Bürgerspiele, Lesungen und Geselligkeit: Das 34. Warburger Kälkenfest auf dem Altstadt-Marktplatz
Warburg. Zum Auftakt des 34. Kälkenfestes in der Altstadt wurden die Besucher durch einen kurzen und heftigen Regenguss aufgeweckt. Von der Zuflucht im lauschigen Kanonenkeller ging es hinauf auf den Marktplatz, wo am Abend ein Stück Warburger Geschichte mit einem Augenzwinkern präsentiert wurde.
Die Namen und Daten sind historisch bezeugt, die Geschichte hingegen ist frei erfunden: "Wie die Eisenbahn nach Warburg kam", so der Titel des neuen Bürgerspiels, das am Freitagabend uraufgeführt wurde. Präsentiert wurde eine Stadt, die gespalten ist zwischen glühendem Fortschrittsglauben und abergläubischer Skepsis über das "Teufelswerk und die eisernen Pferde". Die Eisenbahn sollte in Warburg Halt machen - und dafür sowie dagegen wurde leidenschaftlich gekämpft.
In drei kurzweiligen Akten hatten die Schauspieler des Warburger Heimat- und Verkehrsvereins das Stück Zeitgeschichte zwischen 1847 und 1853 inszeniert. Zu Beginn stand der Widerstand: Der Altstadtpfarrer wütet von der Kanzel gegen das Werk des Teufels. Die Angst geht um vor dem Verlust von Sitte und Moral. "Fremdarbeiter kommen in die Stadt", fürchtet eine Bürgerin - "und vielleicht auch in unsere Betten".
Auch die Kutscher und Fuhrleute sorgen sich um ihre Jobs. Aber Bürgermeister Fischer (Volkhard Leifels) und die Kaufleute sind anderer Meinung: Die Bahn soll kommen. Im Rat prallen die Fronten aufeinander. Ein wort- und gestenreicher Kampf dominierte den zweiten Akt, in dem vor allem Kutscher Sievering (Felix Volmert) lautstark gegen die "kühnen Kaufmannsträume" rebelliert. Vergebens: Die Bahn kommt 1853 in die Stadt. In ihrem Gefolge: Reichtum und Wohlstand - auch für Kutscher Sievering, der nun ein gemachter Mann mit dicker Zigarre ist. Er kutschiert die Reisenden vom Bahnhof zum Hotel. Warburg ist reich, die Bürger sind glücklich: "Endlich beginnt in Warburg die neue Zeit".
Ein weiteres gelungenes Premierenstück, das die gut eingespielte Gruppe der Schauspieler des Heimat- und Verkehrsvereins auf die Bühnenbretter brachte. Die prächtig aufgelegten Akteure und die Autoren, Lena und Winni Volmert, belohnte der kräftige Applaus des Publikums im malerischen Ambiente des Warburger-Altstadtmarktes - und es wurde noch nachgelegt.
Märchenhaft: "Die Abenteuer des Fuchses Don Marco"
Aus ihrem mittlerweile rund 20 Stücke umfassenden Repertoire präsentierten die Bürgerspieler am Samstag den "Warburger Kirchenstreit", die "Wasserwippe" am Sonntag fiel aber wegen des Regens buchstäblich ins Wasser. Die Altstädter Ulkgeschichten des Kaufmann Heinrich Urban (Winfried Volmert) durften natürlich auch nicht fehlen. Bürgermeister Michael Stickeln brachte die Darstellkunst auf den Punkt: "Die Bürgerspiele stellen sozusagen das prägnante Markenzeichen des Kälkenfestes dar." Aber das beliebte Volksfest sei noch mehr: "Wir wollen in unserer Stadt an Geschichte und Tradition erinnern und dabei den Gemeinsinn pflegen", sagte Peter Kohlschein, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins.
Gestern Nachmittag stellten Kinderbuchautorin Yvonne Kosak und CDU-Ratsfrau Elisabeth Müntefehring allen kleinen und großen Märchenfans die Bilderfabel "Die Abenteurer des Fuchses Don Marco" vor. Wegen der anhaltenden Regenfälle war die Lesung kurzerhand ins Zelt verlegt worden. Drei Jahre lang hatte die aus Polen stammende Autorin an der Geschichte vom schlauen Fuchs, der mit List und Tücke sogar zum Präsidenten der Warburger Tierwelt ernannt wird, gearbeitet. Mit Unterstützung des Heimat- und Verkehrsvereins und der Bürgerstiftung wurde das fabelhafte Werk für Kinder ab 8 Jahre jetzt in einer Auflage von 350 Exemplaren gedruckt.
Daher ließ es sich Peter Kohlschein auch nicht nehmen, die erste Passage der Geschichte rund um den Desenberg selbst vorzulesen. Weitere Unterstützung bekam Kosak von den Schülern Lars Pennig und Laura Borchetta, die jeweils einen Auszug vortrugen. OWL