Ein Blick in den Wohnanhänger eines junges Schausteller-Paares auf der 61. Oktoberwoche
Warburg. Hinter dem Rummelplatz sind die Gassen eng und verwinkelt. Mächtige Zugmaschinen parken neben schmucken kleineren und großen Campingwagen. Hier gibt es weder Türklingeln noch Hausnummern. An einem riesigen Wohnauflieger prangt ein bronzefarbener Schriftzug. "Burghard-Dreßen" steht da zu lesen, die Hausbesitzer. "Dann kommen Sie mal rein", sagt das junge Paar.
Alexander Burghard und Yvonne Dreßen betreiben den Geister-Irrgarten "Ghost" auf der Warburger Wiesn. Wenn die Geister ruhen, beginnt für das junge Paar der Feierabend - zur Geisterstunde. "Manchmal schauen wir dann noch bei den Kollegen vorbei", erzählt der 24-jährige Schausteller. Man kennt sich auf dem Rummelplatz.
Aber die Nacht wird nicht zum Tag gemacht. Wenn andere feiern, müssen die Schausteller malochen. Ihr Tagwerk beginnt um acht Uhr. Dann klingelt der Wecker. Auf dem Kirmesplatz herrscht noch die Stille. "Morgens früh liegt die ganz normale Hausarbeit an", sagt Yvonne Dreßen.
Ihr Haus hat Räder - das muss es auch. "Von März bis Oktober sind wir unterwegs", sagt Alexander Burghard. Das Eigenheim reist mit. Und unterwegs muss das junge Paar auf nichts verzichten. Per Knopfdruck fährt der Wohnanhänger in die Breite. Bei fünf Metern ist Schluss. Die Länge bleibt gleich: 13 Meter misst das Vehikel - auch während der Fahrt als Anhängsel hinter dem großen Truck. "Das ist ein US-Modell. Die Amerikaner fahren damit in Urlaub zum Camping", schmunzelt Burghard. "Dort ist eben alles eine Nummer größer."
Die Größe von Burghard-Dreßens fahrendem Haus birgt den Luxus der Normalität. "Alles wie in einer ganz alltäglichen Wohnung", sagt der 24-jährige Schausteller. Es gibt ein Schlafzimmer, ein Badezimmer mit Dusche und ein Wohnzimmer mit einer Küchenzeile samt Dunstabzugshaube. Seine Freundin Yvonne hat eingekauft: frischen Blumenkohl, Kartoffeln und Bouletten. In den Regalen stehen hübsch dekorativ Vasen und Kerzen. Selbst ein riesiger Flachbildfernseher findet Platz in dem Wandschrank des Wohnzimmers. Die überdachte Veranda mit Blick auf die riesige Rückwand des Breakdancer-Karussells rundet das rollende Heim ab.
In die Morgenstunden fällt neben der Hausarbeit auch die Pflege und Wartung der Maschinen. Auch der große Trailer will gehegt sein. Alexander Burghard kärchert sein Haus ab. "Der ist zwei Jahre alt, wird aber in zehn Jahren noch genauso aussehen", betont der Schausteller. Seit zwei Jahren ist das Paar mit dem Wohntrailer, dem "Ghost"-Irrgarten und den zwei Zugmaschinen unterwegs. Der riesige Wohnanhänger gehört zum Burghardschen Familienbesitz, genauso wie der Geister-Irrgarten. Alexander Burghard stammt aus einer alten Schaustellerfamilie mit Hauptsitz in Hamm. Er betreibt die Schaustellerei bereits in der sechsten Generation. Seine Eltern sind derzeit mit dem kleineren "Gruselpalast" unterwegs, seine Schwester bietet "Enten-Angeln" in Norddeutschland an. Freundin Yvonne Dreßen hat Alexander Burghard auf dem Rummel kennen gelernt. "Meine Familie arbeitet im Gastronomie-Bereich", sagt Dreßen.
Seit einiger Zeit ist das junge Paar allein unterwegs. Es sei die Zeit der Abnabelung. "Wir wachsen in das Geschäft hinein", sagt Alexander Burghard. Mit seinen 24 Jahren trägt der junge Unternehmer jede Menge Verantwortung. "Aber so ist das bei uns. Wir kennen nichts anderes und wollen auch nichts anderes." Der junge Geschäftsmann hat Träume für die Zukunft: "Eine richtig große Geisterbahn mit drei Etagen. Das Geschäft mit der Kirmes soll wachsen."