Warburg. "Unsere Kirche ist voller Geschichten", weiß Pfarrer Heinz Eickhoff. Die jüngste Geschichte der Warburger Neustadtkirche St. Johannes Baptist geht jetzt zu Ende: die Renovierung. "Noch knirscht der Staub unter den Füßen", sagt der Pfarrer. Die Handwerker haben Putzverbot im Gotteshaus verhängt - bis zur letzten Minute.
Morgen sollen die Gewerke mit den gröbsten Arbeiten fertig sein. Der Feinschliff wird dann parallel zum Kirchenbetrieb weiterlaufen. Die Handwerker werden dem Reinigungsteam die Klinke in die Hand geben, denn bereits am Samstagabend soll die Gemeinde wieder feierlich in ihr herausgeputztes Gotteshaus einziehen. In der Vorabendmesse darf dann andächtig gestaunt werden, denn in der Kirche ist seit April viel passiert. Rund acht Monate dauerte die letzte Etappe der insgesamt zehnjährigen Renovierungsarbeiten.
"Mit der Bedachung des Turms hatte alles angefangen", erinnert Pfarrer Heinz Eickhoff. Dann wurde sich weiter vorgearbeitet: Vom Hochchor ins lange Kirchenschiff. Die Zeit für die Renovierung war reif, das alte Mauerwerk feucht, die Sandsteinrippen der gotischen Fenster gebrochen. Und dann hörte auch noch die große Kirchturmuhr auf zu schlagen. Nur einige Mängel in der rund 750 Jahre alten Kirchengeschichte. Aber mitunter liegt im Unglück überraschend viel Glück.
"Die am besten erforschte spätromanische Kirche"
Die Funde bei der Renovierung des gotischen Hochchors sorgten bundesweit für Aufsehen: Ein Totentanz und das Bild des heiligen Christophorus. "Da haben die Denkmalpfleger Blut geleckt", sagt Pfarrer Heinz Eickhoff. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe brachte ein Sonderheft zur Neustadt-Kirche heraus. "So ist unsere Kirche die am besten erforschte spätromanische Kirche in Ostwestfalen", freut sich der stolze Hausherr.
Und die Bauforschungen laufen weiter. In dem Sakralbau werden immer neue Funde entdeckt: Zuletzt ein unbekannter Treppengang und das Fragment eines spätgotischen Sakramentshauses. Das Dach des steinernen Gehäuses soll künftig auf einer Stahlkonstruktion hinter dem Hochaltar präsentiert werden.
Die Gemeinde selbst wird es während der Messe gemütlicher haben. Die Kirchenbänke im Mittelschiff stehen auf einem Holzpodest. Mit der neuen Heizungsanlage sind die Zeiten der kalten Füße passé. Der Kirchenbesuch lädt zur Einkehr und spirituellen Schau. An den weiß getünchten Wänden sind die Heiligenfiguren zum Teil neu positioniert. Die Seitenaltäre sind von den Restauratoren professionell gereinigt worden und erstrahlen im alten Goldglanz.
Licht-Designer setzten starke Akzente
Auch der Renaissance-Taufstein von 1598 wurde verrückt. Das erste Sakrament wird zukünftig im Seitenschiff gespendet. Dort ist die Szenerie heimeliger, wenn der neue Erdenbürger in den Schoß der Gemeinde aufgenommen wird. Für die würdige Atmosphäre im Gotteshaus sorgt darüber hinaus das Licht.
Die Beleuchtung stammt aus Designerhand. Mit zwei Kölner Lichtplanerinnen hat Pastor Eickhoff die Inszenierung der Innen-Architektur samt Ausstattung durchgesprochen. Sechs Kronleuchter mit einem Durchmesser von zwei Metern schmücken die Gewölbe.
"Nach oben leuchten Sparbirnen, nach unten strahlen Halogenkipper", erklärt Heinz Eickhoff. Das Licht kann gedimmt, zentriert oder gestreut werden. Gesteuert wird die Lichtführung über einen modernen Touch-Screen-Monitor.
Als letztes werden die Orgelbauer aus dem Gotteshaus ziehen. Derzeit wird das riesige Pfeifenwerk zusammengesetzt. Danach wird die Orgel neu auf den Raumklang abgestimmt. "Und bis alle Register erklingen, wird es noch etwas dauern", weiß Pastor Heinz Eickhoff.
Der Kassensturz: Rund 600.000 Euro hat die letzte Etappe der Kirchenrenovierung gekostet. Das Paderborner Generalvikariat hat die Sanierungsmaßnahmen mit 400.000 Euro unterstützt. 200.000 Euro wird die Neustadt-Gemeinde aus Eigenmitteln finanzieren.