Warburg. Seit drei Jahrzehnten sind sie in Skandinavien unterwegs: die Familie Tillberg aus Boffzen. "Wir sind von Land und Leuten fasziniert", sagt Vater Harald. Zwei bis drei Mal im Jahr geht es mit dem Wohnmobil auf Nordland-Tour. Im Gepäck: Wanderschuh, Kajak, Tourenski, Mountainbike - und die Kamera. Jetzt zeigen sie ihre Naturaufnahmen in Warburg.
"Viel erlebt", sinniert Harald Tillberg. Der 52-Jährige erinnert sich gern an unvergessene Tage im Land der Fjorde oder bei den Rentierzüchtern Lapplands. Zwischen zwei und vier Wochen verbringen Vater Harald, Mutter Gerlinde und die Kinder Svenja (18) und Björn (16) in den kalten Gefilden Nordeuropas. Für den Möbeltischler und die Krankenschwester geht es jetzt im März wieder los. "Naturverbundenheit", nennt Harald Tillberg lapidar seine Leidenschaft. "Wir wollen den Sport in der Natur erleben."
Dabei entstanden fantastische Landschaftsaufnahmen. "So viele Naturphänomene auf engstem Raum gibt es nicht oft auf der Welt", bemerkt der Nordland-Fan. Gigantisch auch eine Begegnung auf dem Geiranger-Fjord in Norwegen. "Da habe ich die Queen Mary II gestreichelt", berichtet Tillberg. Eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt kreuzte die Seekajaks der Familie. Bis vor den Bug des riesigen Schiffskörpers paddelten die vier Abenteurer.
Unvergessen: "Mit der Hand haben wir den Schiffsstahl berührt".
In Lappland fotografierte Tillberg im Herbst vor einigen Jahren eine Rentierscheidung, bei der die Kälber markiert werden. "Da stand ich mit meiner Kamera zwischen 5.000 Rentieren", sagt er. Bei minus 25 Grad Celsius draußen im Zelt gemeinsam mit Huskie-Hunden zu schlafen, das sei schon einmalig. "Diese Stille kann sich kaum einer vorstellen." Unterwegs ohne den modernen Motorschlitten: Auf dieser 380-Kilometer-Tour war die Familie ganz auf sich und die bärenstarken Schlitten-Hunde gestellt. "Man hört nur sein eigenes Blut pulsieren", erinnert sich Tillberg. "Spätestens wenn dann das Polarlicht flackert, verschlägt es einem die Sprache."
Gattin Gerlinde (47) spricht norwegisch, Harald "Schulenglisch". Doch viele Norweger sprechen auch deutsch. "Die Menschen merken, dass wir uns mit ihrem Land auseinandersetzen, es lieben", sagt Harald. "Da fallen schnell Berührungsängste." Ob im Wildwasser- oder Seekajak, im Sattel des Mountainbikes, in Wanderschuhen und auf dem Tourenski, seit ihrer Geburt sind die Kinder dabei. "Es ist wichtig, immer etwas mit den Kinder gemeinsam zu machen", ist der ausgebildete Wildwasser-Lehrwart des Naturfreundevereins überzeugt.
Auf einer Fahrradtour auf den Rallarvegen schwanden dem damals neunjährigen Sohn Björn die Kräfte. "Ich dachte, er fasst nie mehr ein Rad an", berichtet der Vater. 350 Kilometer und 1.250 Höhenmeter - eine große Herausforderung für die jungen Beine. Doch heute ist Björn amtierender deutscher Hobbymeister im Cross-Mountainbiking. "Und die Nordland-Liebe hat sich festgesetzt", weiß Tillberg. Tochter Svenja hatte 2008 die MTB-Cross-Country-Meisterschaft gewonnen. Die 18-Jährige lebt derzeit als Au-pair in einer Stadt in der Nähe von Oslo an der norwegisch-schwedischen Grenze. Eine Auszeit für die junge Frau, "auch um zu entscheiden, in welche Richtung es beruflich gehen soll", sagt Tillberg.
"Das Licht war das erste, das mich Anfang der 1980er Jahre an den nordischen Ländern fasziniert hatte. Diese Aquarelltöne", schwärmt Tillberg.
Harald, Gerlinde, Svenja, Björn, sie hält das Nordland-Fieber bis heute fest.