Helmern. 37 Grad, die Sonne brennt, nur selten streicht ein kühler Hauch über die Köpfe der Generationen: In Helmern spielt und feiert am Samstag eine ganze Stadt.
Ob mit Fächer, Sombrero oder kühlen Getränken im Schatten der Bäume, jeder kühlt sich nach seiner Fasson ab. Dazwischen stapeln sie sich selbst auf Getränkekisten hoch, bis in das Laub der Bäume, und schießen als Menschen-Kicker Tor um Tor oder Ring um Ring. Ganz klar, hier kamen lauter Willebadesser in das Finale.
Im Endspiel der Menschen-Kicker, zwischen den Freebikern und dem Team vom Griesenberg, blieb kein Auge trocken und kein Shirt schweißfrei. Zweimal vier Minuten kämpfen die Freunde des Fußballs mit den Händen fest an den Kicker-Stangen um jeden Ball. Der jüngste am Ball, der neunjährige Marvin, bringt mit seinem Tor zum 2:0 die Jungs vom Griesenberg letztendlich auf Siegeskurs. Bei der Ehrung glänzen ihre goldenen Medaillen im Sonnenlicht mit den Gesichtern um die Wette.
"Zu einer Familie gehören alle Generationen"
Direkt nach Anpfiff des Familienfestes, legt Bürgermeister Hans Hermann Bluhm, mit beachtlichen 16 Getränkekisten unter sich, ein lange ungeschlagenes Ergebnis im Kistenstapeln vor. Sein Ergebnis kann erst am Ende des Festes von Maja mit 22 Kisten getoppt werden: "Dabei kann ich doch sonst gar nicht gut klettern", freut sich die Zehnjährige, der die Hände nach dem gesicherten Wegkippen des Stapels noch eine Weile zittern. Die Menge der Angebote von Vereinen, Bildungs- und Pflegeeinrichtungen aus dem gesamten Stadtgebiet ist riesig. "Klasse, vorher bin ich doch noch nie Rollstuhl gefahren." Der elfjährige Zedric ist immer wieder, abwechselnd mit seinen Freunden, im Parcours des Haus am Steingarten unterwegs. Sie balancieren sich allein mit der Kraft ihrer Arme über eine Wippe, durch die Kehre, rückwärts über ein Brett und durch den Slalom im Sprint dem Ziel entgegen. "Super, 23:17", notiert "Frau Schumi" die Rollstuhl-Rennzeiten, nachdem sie sich auch selbst mit dem Behindertengefährt in die Steilkurven gelegt hatte. "Zu einer Familie gehören alle Generationen", erläutert Heimleitung Gudrun Mummerz woher das Engagement für den ungewöhnlichen und aufwendigen Parcours rührt. Im angenehmen Schatten der Bürgerhalle gibt es jede Menge zu entdecken und auszuprobieren.
Selber malen, sich bemalen lassen, tasten, experimentieren, mit Wurf auf die Deutsche Flagge vom König Fußball die Gummibärchen zugeworfen bekommen, reihenweise waren Spiele ohne Grenzen und Langeweile aufgebaut. Vor der Halle wurde getanzt und gesungen, ob Grund-, Real- oder Hauptschüler, sie alle zeigten, welches Potential in Klang, Stimme und Schauspiel in ihnen steckt: "Am liebsten spiele ich ja Fußball, aber Theater ist auch klasse", zwitschert Alexander (10) über seine Rolle in der Vogelhochzeit der Grundschüler. "Es kostet schon Überwindung, so vor Publikum zu singen." Rosanna und Laura sind 15 und mit ihren Stimmen trotzdem gleich dabei, wenn es darum geht, die eigene Schule darzustellen.
Ruhige und kühle Momente bietet zur Mittagszeit die Kirche des Ortes, Atem zu holen, im Gebet und bei Orgelmusik lautet das Angebot. Atelier und Insektenhotel von Künstler Raphael Strauch waren offen für Interessierte, wie auch die Bio-Gas-Anlage und Teile der Schlossanlage. "Alle haben sich im Vorfeld abgesprochen, und sich, ganz selbstverständlich, bei den Aufbauarbeiten unterstützt." beschreibt Organisatorin Ingrid Menzel von der Stadt Willebadessen mit Blick auf die Akteure. In den Vorbereitungen und im Fest sei man "wunderbar zusammengerückt".
Die Stadt Willebadessen hatte erstmals ein Familienfest im Stadtgebiet veranstaltet. Als Ausrichter vor Ort haben sich Bürgerinnen und Bürger und die örtlichen Vereine und Institutionen unter der Führung der Schützenbruderschaft St. Kilian eingebracht.