Warburg. Wenn Lars Hoffmann und Tanju Elüstü den Sportplatz in Wormeln im Kreis Höxter betreten, werden Erinnerungen wach: Am 3. Oktober spielten die beiden hier gegeneinander, bis Hoffmann durch ein böses Foul seines Gegenspielers aus der Partie gerissen wurde. Dass die beiden mittlerweile freundschaftlich verbunden sind, ist nicht selbstverständlich.
Hoffmanns FC Germete/Wormeln II führte in der 40. Minute mit 8:0-Toren gegen die Sportfreunde Warburg II, als ihn Tanju Elüstü auf Höhe des Mittelkreises von hinten umgrätschte: Seine Stollen trafen Hoffmann direkt am rechten Knöchel. Ein Foul mit Folgen: Der athletische Krankenpfleger brach sich das Schien- und Wadenbein. Sein Trainer Olaf Glade stand auf gleicher Höhe an der Seitenlinie. Er rief sofort den Krankenwagen: "Ich sah, dass sein Bein gebrochen ist. Da musste ich schnell reagieren", sagt der Coach. Noch am Abend wurde Hoffmann im St.-Petri-Hospital operiert, mittlerweile kann er nach elf Tagen Krankenhausaufenthalt auf Krücken schon wieder erste Schritte machen. "Das Bein schmerzt zwar noch, aber ich bin guter Hoffnung, dass ich in ein paar Wochen wieder arbeiten und die Fußballschuhe schnüren kann", ist Hoffmann optimistisch.
Für den Warburger kam der Unfall in Wormeln zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Der 34-jährige steckte mitten in den Vorbereitungen für einen Triathlon. "Natürlich ist die Verletzung äußerst ärgerlich, aber ich muss nach vorne schauen. So etwas kann beim Fußball passieren", sagt Lars Hoffmann der Neuen Westfälischen.
Nach dem Schlusspfiff ins Hospital
Tanju Elüstü eilte nach dem Schlusspfiff sofort ins Hospital, um sich bei Hoffmann zu entschuldigen. Doch der lag bereits unter dem Messer. Auch bei einem zweiten Besuch am Abend konnte der 20-Jährige seinen Gegenspieler nicht antreffen. "Er lag im Aufwachraum. Also habe ich ihm einen Brief geschrieben und einen Pfleger gebeten, ihm das Schriftstück zu überreichen", erinnert sich der junge Fußballer. Am Sonntag konnte er sich dann persönlich am Krankenbett bei Hoffmann entschuldigen - ein Treffen, das nicht das letzte bleiben sollte. Die beiden sprachen über das Foul, versuchten die Situation gemeinsam zu verarbeiten. Schnell tauschte man sich auch über private Dinge aus. Täglich besuchte Tanju Elüstü nun den Patienten während seiner Zeit im Krankenhaus. Dabei kann man von Schicksal sprechen, dass der junge Warburger gerade als Zivi im Petri-Hospital arbeitet.
"In den Pausen habe ich bei Lars nach dem Rechten geschaut, um mich zu vergewissern, dass es ihm gut geht." Mittlerweile kann Elüstü auch wieder besser schlafen - in der Nacht nach dem Foul habe er kein Auge zugemacht, so sehr habe ihn das Gewissen gequält: "Dabei war es alles andere als Absicht." Germete/Wormeln II führte bereits mit 8:0. Ein Frustfoul war es laut Elüstü nicht: "Ich wollte den Ball wegschlagen und habe stattdessen Lars unglücklich am Knöchel getroffen", sagt der junge Zivi. An das, was nach dem Foul geschah, erinnert er sich noch ganz genau: "Als ich die rote Karte gesehen habe, bin ich wie in Trance in die Kabine gegangen und habe mich eingeigelt. Ich stand unter Schock." Wenn Lars Hoffmann und Tanju Elüstü heute aufeinandertreffen, können sie über das B-Liga-Spiel fast schon wieder lachen: "Das Foul war unglücklich, aber wir versuchen, nicht mehr zurückzuschauen", sind sich die beiden Sportler einig. Elüstü wurde nach dem Foul für vier Wochen gesperrt.
"Die Strafe hätte auch höher ausfallen können. Mir ging es in erster Linie um die Gesundheit von Lars", so Tanju Elüstü gegenüber der NW.