Kreis Höxter. Der demografische Wandel schlägt im Kreis Höxter mit aller Härte zu. Nach der gestern vom Statistischen Landesamt (IT.NRW) veröffentlichten Schülerprognose sinkt die Zahl der Schüler im Kreis Höxter bis 2018 um 26,4 Prozent. Die Region ist landesweites Schlusslicht.
Um mehr als 5.100 werde die Zahl der Schüler in den kommenden neun Jahren sinken, prognostizieren die Statistiker. "Wir sind von dieser Prognose nicht überrascht. Sie zeigt die dramatischen Auswirkungen des demografischen Wandels", sagt Kreissprecher Andreas Niggemeyer. Zum Teil sei der Rückgang auch mit der Verkürzung der Abiturzeit auf 12 Jahre zurückzuführen, womit die Schülerzahl sprunghaft um knapp 1.300 zurückgehen werde. "Wir wollen das Problem natürlich nicht verharmlosen. Es gibt intensive Überlegungen und Gespräche, auch mit den Kommunen, wie wir mit dem demografischen Wandel umgehen", sagt Niggemeyer. Ziel müsse es sein, eine vernünftige Schullandschaft zu erhalten.
Um dem Wandel zu begegnen, hat beispielsweise die Stadt Höxter einen Demografiebeauftragen berufen: Hubertus Grimm. Der Stadtsprecher
beobachtet auch die Situation an den Schulen sehr genau. So wird die
Kreisstadt im kommenden Jahr voraussichtlich 257 Mädchen und Jungen
einschulen. Für 2014 werden noch 237 Erstklässler prognostiziert. "Bei
diesen Zahlen muss man wissen, dass wir uns schon jetzt gegenüber den
90er Jahren auf einem niedrigem Niveau befinden. Wir hoffen, dass wir
wenigstens dieses halten können", sagt Grimm. Von 1995 bis 2020, so
eine Langzeitstudie, geht die Schülerzahl in der Stadt Höxter um knapp
30 Prozent zurück.
In der Konsequenz dieser Entwicklung müsse natürlich auch die
Infrastruktur angepasst werden. Während bei den Kindergärten die
Auswirkungen durch die zunehmende U-3-Betreuung nicht so gravierend
seien, müsse bei den Schulen über Standortschließungen diskutiert
werden, so Grimm. Während die Grundschule Brenkhausen schon geschlossen
ist, sind die Diskussionen um die Hauptschule Stahle und die
Grundschule Albaxen derzeit in vollem Gange.
Allerdings warnt Grimm davor, die Debatte des demografischen Wandels
allein auf Kinder und Jugend zu fokussieren. "Konsequenzen gibt es in
vielen Bereichen. So müssen wir vielleicht auch darüber nachdenken, ob
wir noch alle Sportplätze betreiben können und müssen", sagt der
Stadtsprecher. Auch auf die Steuereinnahmen der Kommunen habe die
demografische Entwicklung negative Auswirkungen. Grimm: "Die Kommunen
haben das Problem erkannt. Es wird überall intensiv über Lösungswege
nachgedacht."
Bad Driburg wurde wegen sinkender Schülerzahlen schon vor zwei Jahren
zum Handeln gezwungen. Hier wurde die Eigenständigkeit der Grundschulen
Neuenheerse und Pömpsen aufgelöst, um flexibler auf Schwankungen bei
den Schülerzahlen reagieren zu können. Gab es 2008 noch 225
Erstklässler, sind des im kommenden Jahr noch 184. Schulamtsleiter Uwe
Damer hofft, dass sich die Zahl auf diesem Niveau einpendelt.
"Mittelfristig gibt es keinen Bedarf, Schulstandorte zu schließen",
sagt Damer.
Brakel hat mit Bökendorf bereits eine Grundschule schließen müssen.
Beim Blick auf die Zahlen muss Winfried Wächter vom Brakeler Schulamt
auch in den kommenden Jahren große Schwankungen feststellen. Werden für
2010 157 Erstklässler prognostiziert, sind es 2011 und 2013 jeweils 180
i-Dötze. Danach sinkt die Zahl dramatisch auf 139 neue Schüler.
Erklärungen für die Schwankungen hat Wächter nicht. "Die aktuellen
Entwicklungen können wir verkraften. Sie werden von unseren vier
Grundschulen aufgefangen. Was aber langfristig passieren wird, ist noch
nicht absehbar", erklärt Wächter.¦ OWL