Schrille Sprüche auf Warburgs öffentlichen Toiletten, in den Schulen findet sich dagegen kaum Graffiti
Warburg. Flotte Sprüche am stillen Örtchen: Klotür-Kritzeleien reichen von Liebesbekundungen über gedankenlose Zeichnungen bis hin zu peinlichen Sex-Geständnissen. Auch in Warburgs Toilettenräumen herrscht reger Schriftverkehr - gerade auf den öffentlichen Latrinen. Zum heutigen Welttoilettentag schaute sich die NW auf Warburgs WCs um.
"Meldet euch süsse girls", steht in fetten Lettern über dem Damenklo am Bahnhof. Mit E-Mail-Adresse. Die NW hat dem Verfasser geschrieben, doch die Nachricht erreicht den Empfänger nicht - seine Adresse existiert nicht mehr. Ob aus Jux und Dollerei, oder mit ernsten Absichten - Sprüche auf Toiletten haben ihre eigene Kultur.
Sprachwissenschaftlerin Katrin Fischer hat ihre Magisterarbeit über WC-Graffiti geschrieben. Dafür hat sie 40 Damentoiletten mit 700 Graffiti untersucht, welche Sprache gewählt wird und was die Kommunikationsform auszeichnet.
Die Benutzer der öffentlichen Toiletten am Neustadt-Marktplatz sind weniger auf Kontaktsuche aus. Sie haben vielmehr ihrer Phantasie freien Lauf gelassen. Tic-Tac-Toe-Spielchen finden sich auf den Türrahmen, genau wie wilde Skizzen, die sich in die Kategorie "Herz und Schmerz" einordnen lassen.
Auf den Schultoiletten zeigt sich ein anderes Bild. Wenig bis gar keine schrillen Sprüche zieren die Kabinen. "Seitdem wir die Toiletten neu gestrichen haben, traut sich keiner mehr, sich an den Wänden zu verewigen", sagt Heinz-Josef Dördelmann, Hausmeister am Gymnasium Marianum. Ähnlich "schreibfaul" sind die Schüler am Johann-Conrad-Schlaun-Berufskolleg. Josef Hilkenbach, stellvertretender Schulleiter: "Seit dem Umbau vor einem Jahr gibt es so gut wie keine Sprüche mehr - und wenn, dann lassen sie sich dank einer besonderen Oberfläche leicht wegwischen." Hilkenbach ist nicht böse, dass seine Schüler auf den Klos keine Kreativität mehr beweisen. "Im Grunde", so sagt er, "ist es Sachbeschädigung."
Auch Karl-Heinz Kohlisch, seit 1996 Hausmeister am Hüffertgymnasium, kann sich nicht über Poesie an den Schultoiletten beklagen: "Nur vereinzelt sind in den letzten Jahren die Türen beschmutzt worden. Wir achten aber auch stark darauf, dass sich keiner an den Wänden verewigt", so Kohlisch.
Seinem Kollegen Heinz-Jürgen Scholz von der Haupt- und Realschule in Warburg bereiten die flotten Sprüche auf den stillen Örtchen keine Probleme. Auch hier findet sich kaum ein Spruch. "Wenn die Schüler bei uns zur Toilette wollen, müssen sie einen Schlüssel abholen", sagt Scholz.
Anders sieht es auf den öffentlich zugänglichen Toiletten auf dem Schützenplatz aus. Von "Suche geile Frau ab 40 ohne Tabus" bis "Hier ist mein Kind entstanden" sind bevorzugt in Fäkalsprache allerhand intime Details aus dem Privatleben einiger Warburger zu lesen. Mit reger Beteiligung werden einige Bekenntnisse sogar kommentiert.
Die Klo-Sprüche sind keine Erfindung unserer Tage. Schon die alten Römer sollen Nachrichten in die Wände ihrer Toiletten geritzt haben: Liebhaber seien in allen Einzelheiten beschrieben worden. Bis heute hält dieser Trend an. Doch Lacke, von denen sich die Schriften problemlos beseitigen lassen, machen den Toiletten-Poeten einen Strich durch die Rechnung: Sprüche heften nicht mehr bis zur Sanierung der sanitären Anlagen auf den Wänden, sondern nur noch bis zum nächsten Großputz. Auch Hüffert-Hausmeister Kohlisch weiß, wie er den Toilettengraffiti den Kampf ansagt. "Spezialreiniger hilft gegen die meisten Nachrichten an den Wänden."