Warburger Land. Lange haben die Schulämter im Warburger Land gestern diskutiert, ob wegen des stürmischen Winterwetters die Schulen geschlossen werden, wie es Höxter und Beverungen für heute angekündigt haben. Auch die Winterdienste waren unsicher, was sie den Behörden empfehlen sollten. Die Entscheidung liegt letztendlich bei den Eltern.
"Es wäre leichter, wenn wir genau wüssten, wie das Wetter wird", erklärte Jürgen Thonemann. Der Leiter des Kommunalunternehmens Warburg (KUW) ist für den Winterdienst in der Stadt zuständig. Das Problem: Die Vorhersagen vor allem über die zu erwartenden Temperaturen änderten sich fast stündlich. Die Unwetterwarnung des deutschen Wetterdienstes, die zunächst bis Mitternacht galt, bezog sich auch weniger auf die zu erwartenden Schneemengen als auf die starken Windboen, die zu Schneeverwehungen führen.
Am Ende mussten die Schulämter aber selbst entscheiden, ob sie die Sicherheit der Schulwege gefährdet sahen. Die gemeinsame Entscheidung aus den Rathäusern in Borgentreich, Willebadessen und Warburg: "Aufgrund der Wetterlage sehen wir keinen Anlass, die Schulen zu schließen", erklärt der 1. Beigeordnete der Diemelstadt, Klaus Braun. Die letztendliche Entscheidung liegt allerdings bei den Eltern, betont Borgentreichs Schulamtsleiter Rolf Husemann. "Nach einer Entscheidung des NRW-Schulministeriums dürfen Eltern ihre Kinder bei extremen Witterungsverhältnissen zu Hause lassen", betont Husemann. Das dürfe nicht als unentschuldigtes Fehlen gewertet werden. Angesetzte Klassenarbeiten und Klausuren würden nachgeschrieben. Husemann bittet die Eltern allerdings, sich bei der Schule zu melden, bleibe das Kind zuhause. "Damit sich niemand sorgen muss."
Die Winterdienste im Kreis Höxter haben Schwierigkeiten, den Schneemassen Herr zu werden. So war die Ortschaft Altenbergen bereits gestern Nachmittag mit dem Auto nicht mehr erreichbar. Die Anhöhe "Die Hegge" zwischen Borgentreich und Brakel mit den Ortschaften Frohnhausen, Auenhausen und Hampenhausen war zwischenzeitlich komplett abgeschnitten. "Wir waren nachmittags mit drei Streuwagen in dem Gebiet unterwegs, um die Schneewehen zu beseitigen. Die Fahrer konnten im Rückspiegel beobachten, wie die Straßen hinter ihnen wieder sofort zugeweht wurden", berichte Elmar Schwiete, verantwortlich für den Winterdienst beim Kreis Höxter."Wir sind an der Leistungsgrenze", ergänzt sein Kollege Gerhard Frewer. Doch der Leiter der Straßenmeisterei Peckelsheim verspricht, alles zu tun, damit die Bundes- und Landstraßen in seinem Zuständigkeitsbereich offen bleiben. "Aus aktueller Sicht erwarte ich keine größeren Probleme. Allerdings kann ich nicht mit Sicherheit versprechen, dass wir keine Straßen sperren müssen", erklärte Frewer auf NW-Anfrage. Ab drei Uhr in der Nacht sind bis zu zwölf Mitarbeiter mit Räumfahrzeugen unterwegs. Weil seine Abteilung sorgsam mit den Vorräten umgehe und dosiert streue, habe die Straßenmeisterei keinerlei Engpässe beim Streugut.
Schwieriger sieht die Lage auf den Kreisstraßen aus. "Wir streuen momentan überhaupt nicht mehr. Wir können nur noch den Schnee von den Fahrbahnen räumen", berichtet Elmar Schwiete frustriert. Seit Tagen wartet er auf eine Meldung aus Hannover, wann der Kreis wieder mit neuem Streugut versorgt wird. Entsprechend glatt war es gestern auf vielen Straßen im Kreis.
KUW-Chef Jürgen Thonemann hat das Warten bereits aufgegeben. "Die nächste Lieferung für das normale Streusalz mit dem wir die Fußwege abstreuen, wurde uns für Ende März angekündigt", berichtet Thonemann. Das bedeute, dass die Stadt die Wege nur noch räumen werde. Der kleine Notvorrat von zwei Tonnen werde nur "bei extremen Glatteis" eingesetzt. Ähnlich sieht es beim Feuchtsalz für die Straße aus, dass nur noch für etwa einen Tag ausreiche. Hier werden aber bald neue Lieferungen erwartet, ähnlich wie in Willebadessen und Borgentreich. Das angekündigte Tauwetter könnte die Probleme verschärfen. "Auf Schnee lässt es sich fahren, aber wenn der Matsch gefriert, wird es spiegelglatt", sagt Thonemann. Aufgrund der Witterung bittet Thonemann die Bürger, nur nach draußen zu gehen, wenn es unbedingt notwendig ist. "Vor allem ältere Leute sollten zu Hause bleiben", sagt Thonemann. "Aus den Krankenhäusern werden viele Knochenbrüche gemeldet."
Der gleiche Rat geht an die Autofahrer: "Vermeiden sie, wenn möglich, Autofahrten", erklärt die Kreispolizeibehörde. Wer dennoch fahren muss, wird gebeten, besonders vorsichtig zu sein. Probleme erwarten die Winterdienste vor allem durch starke, plötzlich auftretende Schneewehen. "Es passiert, dass wir eine Straße freiräumen und schon eine halbe Stunde später ist sie wieder weiß", schildert Gerhard Frewer, Leiter der Straßenmeisterei Peckelsheim.
So warnt die Pressesprecherin des Kreises, Silja Polzin: "Stürmischer Wind führt zu starken Schneeverwehungen auf den Kreisstraßen - insbesondere in den Stadtgebieten von Borgentreich, Brakel und Warburg. Alle verfügbaren Räumfahrzeuge des Kreises sind durchgehend im Einsatz." Auch in der vergangenen Nacht.