Noch ist der Beginn für das Schulobst-Projekt an drei Grundschulen im Kreis ungewiss
Warburg/Kreis Höxter. Rund 720 Schüler im Kreis sollten ab Mitte März 16 Monate lang aus Mitteln der Europäischen Union täglich mit frischem Obst und Gemüse versorgt werden. Ein Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen.
Ausgewählt wurden Grundschulen in Höxter, Steinheim und Warburg. Diese bekamen im Februar den Zuschlag aus Düsseldorf. Kreisweit hatten sich zehn Grundschulen beworben. Doch nun müssen die Schüler erst einmal vertröstet werden, denn in Höxter wird erst nach den Osterferien, an den beiden anderen Schulen frühestens Ende des Monats, kräftig in Äpfel und Karotten gebissen.
Erst seit wenigen Tagen weiß die Warburger Johann-Daniel-Falk-Schule, woher die Früchtchen kommen werden. Der Antrag beim Landesamt auf Zulassung von Dieter Rademacher, den Leiter des Warburger Rewe-Marktes, kam erst auf Initiative von Schulleiter Daniel Rodenberg ins Rollen. "Ich bin hausieren gegangen, denn alle unsere pädagogischen und organisatorischen Konzepte warteten nur noch auf Produkte."
Der Leiter der Grundschule am Nicolaitor in Höxter war bei der lokalen Suche nicht so erfolgreich. "Ich habe vor Ort keinen Einzelhändler für eine Kooperation gefunden", sagt Ingo Kortmann. "Nun werden wir gleichzeitig mit der Kaserne von einem Händler mit Bio-Zertifizierung aus Minden beliefert." Der Schulleiter aus Steinheim klopft dagegen noch immer an die Türen der nahen Lebensmittelmärkte, denn das Bewerbungsverfahren beim Landesamt brachte ihm bisher kein Obst in die Klassenräume. "Wir schauen zurzeit vergebens in die Listen der zugelassenen Händler", ist Elmar Stricker, verantwortlich für das Projekt in der Nils-Holgerson-Schule in Steinheim, enttäuscht: "Zwei Märkte haben uns zugesagt, ihre Unterlagen einzureichen." Solange bleiben die Schälmesser und Brettchen in der Schublade.
Die Nachfrage der NW bei zwei Direktvermarktern im Kreis zeigt die Problematik. Für den Biohof Engemann in Eissen war über den Biolandlandesverband eine Bewerbung selbstverständlich. "Aber wir konnten preislich nicht im festgesetzten Rahmen bleiben", macht Geschäftsführer Klaus Engemann deutlich. Neben den Produktkosten fließen weitere Faktoren in seine Kalkulation ein: "Lieferkosten und die Bereitstellung und Reinigung der Boxen überstiegen die Vorgabe des Ministeriums", sagt Engemann. Dieses habe sich auf eine Vergabe nach Festpreis verlegt, ein Ausschreibungsverfahren hätte, nach EU-Recht, europaweit erfolgen müssen und damit jeden Ansatz von Regionalität im Keim erstickt.
"Wir haben Obst und Gemüse quer durch alle Anbieter eingekauft", erklärt Wilhelm Deitermann, Pressesprecher aus dem Ministerium für Natur, Umweltschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. "Wir lagen dabei zwischen 24 und 30 Cent pro 100 Gramm, auf dieser Basis haben wir den Preis auf 28 Cent fixiert."
"Optimal ist für uns der kurze Weg"
Für die Imkerei Hensel, die im Biolandbau neben Honig auch Obst im Angebot hat, ist die Pauschale für Äpfel kalkulierbar. Doch Oswald Hänsel hat aus einem anderem Grund keinen Antrag auf Zulassung gestellt. "Die Struktur unseres Betriebes lässt kein abwechslungsreiches und schnell verfügbares Angebot aus einer Hand zu", bedauert der engagierte Imker und Obstbauer aus Bellersen.
Dieter Rademacher ist mit seinem Rewe-Markt derzeit der einzige zugelassene Händler in der Region: "Ich halte das Projekt für richtig und wichtig", sagt Rademacher. "Optimal ist für uns der kurze Weg zur Falk-Schule. Wir stehen in den Startlöchern, von uns aus kann es losgehen."
Infos zum Projekt, den Schulen und Lieferanten im Netz unter
www.schulobst.nrw.de