Calden. Obwohl der Bau des umstrittenen Regionalflughafens in Kassel-Calden noch gar nicht begonnen hat, müssen die Projektplaner erste deutliche Kostensteigerungen einräumen. So soll allein die Verlegung der Bundesstraße 7, die wegen des Neubaus der Startbahn erforderlich wird, mit 5,55 Millionen Euro mehr als doppelt so viel kosten, wie noch 2004 geplant. Damals war das Projekt mit 2,85 Millionen Euro kalkuliert.
Diese Zahl habe die Planungsgesellschaft des Flughafens in einer Sitzung des Kreistages genannt, berichtet Steffi Weinert, Kreistagsmitglied der Grünen. "Wir kritisieren, dass SPD, CDU und FDP diese Kostenverdoppelung mit einem Schulterzucken hingenommen haben", so Weinert gegenüber der Neuen Westfälischen. Aufgrund der Steigerung bei der Einzelmaßnahme fordern die Grünen eine aktuelle Kostenberechnung für den gesamten Flughafenneubau. "Die Berechnung der Teilmaßnahme zeige, dass die Baukosten völlig aus dem Ruder laufen", erklärte die Politikerin.
Jörg Ries, Sprecher der Flughafen GmbH, räumte bereits im Sommer gegenüber der NW ein, dass die Kostenschätzung mit einem Volumen von 151,5 Millionen Euro vom März 2004 datiere und nicht den tatsächlichen Kosten entsprächen. Sie bezögen sich zudem nur auf den 1. Bauabschnitt. 2004 seien die ursprünglichen Investitionskosten von 171,85 Millionen Euro "auf Grundlage einer Neubetrachtung der technischen Gewerke wie Flugbetriebsflächen, Hochbauten, Parkplätze, Betriebsstraßen" reduziert worden. Mit einer aktuellen Zahl sei frühestens im Sommer 2010 zu rechnen.
Anders als bisher geplant wird nicht die Flughafengesellschaft, sondern der Landkreis als Bauherr für die Verlegung der B 7 auftreten müssen, um Fördergelder aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung zu bekommen. "Wir werden prüfen lassen, ob das rechtens ist, gehen aber auch davon aus, dass die Flughafengesellschaft nicht förderfähig ist. Das Geld für den Straßenneubau soll der Landkreis gemäß einer
Kostenvereinbarung von der Flughafengesellschaft zurück bekommen. "Als Anteilseigner am Flughafen muss der Kreis dennoch einen Teil der Mehrkosten tragen müssen", so Weinert.