Warburg. Das Weltbild des Barock war von tiefen Gegensätzen geprägt. Umso größer war der Wunsch nach Harmonie und Ausgewogenheit in den Künsten.
Daran hat sich bis heute gar nicht so viel geändert. Davon zeugt besonders die Barockmusik, die sich beim Publikum einer ungebrochenen Beliebtheit erfreut. Das bewies auch das ausverkaufte Meisterkonzert am Samstagabend in der Aula des Gymnasium Marianum. Barocke Flötenkonzerte mit dem Mainzer Kammerorchester standen auf dem Programm. Und das las sich wie von einem barocken Zahlenmystiker aufgestellt: Im ersten Teil folgte auf einen langen Telemann ein kurzer Bach und im zweiten Teil auf einen langen Bach ein kurzer Telemann. Für jedes Werk standen abwechselnd sieben und neun Instrumentalisten auf der Bühne. Sogar die insgesamt 21 gespielten Musiksätze waren nahezu gleich auf die beiden Programmhälften verteilt. Das hat sich wahrscheinlich alles zufällig so ergeben und war mitnichten vom Ensemble geplant, passte aber wunderbar in das ausgewogene Gesamtbild, das die zehn Musikerinnen und Musiker in der Marianum-Aula boten. Es gab auch kein eindeutiges Hauptwerk in diesem Meisterkonzert-Programm. Telemanns a-Moll-Suite, Bachs viertes Brandenburgisches Konzert und die h-Moll Orchestersuite sowie Telemanns e-Moll Flötenkonzert hatte das Mainzer Kammerorchester gleichberechtigt und gleichwertig nebeneinander gestellt.
Bis hierhin war alles glasklarer Barock. Doch schon in der ersten Ouvertüre wurde deutlich, hier musiziert kein Barockensemble, sondern ein modernes Kammerorchester, das sich barocker Kompositionen angenommen hat. Die Verfechter einer historischen Aufführungspraxis wird dieses Konzert, dessen Musiker ein hohes Tempo vorlegten, nicht überzeugt haben. Und trotzdem war es ein gutes Konzert, einfach weil sehr schön musiziert worden ist. Das war auch die Meinung des Warburger Publikums, das die Musiker des Mainzer Kammerorchesters mit begeistertem Applaus feierte.
Der Streit um die historische Aufführungspraxis spielt für das nächste Meisterkonzert keine Rolle. Die Werke von Schumann, Brahms, Saint-Saëns und Milhaud, die das "Duo Riul" mit Sebastian Manz (Klarinette) und Martin Klett (Klavier) präsentieren werden, sind musikwissenschaftlich hinreichend erforscht. Das Konzert findet am Samstag, 5. Juni, 20 Uhr, im Warburger Marianum statt. Das Duo hat 2008 den begehrten Publikumspreis in der Kategorie Klarinette solo des ARD-Musikwettbewerbs gewonnen. Infos:
www.warburger-meisterkonzerte.de