Warburg. Es war nur ein Nebensatz, der aufhorchen ließ: "Auch wenn nicht alle unsere Wünsche verwirklicht werden konnten, wie die Unterstützung der Diakonie, stimmen wir dem Haushalt zu", schloss SPD-Fraktions-Chef Karl-Heinz Hellmuth am Dienstagabend seine Rede vor den Ratsleuten. Gemeint war die sozialpädagogische Begleitung des Warburger Mittagstisches.
Eine solche hauptamtlich-professionelle Begleitung kostet Geld: 8.400 Euro im Jahr. Den Antrag auf einen Zuschuss seitens der Stadt hatte die Diakonie bereits Ende März vergangenen Jahres gestellt. Im Zuge der Antragstellung hatte die Warburger Diakoniestelle die Fraktionen zu einem Informationsabend über die Arbeit der Beratungsstelle und des Mittagstischs eingeladen. Die Warburger Ratsmitglieder sollten sich ein Bild über die Angebote machen. Mitglieder der Grünen und der SPD sowie die CDU-Frauen waren der Einladung gefolgt. Auch wurde dabei der Förderantrag für die Stelle des Sozialarbeiters vom Mittagstisch-Team vorgestellt.
"Das Schreiben haben wir im Zuge der Haushaltsberatungen an die Fraktionen weitergeleitet", sagt Bürgermeister Michael Stickeln. Und führte im Hauptausschuss zu Diskussionen. Mit den Stimmen der CDU und der Bürger-Union wurde der Zuschuss, der im Etatplan ausgewiesen werden sollte, abgelehnt. Man wolle keinen Präzedenzfall schaffen, so das Argument. Die Grünen und die Sozialdemokraten hatten einen Kompromissbetrag von einer Einmalzahlung in Höhe von 5.000 Euro vorgeschlagen. Um die Mittagstisch-Stelle finanzieren zu können, hat die Diakonie bis jetzt rund 4.000 Euro an Spendengeldern und aus eigenen Mittel zusammengetragen und dies dem Bürgermeister auch vor den Etatberatungen signalisiert. Vergebens.
Jetzt ist die Enttäuschung groß. "Wir sind traurig, dass wir nichts bekommen", sagt Dietlind Tegethoff. Sie gehört zum 53-köpfigen ehrenamtlich tätigen Team, das jeweils mittwochs den Mittagstisch für 80 Gäste im Corvinushaus anrichtet. "Unsere Gäste brauchen einen Ort und eine Begleitung, um nicht noch weiter ausgegrenzt zu werden", betont Annette Cloer.
Die Ehrenamtlichen wollen ihren Gästen eine Lobby geben. Dafür brauchen sie starke Partner. Bereits im Januar hatte das Team einen offenen Brief mit der Bitte um finanzielle Hilfe an den Rat der Stadt geschickt (die NW berichtete). "Die jetzt mit der Verabschiedung des Haushalts gefällte politische Entscheidung macht uns sehr traurig", sagt Dietlind Tegethoff.
Die Ehrenamtlichen fühlen sich im Stich gelassen - und fürchten sich davor, zukünftig überfordert zu sein. "Fachlich können wir die Menschen nicht begleiten", sagt Tegethoff. Das ehrenamtliche Engagement stoße an Grenzen, wenn es um professionelle Lebensberatung gehe. "Die Fachkraft hat nicht nur den Gästen geholfen, sondern auch uns im Umgang mit den Menschen sicherer gemacht", betont Margot Redlich.
Den Mittagstisch der Warburger Diakonie gibt es seit fünf Jahren. Seit zwei Jahren kommt Sozialarbeiter Sebastian Roesler mittwochs für acht Stunden ins Corvinushaus. Der 25-Jährige speist und spricht mit den Gästen. "Das ist die Brücke zum professionellen Beratungsgespräch in der Beratungsstelle der Diakonie", sagt Diakoniestellen-Leiterin Katharina Linpinsel.
Professionalität kostet Geld. Im vergangenen Jahr wurde die Stelle von einer Stiftung getragen, die anonym bleiben möchte. Derzeit wird die sozialpädagogische Beratung noch aus Rücklagen der Diakoniestelle finanziert. Aber die werden am 31. August aufgebraucht sein. "Der Mittagstisch ohne die sozialpädagogische Begleitung wird schwierig sein", sagt Leiterin Linpinsel. Auch ist sie über den abgelehnten Antrag enttäuscht: "Es ist schade, dass das Thema Armut so wenig Beachtung gefunden hat".
Die Verwaltung unterstreiche die Sinnhaftigkeit des Mittagstisches, betont Bürgermeister Michael Stickeln gegenüber der Neuen Westfälischen. Doch die Entscheidung liege beim Rat, und der habe jetzt nach "breiter Diskussion" mehrheitlich entschieden. Das Ergebnis der Abstimmung im Ausschuss: 14 Mitglieder stimmten gegen den Antrag, 5 dafür, eine Enthaltung.
Unter dem Menuepunkt Beschlüsse ist im Internet unter www.warburg.de/sdoffice/checklogin.asp die öffentliche Niederschrift der Diskussion im Hauptausschuss in der Sitzung vom 2. März nachzulesen.













