Kreis Höxter. Sie haben mit Treckerkorsos den Höxteraner Marktplatz belagert, haben Molkereizufahrten blockiert, Wahlplakate verbrannt, Milch verschenkt und in die Gosse gekippt. Die 270
Milchbauern im Kreis Höxter sind einem ruinösen Preisverfall ausgeliefert. Daran hat sich auch im neuen Jahr nichts geändert.
Trotzdem blieben gestern die Trecker und Protestparolen in der Scheune stehen. Nur um zu reden und zu einem konstruktiven Ergebnis zu kommen, haben die Milchbauernvertreter Karl
Dohmann (56, Ovenhausen), Anton Struck (53, Entrup) und Wilfried Knaup (42, Wormeln) sich gestern in der CDU-Kreisgeschäftsstelle in Höxter mit dem Bundestagsabgeordneten Jürgen Herrmann zu einem Gedankenaustausch getroffen.
"Wir sind heute sehr weit gekommen, viel weiter als ich erwartet habe, was auch ganz wesentlich daran liegt, dass die Milchbauernvertreter aus dem Kreis Mut zur Initiative gezeigt haben", fasste Herrmann das Gespräch zusammen. "Die strukturpolitischen Probleme, die vorhanden sind und ein europäisches Ausmaß haben, belasten uns auch weiterhin, aber in Sachen Faire
Milch sind wir zu einem außerordentlich guten Ergebnis gekommen", zeigte sich auch Karl Dohmann, streitlustiger Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter im Kreis Höxter, zufrieden.
Wie bereits in Südhessen erfolgreich praktiziert wird, soll auch im Kreis Höxter die Faire Milch Einzug in die Supermärkte halten.
Die Faire Milch wird von Bauern des Milchboards erzeugt. Die hier organisierten Milchbauern verpflichten sich zu einer Mengenbeschränkung und der Erzeugung einer zertifizierten Milchqualität, die ausschließlich regional vertrieben wird. "Die Faire Milch sichert den Erzeugern einen Preis von 40 Cent pro Litern zu", erklärt Milchbauer Anton Struck aus Entrup. Aktuell bekommen die
Bauern im Kreis Höxter 25,35 Cent pro Liter. "Das ist ein Preis, bei dem wir ganz gehörig drauf zahlen müssen", bestätigt Milchbauer Wilfried Knaup aus Wormeln.
Knackpunkt ist, dass eine Molkerei gefunden werden muss, die bereit ist, die Faire Milch abzufüllen und sich damit selbst Konkurrenz zu machen. Dass es geht zeigen Beispiele aus Bayern,
Hessen und Baden-Württemberg, wo die die Faire Milch in vielen Regionen in den Regalen der Supermarktketten Rewe und Tegut steht.
Das soll auch im Kreis gelingen. Jürgen Herrmann: "Wenn Sie eine Molkerei finden, die Ihnen die Milch abfüllt, werde ich in Berlin mit Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner sprechen, damit Sie eine Förderung zur Vermarktung der Fairen Milch erhalten." Herrmann sprach von einer halben Million Euro, mit der die Vermarktung der Fairen im Milch im Kreis Höxter unterstützt werden könnte. "Das würde die Faire-Milch-Bewegung deutlich weiter bringen", sagte Dohmann. Die Milchbauern sind zuversichtlich, dass die Faire Milch auch im Kreis Höxter ausreichend Abnehmer finden wird. "Wenn erst das Logo mit der schwarz-rot-goldenen Kuh im Supermarkt steht, werden die Verbraucher darauf anspringen", ist Milchbauer Anton Struck überzeugt. Auch Umfragen belegen, dass die Verbraucher bereit sind, für regionale Milch und faire Erzeugerpreise mehr zu bezahlen. Die Faire Milch kostet im Handel knapp einen Euro. Infos im Internet unter:
www.die-faire-milch.de