Warburg/Bredelar (jule/dpa). Die Zugspitze wie von einer Riesenfaust eingedrückt, der Lastwagen-Anhänger zerfetzt im Graben: Bei einem Zugunfall an einem Bahnübergang in Bredelar sind gestern Morgen ein Lastwagenfahrer, ein Lokführer und rund 50 Bahnpassagiere nur knapp einer Katastrophe entkommen. 15 Verletzte mussten nach dem Zusammenstoß in Krankenhäusern ambulant behandelt werden. Es hätte aber auch leicht Tote geben können: "Da haben viele Menschen ganz viel Glück gehabt", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr, Alfons Kleffner.
Mit mehr als 100 Stundenkilometern war der Zug von Hagen über Warburg nach Kassel bei dichtem Nebel mit nur 50 Metern Sichtweite unterwegs, als der Lokführer mitten auf dem beschrankten Bahnübergang den Lastwagen-Anhänger vor sich sah. Der Mann zog die Notbremse und brachte sich dann mit einem Sprung aus seinem Führerstand in Sicherheit. Der Zug krachte mit fast ungebremster Wucht auf den Anhänger.
"Der Zugführer hat wirklich vorbildlich reagiert und vermutlich auch das eigene Leben gerettet", sagte Kleffner. Der Führerstand des Zuges, in dem überwiegend Schüler unterwegs waren, wurde komplett zerstört. Der Zug riss den tonnenschweren Lkw-Anhänger von der Zugmaschine ab und schleuderte ihn neben die Gleise. Die Ladung - geschredderter Plastikmüll - ergoss sich auf den Boden. In Folge des Zusammenstoßes sprang eine Achse des Zuges aus den Gleisen. Er ratterte noch 200 Meter weiter über die Betonschwellen, kippte aber nicht um.
"Die Verletzten haben Prellungen, Schürf- und Platzwunden. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert", sagte Kleffner. Der 36 Jahre alte Lkw-Fahrer musste wegen eines Schocks behandelt werden. Er habe mit seinem Lastzug zurückgesetzt, um einen entgegenkommenden Lastwagen durchzulassen und gar nicht bemerkt, dass sich hinter ihm die Bahnschranken schlossen, sagte er gegenüber der Polizei.
"Bilder von Eschede im Kopf"
Der Marsberger Bürgermeister, Hubertus Klenner, atmete an der Unglücksstelle auf. "Als ich per Telefon über den Unfall informiert wurde, hatte ich natürlich sofort die Bilder von Eschede und anderen Zugunglücken im Kopf." Die Verkehrsführung mit einer engen Kurve direkt hinter dem Bahnübergang sei unglücklich. "Diesen Engpass haben wir bereits vor geraumer Zeit beim Verkehrsministerium ins Gespräch gebracht", sagte Klenner.
Den Schaden allein an Zug und Lastwagen schätzt die Polizei auf 140.000 Euro. Zusätzlich müssen wohl auch die Gleise an der Unfallstelle erneuert werden. Der Zug hat die Gleise kalt verformt. Nach der Bergung des Zuges soll der Unfallbereich wieder freigegeben werden. Allerdings wird die Geschwindigkeit dort von 110 auf zehn Stundenkilometer reduziert.