorme Chance für uns im ländlichen Bereich nicht von allen gleichzeitig erkannt wurde. Die Tatsache, dass wir heute eine so schlechte Infrastruktur der schnellen Internetverbindungen haben, ist auch diesem Nichterkennen von Chancen geschuldet."
Miteinander geht es schneller
In dem Zusammenhang dann auch ein besonderes Highlight ein: "Beim Straßen- und Wirtschaftswegekonzept haben alle recht schnell erkannt, dass dies der richtige Weg ist. Innerhalb eines Jahres war von der Pilotphase bis zur Verabschiedung und Vorlage des Konzepts alles erledigt. Das hätte ich mir bei vielen anderen Dingen auch so gewünscht. Das gibt auch Hoffnung für die Zukunft, dass viele erkannt haben, dass man miteinander viel besser und schneller vorankommt, als wenn jeder für sich einen Weg sucht."