Warburg/Paderborn (JS). Eigentlich ist David T. (Name geändert) ein junger Mann, der neben seiner Ausbildung vor allem seinen Sport im Kopf hat. Doch seit Oktober 2008 hat das Image des 23-Jährigen einen gewaltigen Kratzer bekommen. Er steht im Verdacht, in der Tiefgarage der Warburger Disko "Paradies" einen Studenten aus Holzminden lebensgefährlich verletzt zu haben. Seit gestern muss er sich vor dem Paderborner Schwurgericht verantworten.
Der Fall hatte bereits im Mai vergangenen Jahres im Amtsgericht Warburg für Aufsehen gesorgt. Damals hatte der Richter die Verhandlung gegen David T. abgebrochen, als nach der Aussage einer Zeugin, der Freundin des Geschädigten, der Verdacht aufkam, dass der 23-Jährige seinen Kontrahenten nach einem zunächst nur verbal geführtem Streit nicht nur mit der Faust kräftig ins Gesicht geschlagen hatte (die NW berichtete).
Denn die 26-Jährige schilderte, dass ihr Begleiter, nachdem er infolge des heftigen Hiebs bewusstlos zu Boden gestürzt war, mehrfach von David T. gegen den Kopf getreten worden sei. Ein heftiger Vorwurf, der womöglich eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags nach sich ziehen könnte, befand damals der Amtsrichter und übergab das Verfahren an das Paderborner Schwurgericht.
Dort gestand gestern David T. frank und frei den heftigen Faustschlag, beteuerte aber immer wieder nachdrücklich, nicht zugetreten zu haben. Allerdings habe er den 22-Jährigen am Kragen gepackt und kräftig durchgeschüttelt, als dieser am Boden lag. Zwar bestätigten zwei seiner Begleiter diese Ausführungen, dennoch möchte das Gericht noch die beiden Zeugen hören, die gestern ihre Vorladung ignoriert hatten.
Auch ihnen werden die fünf Richter sicherlich besonders genau zuhören. Denn das Opfer selbst kann zur Aufklärung nichts beitragen. Er habe keine Erinnerungen an die körperliche Auseinandersetzung, berichtete der Student. Kaum verwunderlich, denn der 22-Jährige hatte bei dem Vorfall schwere Kopfverletzungen erlitten, so dass er in der Uniklinik Göttingen notoperiert werden musste.
Opfer musste Lesen und Schreiben neu lernen
Seitdem habe sich viel verändert, erzählte der Holzmindener. Das Lesen und Schreiben habe er ganz neu wieder erlernen müssen, seine Erinnerungs-, Merk- und Konzentrationsfähigkeiten seien lange nicht mehr so gut wie zuvor.
Auch der Rechtsmediziner Dr. Bernd Karger konnte letztlich den Fall nicht abschließend erhellen. Der Bruch des linken Schläfenbeins, der das Leben des 22-Jährigen so massiv in Gefahr gebracht hatte, könne sehr wohl durch Tritte verursacht worden sein, erklärte der Experte. Aber genauso gut hätte sich der junge Mann die Verletzung auch zuziehen können, als er nach dem Faustschlag zu Boden stürzte.
Ein Urteil wird am kommenden Dienstag erwartet.














