Rimbeck. Den Tag, als Markus Bunse mit seinem Trabant einen Alfa Romeo alt aussehen ließ, wird er nie vergessen: Obwohl nur 26 PS unter der Haube, hat er den sportlichen Konkurrenten auf seiner Hausstrecke nach Blankenrode überholt. Böse Blicke gabs nicht. Denn 20 Jahre nach dem Mauerfall ist die ostdeutsche Rennpappe im Westen ein Kultobjekt geworden.
Wie beliebt der Trabi inzwischen ist, bekam der Kraftfahrzeugmeister aus Rimbeck bei einer Oldtimer-Ausfahrt zu spüren: "Da waren viele mit ihrem alten Ford oder Mercedes da und bekamen vom Straßenrand freundlichen Applaus. Ich kam mit meinem Trabi schon ein bisschen komisch vor. Doch als ich an den Menschen vorbei fuhr gabs Jubel und La-Ola-Wellen", erzählt der 38-Jährige, der zusammen mit seinem Vater Wilfried eine Tankstelle und KfZ-Werkstatt in Rimbeck betreibt. Das sein Trabi mit Baujahr 1988 eigentlich noch gar nicht zu den Oldtimern gehörte, war in dem Moment völlig egal.
Bewundert wurde der "Stinker" längst nicht, weiß Vater Wilfried zu berichten. "Nach dem Mauerfall war ich regelrecht geschockt, als hier die Massen von Trabbis vorbeikamen. In jedem saßen fünf oder sechs Leute. Zudem waren sie übervoll bepackt." Weil nicht alle genügend Westgeld zum Tanken dabei hatten, habe er manche kostenlos weiterfahren lassen. Bei allen Schwierigkeiten, die die Wende mit sich gebracht habe sei es gut, dass Deutschland sich wieder vereint hat.
Dass sich Sohn Markus vor viereinhalb Jahren einen himmelblauen Trabi für 300 Euro zugelegt hat, hat nichts mit Ostalgie, sondern der Liebe zu Oldtimern zu tun, die er und sein Vater teilen. Und so muss sich der Zweitakter die Garage mit einem Opel Olympia und einer Ente teilen.
Einen Sommer lang wollte er mit dem Trabant die Gegend unsicher machen. Aber irgendwie hat Bunse die Rennpappe lieb gewonnen. Zudem zeigte sich der kleine Citroen im direkten Vergleich ziemlich lahm. Die Ente ging, der Trabi blieb. Inzwischen sind Bunse und sein Trabbi untrennbar. Selbst für 1.500 Euro, die er für die Pappe auf vier Rädern geboten bekam, wollte er ihn nicht verkaufen. Es gibt vieles, was der Kfz-Meister an dem DDR-Auto schätzt. An überflüssige Sonderausstattung wie Warnleuchten für Öl, Drehzahlmesser oder anderem Schnickschnack wurde im real existierenden Sozialismus gespart. Statt einer Heizung gibt es nur eine motorgewärmte Lüftung, die auf dem Armaturenbrett sitzt. "Bis null Grad lässt sich das einigermaßen gut aushalten. Drunter wird es ungemütlich", sagt Bunse. Deshalb hat er seinen Trabi auch nur als Sommer-Fahrzeug von April bis Oktober angemeldet. Eine benzinbetriebene Zusatzheizung, deren Zuleitung aus einem Tank über den Motor geleitet wurde, hat Bunse nicht eingebaut.
Dafür verfügt sein Auto bereits über eine Benzinhahn-Verlängerung. Der Benzinhahn muss nämlich zum Fahren vorher geöffnet werden, damit das Gemisch aus Benzin und Öl direkt in den Vergaser laufen kann. Der Hebel befindet sich neben dem Gaspedal, sodass der Fahrer vor dem Losfahren in den Fußraum kriechen musste. Erst bei den späten Modellen wurden erfindungsreiche DDR-Eigenbauten durch eine serienmäßige Verlängerung ersetzt.
Auch mit einem der wichtigsten Zubehörteile des Trabis, einer Anhänger-Kupplung, ist Bunses Modell bereits ausgestattet. Während sie im Sozialismus zur Beschaffung jeglicher Art von Baustoffen unabdingbar war, hat der Rimbecker sie nur einmal genutzt. "Ich habe einen 100-Kilogramm-Anhänger angehängt - da ist er kaum vom Fleck gekommen", berichtet er lachend von dem Experiment.
Wenn es dem Trabi nicht gut ging, war das mit bloßen Ohren zu hören. Und das, obwohl der Zweitakter ein bisschen knattert wie ein Trecker. "Und wenn mal was sein sollte, dann lässt sich alles in Fred-Feuerstein-Manier vor Ort zerlegen", erzählt Bunse.
Anders als zu DDR-Zeiten sind heute auch die Ersatzteile schnell zu haben. "Es gibt Händler die haben sich auf Trabi-Teile spezialisiert. Den Rest gibt es problemlos im Internet. Man bestellt es und nach zwei Tagen ist es da", erzählt Bunse.
Vor allem, wenn er mal nach Paderborn oder Warburg fährt, nimmt der Rimbecker gern seinen Trabi. "Gerade bei geringen Geschwindigkeiten kann er gut mithalten. Immerhin wiegt er nur 590 Kilogramm", erklärt Bunse. Nur Spritsparen lässt sich mit der Rennpappe nicht. Sieben bis acht Liter auf 100 Kilometer plus Öl braucht er schon.
Auch wenn Bunse nichts auf seinen Trabant kommen lässt, ist er froh, dass heute nur noch wenige von ihnen herumfahren. Denn bei allem Kult um das Ostauto sei der P 601 eines sicherlich nicht: "Umweltfreundlich."