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27.05.2010
OERLINGHAUSEN/WILLEBADESSEN
Pfarrer Pohl beurlaubt
Der 40-Jährige ehemalige Willebadessener Vikar nimmt sich eine Auszeit
VON SABINE KUBENDORFF, KARIN PRIGNITZ UND DIETER SCHOLZ

Segnung einer Straße | FOTO: NW-ARCHIV

Oerlinghausen/Willebadessen. Warum? Eine Frage, die seit vergangener Woche nicht nur die Katholiken im Pastoralverbund Lippe-West beschäftigt. Welchen Grund könnte Pfarrer Markus Pohl gehabt haben, seine Gemeinden von heute auf morgen zu verlassen. Ohne eine Erklärung. Das Erzbistum hat bislang keine konkrete Stellungnahme abgegeben.

Markus Pohl, der unter anderem drei Jahre lang Vikar in Willebadessen war, ist weder über Festnetz noch Handy zu erreichen. In seinem Umfeld nimmt niemand Stellung. Alle verweisen auf die Pressestelle des Paderborner Erzbistums. Die rang sich in der vergangenen Woche eine dürre Mitteilung ab, die in Oerlinghausen das Kirchenleben von mehr als 8.000 Menschen auf den Kopf stellte. "Pfarrer Pohl hat auf eigenen Wunsch das Gespräch mit dem Erzbischof gesucht und um eine Auszeit gebeten", erklärte Pressesprecherin Claudia Nieser. Der Erzbischof sei dieser Bitte nachgekommen. Pohl habe persönliche Gründe gehabt – gesundheitlicher Natur, schiebt sie nach.

Der Leiter des Pastoralverbundes Lippe-West habe aufgegeben. Er werde sich nach der Auszeit eine andere Pfarrstelle suchen. Die für Lippe-West werde neu ausgeschrieben, sagte Claudia Nieser gegenüber der NW. Die Katholiken in Oerlinghausen, Leopoldshöhe und Lage, die zu dem Pastoralverbund gehören, die der Geistliche seit Januar vergangenen Jahres leitete, wurden offiziell am Pfingstwochenende informiert. Überrascht, erschrocken, traurig – das waren die ersten Reaktionen auf die Entscheidung des 40-Jährigen. Unumstritten war der Geistliche nicht.

Lateinische Messen, eine mitgebrachte Kreuzreliquie, die feierliche Einrichtung einer Gebetsnische für Kaiser Karl dokumentieren nach Ansicht mancher eine sehr konservative Denkweise. Dass sich deshalb innerhalb der Schar der Gläubigen Widerstand formiert habe, "können wir nicht bestätigen, und wir möchten das auch nicht kommentieren", so die Pressesprecherin des Erzbistums.

Anzeichen für den Rückzug auf Zeit hatte es offenbar nicht gegeben. Am Freitag nach dem Himmelfahrtstag war Pohl zum Ökumenischen Kirchentag nach München gefahren, am Samstag hatte er ein Paar getraut, am Sonntag ganz normal das Hochamt gefeiert. Am nächsten Tag der Besuch beim Erzbischof. Niemand hatte auch nur das kleinste Anzeichen vernommen. Umso größer ist jetzt die Irritation. "Wenn man etwas Fassbares hätte, wäre es einfacher", meint Elisabeth Hölscher von der Caritaskonferenz der Gemeinde. So plötzlich ohne ein Wort zu gehen, das sei gar nicht die Art von Markus Pohl, den sie als sehr offen und korrekt kennen gelernt hat.

"Im Moment tappen wir alle im Dunkeln", beschreibt auch Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Hans-Werner Schiffer den Stand des Nicht-Wissens. "Man hängt in der Luft, fragt sich, was der ausschlaggebende Punkt war." Natürlich, sagt Schiffer "sprießen die Gerüchte". Deshalb müsse es vom Erzbistum eine konkrete Erklärung geben.

Auch Barbara Kubus, die noch gemeinsam mit Markus Pohl beim ökumenischen Kirchentag in München war, ist konsterniert. "Ein Rätsel für alle." Die Küsterin war die Erste, die den Pfarrer bei seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren begrüßte. "Zehn Jahre bleibe ich", habe Pohl damals gesagt. Und nun das. "Ich bin schockiert." Mit Herz und Seele sei Pohl dabei gewesen. Nie sei ihm die Arbeit zu viel geworden.

Gerade wegen seiner wertkonservativen Denkweise, weil er "ein so frommer Priester, jung mit einem guten, alten Kern" gewesen sei, seien einige aber wohl auch froh über Pohls Weggang. "Viele wollen eine moderne Kirche." Pohl hingegen habe sich auf das Alte besonnen, auch die regelmäßige Beichte wieder eingeführt.
Verwalter der Gemeinden ist der Bielefelder Dechant Klaus Fussy. Der Geistliche übernimmt im Wechsel mit weiteren Priestern jetzt die Eucharistiefeiern in den Gemeinden. Wortgottesdienste, so Fussy, könnten eventuell von befähigten Laien übernommen werden. "Eine Chance", wie Josef Kirberich findet. Auch eine, "die Ärmel hochzukrempeln und selbst aktiv zu werden".

Wichtig, meint Josef Kirberich, sei vor allem, Ruhe in die Gemeinde zu bringen und nicht weiter zu mutmaßen. "Damit tut man Markus Pohl nicht recht." Kirberich würde sich wünschen, dass der 40-Jährige "der Gemeinde einen Brief schreibt und sich erklärt".

     


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