Warburg. Nicht mehr lange und der große Schornstein der Zuckerfabrik hört wieder auf zu dampfen. Bis zum heutigen Samstagabend werden die letzten Rüben der diesjährigen Kampagne eingefahren und pünktlich zu Heiligabend soll der Großteil auch verarbeitet sein. Für die Fabrikleitung und die Rübenerzeuger geht dann eine besonders erfolgreiche Kampagne zu Ende.
"Mehr als 460.000 Tonnen Zuckerrüben werden am Ende der Kampagne verarbeitet worden sein. Das ist ein Rekordergebnis", freut sich der Direktor der Zuckerfabrik, Christian Voß. Das sei eine Steigerung zum Vorjahr um etwa 49.000 Tonnen. Die Produktion verlief mit Ausnahme eines dreitägigen Maschinenstillstands Mitte Oktober aufgrund eines Kabelbrands reibungslos.
Grund für das hervorragende Resultat waren nicht zuletzt die guten Wetterbedingungen im vergangenen Sommer, die den Landwirten einen Ertrag von durchschnittlich 74 Tonnen Rüben pro Hektar Anbaufläche bescherten. "Die Menge an ausgesäten Rübensamen war durchschnittlich, aber das warme Frühjahr und die gute Niederschlagsverteilung sorgten dafür, dass ungewöhnlich viele Pflanzen angingen", erklärt Benjamin Kirchberger von der Rübenabteilung der Fabrik. Der kalte Winter habe zudem den Boden aufgelockert und ein schnelles Wachstum der Rübe begünstigt, so Kirchberger.
Neben den rund 435.000 Tonnen konventionellen Zuckerrüben wurden auch etwa 26.500 Tonnen Bio-Rüben in der Warburger Zuckerfabrik verarbeitet. Im Vergleich zum Vorjahr lässt sich ein Zuwachs von rund 3.500 Tonnen beziffern. Die Anlieferung der Bio-Rüben erfolgte jedoch bereits vor Beginn der offiziellen Kampagne. "Die Produktion von Bio-Zucker ist an strenge Auflagen gebunden. Daher mussten wir die Bio-Rüben zuvor getrennt verarbeiten", erläutert Betriebsleiter Peter Tewes.
Der Trend zu Bioprodukten ist deutlich erkennbar. "Seit 2004 hat sich die Menge der verarbeiteten Bio-Rüben mehr als verdoppelt", so Tewes. Die Warburger Zuckerfabrik ist deutschlandweit das einzige Werk, das Bio-Zucker herstellt.
Auf insgesamt 370 Hektar Ackerfläche in der Region werden die Pflanzen unter Einhaltung der strengen Richtlinien für Bio-Produkte angebaut. "Um das Prädikat ‚Bio' zu erhalten, dürfen die Pflanzen nicht mit chemischen Substanzen gespritzt werden. Die Düngung darf außerdem nur mit natürlichen Mitteln erfolgen", erläutert Benjamin Kirchberger, der in der Zuckerfabrik an der Schnittstelle zwischen Landwirten und Betriebsleitung arbeitet.
Das Rekordergebnis der diesjährigen Rübenkampagne gibt bei Bauern und Fabrikleitung jedoch nicht nur Anlass zur Freude. "Ein derart guter Ertrag in diesem Jahr bedeutet einen schlechteren Ertrag im nächsten Jahr", so Betriebsleiter Tewes. Schuld seien die europäischen Richtlinien. "In der Europäischen Union dürfen nur 12 Millionen Tonnen Zucker in der Lebensmittelindustrie abgesetzt werden. Was wir da nicht loswerden, wirkt mit Ausnahme kleinerer Mengen, die in die Industrie und den Export fließen, als Übertrag mindernd auf die Anbauquote im nächsten Jahr", erklärt Tewes.
"Es lässt sich zwar für das kommende Jahr zwar eine geringere Anbaufläche für Zuckerrüben prognostizieren, trotzdem freuen wir uns jetzt über das gute Betriebsergebnis", sagt Direktor Voß. "Mit dem, etwas bitteren Nachgeschmack müssen wir leben."