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17.04.2010
WARBURG
Gute Wünsche für Bischof Julius
Aramäer bekunden nach brutaler Attacke Solidarität
VON DIETER SCHOLZ

Warburg. Die Gedanken der Gläubigen sind am Krankenbett ihres Erzbischofs. "Es geht ihm den Umständen entsprechend gut", berichtet ein Schüler aus dem Kloster. Nach dem brutalen Überfall am Donnerstagmorgen wird Bischof Mor Julius Hanna Aydin (63) im St.-Petri-Hospital stationär behandelt.

"Die erlittenen Verletzungen sind erheblich", schildert Altstadt-Pfarrer Wolfgang Fabian. Der Leiter des Warburger Pastoralverbundes war nach dem Hausgottesdienst ans Bett des Bischofs geeilt. Auch um die Genesungswünsche der katholischen Pfarreien zu überbringen. "Die Tat ist abscheulich", zeigte sich Fabian während einer Gremiumssitzung am Abend schockiert.

Betroffenheit und Fassungslosigkeit auch unter den rund 90.000 Mitgliedern der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland. "Mit tiefer Bestürzung ereilte uns die Nachricht des brutalen Überfalls auf Seine Eminenz", heißt es in einer Presseerklärung der Föderation der Aramäer in Deutschland (FASD), dem Dachverband der aramäischen Vereine. Ein "feiger Angriff", so der Vorstand. "Wir verurteilen diese erschreckende Tat auf das Schärfste", sagte Bundesvorsitzender Daniyel Demir. Er hatte am Nachmittag telefonisch Genesungswünsche übermittelt. Im Namen aller Aramäer bekundet Demir "unserem Erzbischof unsere volle Solidarität".

Kopf unter Wasser getaucht

Die scheint das geistliche Oberhaupt der 54 syrisch-orthodoxen Gemeinden in Deutschland offenbar nötig zu haben. Der Bischof der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland war am frühen Donnerstagmorgen geschlagen, mit einem Messer bedroht, geknebelt und um Bargeld, Laptop und Handy beraubt worden. Die Täter gingen nicht zimperlich vor. Man habe ihm auch den Kopf unter Wasser gehalten, sagt der Bischof.

Eine Spur führt offenbar nach Wiesbaden. Ein älterer Mercedes mit Wiesbadener Kennzeichen war am Kloster gesehen worden. Eine Nachbarin berichtete, wie drei junge Männer die Klostertreppe heruntergekommen und in den Wagen gestiegen seien.

Mitte Juni vergangenen Jahres hatte Erzbischof Julius den aus der hessischen Landeshauptstadt stammenden Aslan K., den Vorsitzenden des Diözesanrates, exkommuniziert. Eine innerkirchliche Auseinandersetzung. Nach der Exkommunikation habe K. den Erzbischof mit den Worten "Ich werde dich töten" bedroht, so hatte es der Bischof damals gegenüber dem Wiesbadener Kurier berichtet. Die Exkommunikation habe der Erzbischof damals als einen "Befreiungsschlag" empfunden.

Auch die Warburger Polizei hatte ermittelt

Der Text der Exkommunikation lese sich wie eine Anklageschrift, so das Blatt: K. habe ständig und öffentlich oberste Würdenträger verunglimpft. Durch Androhung von Gewalt habe er Kirchenräte und Mitglieder veranlasst, ihn zum Vorsitzenden des Diözesanrates zu wählen. Der Erzbischof habe dem Wiesbadener zudem Tricksereien mit der Satzung sowie Anstiftung vorgeworfen: "Sie haben durch Beauftragung von Tätern, Mitglieder unserer Kirche zusammenschlagen lassen", zitiert der Wiesbadener Kurier den Text. Ob die Exkommunikation, die auf Weisung des Patriarschen in Damaskus wieder aufgehoben wurde, im Zusammenhang mit dem Überfall in Warburg steht, gehört jedoch in den Bereich der Spekulation.

Die Warburger Polizei hatte im vergangenen Jahr gegen K. wegen des Verdachts der Bedrohung ermittelt. Zudem lag eine Anzeige wegen Veruntreuung von Kirchengeldern vor. "Im ersten Fall", so Horst Rürup von der Paderborner Staatsanwaltschaft, "wurde das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt". Im zweiten Fall fehle "der Nachweis eines strafbaren Verhaltens", so Rürup gegenüber der NW.

Innerhalb der syrisch-orthodoxen Gemeinschaft geht es mitunter handfest zu. So hat es bereits mehrere brutale Übergriffe gegeben. Am 17. März 2009 sei in Wiesbaden ein Arzt als Opfer eines Mordanschlags schwer verletzt worden, berichtet die hessische Zeitung. Die Tat an dem syrisch-orthodoxen Gläubigen fand bis heute keine Aufklärung.

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