Hardehausen. "Wenn wir als Jugendhaus keine Jugendlichen beschäftigen, wer dann?", sagt Johannes Thomas, Geschäftsführer des Kardinal-Degenhardt-Hauses. Deshalb stelle die Einrichtung seit 1973 in jedem Jahr mehrere Zivis ein. Und sucht aktuell auch welche. Angesichts der geplanten Verkürzung der Wehr- und Zivildienstzeit ist das allerdings gar nicht so einfach.
Nico Kröger ist die Nummer 93 in der langen Reihe der Zivis in Hardehausen. Der 19-Jährige Abiturient aus Natzungen hat im November seinen Dienst angetreten. Außer ihm leisten derzeit Christoph Willeke und Frank Eikermann ihren Zivildienst im Erzbischöflichen Jugendhaus.
Christoph besucht gerade ein Seminar, um sich beruflich zu orientieren. Frank ist mit 22 Jahren der Dienstälteste. Er hat im Juni begonnen und nun noch drei Wochen vor sich. Der gelernte Bäcker aus Großenbreden sieht seinem bevorstehenden Abschied mit gemischten Gefühlen entgegen. "Mir hat es hier sehr gut gefallen, ich werde die Zeit vermissen", sagt er. Aber jetzt werde es Zeit, sich weiterzubilden. Frank möchte sich ab August zum Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik ausbilden. "Wieder etwas Handwerkliches", sagt er, "das war mir auch bei der Zivildienststelle wichtig".
Ebenso sieht es sein Kollege Nico, der nach dem Zivildienst ein Agrarstudium anstrebt. Der junge Mann ist handwerklich begabt und weiß die Bewegung an der frischen Luft zu schätzen. "Ich glaub’, deshalb habe ich auch nach dem Abi zuerst darüber nachgedacht, zum Bund zu gehen. Ich habe beim Stichwort Zivildienst eher an die Pflege von alten Menschen gedacht".
In Hardehausen hat der Zivildienst nichts mit pflegerischen Aufgaben zu tun. Auf dem 18 Hektar großem ehemaligen Klostergelände gibt es immer etwas zu tun. Glühbirnen auswechseln, Reparaturarbeiten durchführen oder die Wand überstreichen, wenn Kinder es im Jugendhaus nicht ganz so genau mit den Regeln genommen haben. Auch die "Bestandskontrolle" zum Beispiel des Toilettenpapiers oder einmal im Monat der Pfortendienst gehören zum Job. Meistens sind sie dabei zu zweit. So geht die Arbeit schneller und man kann sich vom anderen ein paar Handgriffe abschauen.
Von 7.45 Uhr bis 16.40 Uhr sind die Zivis im Einsatz. Außer freitags, dann ist um 14 Uhr Dienstende. In ihrer Freizeit haben sie die Möglichkeit, die Freizeitangebote des Geländes zu nutzen. Schwimmbad oder Kegelbahn laden dazu ein, auch nach Dienstschluss etwas zusammen zu unternehmen.
"Viele ehemalige Zivildienstleistende stehen noch mit uns in Kontakt, schicken mal eine Karte", sagt Marlies Wagemann, die als Pfortenleiterin die Arbeit der Zivis koordiniert. "Es gibt auch sehr viele, die noch nach Jahren den Kontakt untereinander pflegen", sagt sie.
"Gerade laufen die Bewerbungen - allerdings etwas stockend"
Um das Miteinander noch stärker in den Fokus zu rücken, wird gerade im sogenannten "Forsthaus" an einer Wohngemeinschaft für junge Mitarbeiter, also für Zivis, FSJler und Praktikanten gearbeitet. Die Räume der WG sollen Ende Februar fertiggestellt sein. Mit 6 bis 7 Zimmern und einem großen Wohnbereich.
Am 3. Juni veranstaltet das Jugendhaus außerdem erstmals ein Treffen für alle ehemaligen Zivildienstleistenden. Für Sommer und Herbst 2010 werden aber noch zwei Zivildienstleistende gesucht. "Gerade laufen die Bewerbungen, allerdings etwas stockend", gesteht Marlies Wagemann. "Die Jugendlichen warten ab, ob der Zivildienst tatsächlich auf ein halbes Jahr verkürzt wird." Eine derartige Regelung wird gerade in der Politik und könnte 2011 in Kraft treten. Die Christdemokraten im Bund denken gleichzeitig über eine Option nach, die es den Zivis erlauben würde, ihren Dienst freiwillig auf ein ganzes Jahr aufzustocken.
Ein schwieriges Thema, finden die Hardehausener Zivis. "Ich habe fast einen Monat gebraucht, um zu wissen, welcher Schlüssel zu welchem Schloss gehört", meint Nico. Dazu gibt es eine dreiwöchige Fortbildung, bei der unter anderem Sicherheitsgrundlagen erlernt werden, und die Einarbeitungszeit. "Da bleibt dann nicht mehr viel von der Zeit übrig", sagt Nico.
Für das Jugendhaus seien die jungen Zivildienstleistenden enorm wichtig, bekräftigt Geschäftsführer Johannes Thomas. "Wir leben davon, Jugendliche zu beschäftigen. Das bringt doch Leben ins Haus."
Marlies Wagemann unterstreicht die Entwicklungsmöglichkeiten der Zivildienstleistenden. "Für viele ist es der erste Schritt in die Selbstständigkeit", sagt sie. "Außerdem fördert das Miteinander die soziale Kompetenz", ergänzt Frank. Nico kann dem Gemeinschaftsleben nur Vorteile abgewinnen: "Man lernt, nicht nur den eigenen Kopf durchzusetzen."