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31.08.2009
"Das ganze Dorf hat kräftig mitgezogen"
Wo der hohe Berg und die Deisel grüßen: Seit 1.000 Jahren lieben und schätzen die Manroder ihre dörfliche Heimat
VON SASKIA JOCHHEIM

Junge Manroder in derben Bauernkleidern aus vergangenen Zeiten | FOTO: SASKIA JOCHHEIM

Manrode. 1.000 Jahre, 1.000 Besucher: Ortsvorsteher Detlef Unger freute sich gestern über ein richtig gelungenes Festwochenende. Doch schon in der Woche vor der Jubiläumsfeier war die Vorfreude auf die Festtage bei den Manrodern groß. Der ganze Ort fieberte dem Jubiläumswochenende entgegen.

Am Freitagabend wurde das Dorfjubiläum mit einem Hochamt in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk eröffnet. Nach dem anschließenden offiziellen Festakt in der Berglandhalle sorgte die Tanzband "The Moonlights" für Stimmung.

Die dunklen Regenwolken am Samstagmorgen konnten das sonnige Gemüt der Manroder nicht trüben. Pünktlich um 11 Uhr versammelten sich alle Mitwirkenden in den 30 Marktständen, die rund um die Berglandhalle aufgebaut worden waren. Zehn Stände präsentierten dabei Ereignisse und Arbeitsweisen aus zehn Jahrhunderten. "Wir wollten mal etwas anderes auf die Beine stellen", so Ortsvorsteher Detlef Unger. Daraus entstand die Idee des Jahrhundertmarktes: "Wir möchten Manrode so zeigen, wie es war und wie es bis heute ist: Ein Dorf der Bauern und Handwerker".
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Am Stand des 11. Jahrhunderts trafen die Besucher Bischof Meinwerk, der in seiner "Vita Meinwerci" für die erste Erwähnung des Ortes verantwortlich ist. Ein Mönch berichtete aus einer Klosterzelle des 12. Jahrhunderts über die damalige Zugehörigkeit der "Ananrother" zum Kloster Helmarshausen. Den krassen Unterschied zwischen Arm und Reich stellten die Mitwirkenden des Standes aus dem 13. Jahrhundert dar. Der nachfolgende Stand legte den Schwerpunkt auf den Schutzpatron des Ortes, Johannes Nepomuk. Die schrecklichen Folgen der Pest im 15. Jahrhundert zeigte die Manroder Landjugend. Ins Gespräch mit Martin Luther (Walter Dürdodt) kamen die Besucher am Marktstand des 16. Jahrhunderts. Am nächsten Stand erinnerten Manroder Mädchen in altertümlicher Tracht an die Wirren des 17. Jahrhunderts. Damals waren von Marketenderinnen verwundete Soldaten im Ort versorgt worden.

Mit mehreren Kartoffelständen erinnerten die Manroder an die Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg, in der die "dolle Knolle" den Menschen das Leben rettete. Leckere gebratene Kartoffeln überzeugten die Besucher davon, dass diese Erdfrucht nichts von ihrer damaligen Bedeutung eingebüßt hat. Die Eigenversorgung der ländlichen Bevölkerung war auch das Thema des 19. Jahrhunderts: Butter, Kochkäse, Gelee und Marmelade wurden nach alter Art von Christina Blömeke und Gerlinde Schauf hergestellt. In den alten Originalöfen backten Marie-Luise Rasche und Heike Müller Eiserkuchen.

Fotos zeigten die Vorgehensweise bei einer damals üblichen Hausschlachtung. Auch die erforderlichen Geräte wurden Interessierten gezeigt und erklärt.

Wie die Wolle für warme Kleidung hergestellt wurde, zeigten Anita Widera an der Wollkämmmaschine sowie Georg Thiele, Margarethe Thiele, Anneliese Hoff und Helene Hennemann von der Spinnstube Eberschütz geschickt an ihren Spinnrädern.

Das Lebensgefühl alter Zeitläufte machte "Ankündiger und Bekanntmacher" Adolf Reddemann perfekt. Kräftig schwang er die Glocke und verkündete lauthals die neuesten Vorkommnisse. Auch Schuster, Schmied und kräuterkundige Frauen fehlten nicht beim bunten Treiben auf dem Manroder Markt. Stockbrot, Spanferkel und - ganz neuzeitlich - Pommes und Würstchen rundeten die Auswahl an kulinarischen Genüssen ab.

Dichtes Gedränge herrschte bei der Brautmodenschau am Nachmittag. Junge Manroderinnen und Manroder präsentierten die Mode für den schönsten Tag im Leben - aus den Jahren 1909 bis 2009. Und herzhaft gelacht haben die Zuschauer beim Sketch "Die ersten Manroder": Karl-Heinz Rasche-Rose hatte die Rolle der holden Gattin übernommen, die im tiefsten Plattdeutsch ihren Mann in Grund und Boden schimpft.

Detlef Unger lobte das große Engagement der Manroder Bürger: "Das ganze Dorf hat zum Jubiläum kräftig mitgezogen. Durch den Zusammenhalt im Ort haben wir es geschafft, diese gelungene Feier zu verwirklichen." Um an das Jahrtausendereignis zu erinnern, war bereits vor dem Jubiläumswochenende ein Gedenkstein nahe der Berglandhalle aufgestellt worden.


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