Warburg/Meerhof. Sie kommen im Schutz der Dunkelheit. Nachts beginnt das Biegen und Brechen der Schlösser an Scheunentoren, Pumpenhäuschen und zuletzt an den rund 80 Meter hohen Windrädern im Windpark Meerhof. Die Diebe sind auf Kupfer aus - eine lebensgefährliche Beutetour.
Am Windrad Nummer 81 der WKN Windkraft Nord AG öffnet Windmühlenwart Johannes Förster das nagelneue Vorhängeschloss. Das alte Schloss wurde in der Nacht zu Montag mit einem Bolzenschneider aufgebrochen, genauso wie an weiteren fünf Windgeneratoren. Die Beute: 720 Meter Kupferkabel. Das war bereits die zweite Windräder-Einbruch-Serie binnen fünf Wochen im Meerhofer Windpark (die Neue Westfälische berichtete).
"Darauf sind die Diebe aus", sagt Mühlenwart Förster und deutet auf die grün-gelb ummantelten Kabel, die in der Mitte im typischen kupferrot glänzen. Es sind die Erdungskabel. Die Monteure hatten Montagmorgen den Einbruch samt Diebstahl bemerkt - zum Glück.
30.000 Volt: ein tödlicher Stromschlag
"Die Windräder sind weiter gelaufen und das kann ohne Erdungskabel brandgefährlich werden", sagt WKN-Sprecherin Catrin Petersen. Würden Montagearbeiten während eines Gewitters durchgeführt, könnten die Techniker einen Stromschlag erleiden.
Aber auch die Kupfer-Diebe gehen einem gefährlichen Geschäft nach. "Erwischen sie das falsche Kabel, so trifft sie ein Schlag von 30.000 Volt", sagt Mühlenwart Johannes Förster. Ein solcher Stromschlag ist tödlich. Dennoch nehmen die Diebe das Risiko in Kauf.
Insgesamt wurden von März bis April zehn Windräder aufgebrochen. Die Husumer Betreibergesellschaft WKN beziffert den Sachschaden auf rund 8.000 Euro. Davon schlägt allein der Austausch der Kupferkabel mit 7.100 Euro zu Buche. "Noch größer ist aber der Produktionsausfall der Anlagen bei Stillstand", betont Petersen. "Der Ausfall lässt sich aber nicht so leicht beziffern, da dabei die Windverhältnisse eine Rolle spielen."
Neben dem Kupferklau im Meerhofer Windpark waren die Metalldiebe auch in der Börde unterwegs. Im Januar wurden in Schweckhausen Kupferkabel im Wert von 1.200 Euro sowie zuvor am Silvestermorgen in einem Borgentreicher Pumpenhäuschen ein acht Meter langes Kupferkabel entwendet. Die Polizei ermittelt. "Wir arbeiten eng mit den Kollegen in Paderborn und Brilon zusammen", sagt Kriminalhauptkommissar Peter Fuest von der Warburger Polizei. Allerdings seien die Verdachtsmomente noch recht vage.
Diebe benutzen Fahrstuhl, um das Kabel zu holen
Die Polizei geht von einem organisierten Vorgehen aus. "Das sind keine Gelegenheitstäter, dafür sind die Aktionen zu aufwändig", sagt Udo Heppe, Polizeipressesprecher im Hochsauerlandkreis, nach den Einbrüchen in den Windkraftanlagen. Diesen Eindruck bestätigt auch Windmühlenwart Johannes Förster: "Die Diebe wissen, was zu tun ist. Sie benutzen sogar die Fahrstühle in den Anlagen, um die Kabel zu holen."
Wo die Kupferbeute bleibt, ist unklar. Vor Jahren sei das Diebesgut nach Holland gegangen, weiß Polizeisprecher Heppe. Eine konkrete Zuordnung, wie der Absatzmarkt der Diebe derzeit geregelt ist, gibt es nicht. "Es ist auch möglich, dass das erbeutete Kupfer in der Region bleibt. Die Kabel können relativ schnell eingeschmolzen und das Kupfer somit in seine Ursprungsform gebracht werden", sagt Kriminalhauptkommissar Fuest.