Warburg. Eine Ausbildung verlangt jungen Menschen viel ab. Neben dem praktischen Arbeiten in den Unternehmen müssen sie auch in den Berufsschulen Fächer wie Mathe und Deutsch pauken. Viele haben dabei mit schlechten Noten und anderen Hindernissen zu kämpfen, die einem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung im Weg stehen. Doch es gibt Hilfe.
Unterstützung finden die Arbeitseinsteiger im Kreis Höxter in solchen Fällen beim Technologie- und Berufsbildungszentrum (tbz) Paderborn.
Im Auftrag der Agentur für Arbeit werden an den verschiedenen Standorten der Einrichtung kostenlose ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) angeboten, die die Jugendlichen bei ihrer Lehre unterstützen - so auch im Warburger Land.
Schwierigkeiten in der Berufsschule, Probleme beim Erlernen der Praxis oder Ärger im familiären Umfeld - in all’ diesen Fällen können die Betreuer den jugendlichen helfen. Rund 650 Auszubildende im Hochstift greifen bereits auf das Angebot der Paderborner Arbeitsagentur zurück.
Einer von ihnen ist Nils Jendrik Rasche. Er absolviert derzeit sein zweites Ausbildungsjahr als angehender Maurer in dem Warburger Unternehmen Nolte Hochbau. "Ich hatte aufgrund der großen Berufsschulklasse Probleme, dem Unterricht zu folgen. Meine schulischen Leistungen litten darunter leider sehr", beschreibt der 18-jährige Calenberger.
Angeregt durch seinen Klassenlehrer entschloss er sich daher, an einer abH teilzunehmen. Seit einem Jahr besucht er seitdem zweimal wöchentlich den Nachhilfekurs im Warburger tbz-Standort in den Räumen der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Bahnhofsstraße.
"In einer Gruppe mit fünf weiteren Auszubildenden bekomme ich dort Hilfe von kompetenten Betreuern in verschiedenen Fächern", erklärt Nils Jendrik. "Oft muss man den Jugendlichen nur den richtigen Weg zeigen und ihnen zum Beispiel effizientere Lernmethoden beibringen", sagt Renate Danne, Standortleiterin der tbz Bildung GmbH in Warburg. Derzeit nähmen 22 Auszubildende aus dem Stadtgebiet das Angebot in ihrer Einrichtung wahr.
"Die Mehrheit der Teilnehmer ist fachlich sehr kompetent. Allerdings erschweren ihnen die schulischen Schwächen die Ausbildung", so Danne. Besondere Voraussetzungen, um die Hilfen in Anspruch zu nehmen, bräuchten die Auszubildenden nicht. "Allerdings sollten sie das nötige Durchhaltevermögen besitzen, denn die Nachhilfekurse finden meist Abends oder am Wochenende statt", erklärt Rüdiger Matisz, Leiter der Arbeitsagentur Paderborn-Höxter-Warburg, im Gespräch mit der Neuen Westfälischen.
Nicht nur die Auszubildenden selbst, auch die Unternehmen profitierten von dem zusätzlichen Lehrangebot. "Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels wird es in Zukunft immer weniger Schulabgänger und damit potenzielle Facharbeiter geben", prognostizierte Matisz. Diese Situation erfordere, dass möglichst viele Jugendliche eine erfolgreiche Ausbildung abschließen.
Auch Elmar Hake, Geschäftsführer des Warburger Unternehmens Nolte Hochbau, erkennt einen Nutzen in den Maßnahmen. "Besonders Abgängern der Hauptschulen fehlt es oft an einer Perspektive. Durch die Hilfestellungen können ihnen neue Möglichkeiten eröffnet werden", so der Diplom-Ingenieur.
Nils Jendrik Rasche hat die Entscheidung, an einer abH teilzunehmen, bereits etwas gebracht. "Das hat sich wirklich gelohnt. Ich konnte mich im theoretischen Teil meiner Ausbildung um eine Note verbessern", freut sich der 18-Jährige. "Jetzt ist der erfolgreiche Ausbildungsabschluss mein Ziel." Für Interessenten ist das vollständige abH-Angebot auch im Internet zu finden:
www.ich-bin-gut.de