Skelettierte Galloways in Willebadessen entdeckt / Suche nach Ursachen hat begonnen
Willebadessen. Zwischen Willebadessen und Borlinghausen sind am Montag gegen Abend zwei Tierkadaver gefunden worden. Fellreste, Hufe und die Nähe zu einer Galloway-Herde weisen auf das Verenden von zwei Hochlandrindern hin. Nach grober Schätzung des zuständigen Veterinärs des Kreises, Dr. Georg Mennemeier, liegen die Tiere vermutlich schon seit dem Sommer in der Wiese. Die Todesursache sei nicht mehr feststellbar, die Blauzungenkrankheit käme in Betracht, betonte er gestern im Gespräch mit der Neuen Westfälischen.
Nach Informationen aus der Pressestelle des Kreises Höxter sei das zuständige Veterinäramt umgehend informiert worden.
Dr. Georg Mennemeier hatte nach seiner Aussage den Tierhalter informiert und sich mit ihm zum Ortstermin am gestrigen Dienstag an der Weide getroffen. Rund 15 Tiere groß ist die Herde der Schottischen Hochlandrinder, die zwischen der Landstraße und der Bahnstrecke Richtung Warburg in einer Senke über das Jahr komplett im Freien gehalten wird.
"Extensive Tierhaltung ist prinzipiell absolut zu begrüßen", äußert sich Burckhard Beinlich von der Landschaftsschutzstation im Kreis Höxter positiv zu einer der Art angepassten Haltung: "Aber es besteht die Verpflichtung, absolut regelmäßig nach den Tieren zu sehen. Es geht gar nicht, dass tote Tiere über Wochen nicht entfernt werden." Eine Haltung ohne zusätzliches Futter sei ganzjährig nur dann möglich, wenn auf dem Hektar rechnerisch nur ein Rind gehalten werde.
Besitzer Bernhard Rittmann kümmert sich deshalb, nach seiner Aussage, regelmäßig um zusätzliches Futter: "Jetzt im Winter bin ich selbst sehr häufig bei den Tieren, da ich sie mit Ruhe an den Menschen gewöhnen will", beschreibt er, wo die Priorität bei seinen Weidenkontrollen liegt: "Die Köpfe werden gezählt, aber durch hinzugekommene Jungtiere kann das Verenden eines Tieres unauffällig bleiben." Dieses sieht der zuständige Veterinär vom Kreis allerdings etwas anders: "Das Fehlen der Tiere hätte durch regelmäßige und sorgfältige Zählung wahrgenommen werden müssen", begründet Dr. Georg Mennemeier nach dem Ortstermin in den Wiesen von Bernhard Rittmann die Einleitung eines Bußgeldverfahrens gegen den Eigentümer der Tiere: "Der Besitzer wird zu den Vorwürfen eines Verstoßes gegen das Tierkörperbeseitigungsgesetz angehört werden."
Kadaver werden heute beseitigt und zum Abdecker gebracht
Der in Horn praktizierende Rechtsanwalt Rittmann sei oft in der Dunkelheit bei den Tieren, deshalb habe er, wie er sagt, zwei Kontrollen täglich delegiert: "Dabei sucht natürlich niemand die gesamte Weide mit der Lupe ab, wenn es keine anderen Ungereimtheiten gibt."
"Familiäre Härten", so betonte er, hätten ihn in der letzten Zeit aber daran gehindert, die Arbeit der für ihn Handelnden regelmäßig zu kontrollieren: "Es gibt Phasen, da ist alles mustergültig, aber ausreichend muss manchmal auch genug sein. Aufgrund der Mitteilung durch das Veterinäramt muss ich mir nun erst einmal selbst ein Bild von der aktuellen Lage machen."
Aufgrund des gleichzeitigen Verendens von zwei Tieren aus einer überschaubaren Herde ist auch für Beinlich eine Erkrankung als Ursache naheliegend. Die Schädel der Tiere liegen jeweils rund acht Meter von den Kadavern entfernt, was wohl durch wildlebende Aasfresser verursacht sein könnte, die Ohrmarken waren nicht auffindbar.
Noch gestern waren die toten Galloways auch durch die vermehrt auftretenden Rabenvögel bei grober Beschreibung gut auszumachen. Der Besitzer hat sich gegenüber dem Kreisveterinäramt verpflichtet, die Kadaver am heutigen Mittwoch zu beseitigen und dem Abdecker zu übergeben. Die sehr feuchte Senke gehört nach dem zur Verfügung stehenden Kartenmaterial zu den Ausgleichsflächen, die die Deutsche Bahn AG im Zug des Tunnelbaus bei Willebadessen aufgekauft hatte.