"The Lollyrockers": Ob in der Bushaltestelle oder im Proberaum, Musik ist ihr Leben
Peckelsheim. "Peckelsheim, ja Peckelsheim! Nicht Hamburg, nicht Amsterdam, nicht Berlin, nein, alle wollen immer nur nach Peckelsheim zieh’n", forsch preisen die drei Sängerinnen Bianca, Franzi und Carolin das Leben auf dem Lande. Die anfängliche Schüchternheit der ersten Auftritte hat sich verloren. Marc und Lukas schlagen die Saiten an, Julian greift in die Tasten und und Kevin haut auf die Felle. Sie sind die "Lollyrockers".
Sieben Jugendliche, die mit ihrer Musikbegeisterung rund um Peckelsheim zuhause sind. "Wir spielen und singen eigentlich überall und alles", bringt Sängerin Bianca das Komplettprogramm der Band in einem Satz unter, "nur bei Hip-Hop und Klassik sind wir raus." Jeden Dienstagnachmittag treffen sie sich in der Aula der Hauptschule zur Bandprobe. Doch auch dazwischen finden sie sich auch gern einmal spontan zusammen: in der Bushaltestelle oder bei einem der Musiker zuhause.
"Ich bin immer völlig begeistert, wenn ich das sehe", freut sich Frank Schröder, Musiklehrer und Projektbetreuer in der Hauptschule, wenn er die jungen Menschen mit Instrumenten statt klingelnden Handys auf der Straße oder im Bus antrifft. Denn genau darum sollte es in dem 2007 geschaffenen Wahlpflichtfach gehen: Jungen Menschen sollten durch eine Schülerband nicht nur die Musik, sondern in gleichem Maß ein sozialer Kick, wie ein selbstbewusstes Auftreten, mitgegeben werden.
Die Instrumente werden schon häufiger einmal unter den Bandmitgliedern getauscht, denn nicht jeder kann ein eigenes mitbringen. Nur der Schellenkranz, der bleibt allein dem Bassisten Lukas: "Außer mir hassen ihn alle. Dementsprechend groß war die Begeisterung, als er mir beim Spiel auseinanderfiel." Lukas schmunzelt in die Runde und erinnert sich an die großen Augen, als er einen neuen mitbrachte. Ob vom eigenen Taschengeld oder von der Oma gesponsert, das verrät er nicht.
Die Musiker kommen und gehen – der Name bleibt
Das jüngste Bandmitglied, der Achtklässler Julian Eric, läutet sozusagen die vierte Generation der Band "The Lollyrockers" ein. "Großvater" Kevin sitzt bereits von Beginn an am Schlagzeug. Egal wer kommt oder wer geht, die Schulband der Hauptschule behält ihren Namen. Nach der Anschaffung von verschiedenen Instrumenten in den vergangenen Jahren, zeichnet Bandleader Frank Schröder aktuell die letzten Linien eines neuen Logos für die Band. 2011 soll dann einheitlich gekleidet, aber vielfältig weitergerockt werden. (sab)
"Musik ist Faszination pur, aber die Band ist eben genauso wichtig", beschreibt Schlagzeuger Kevin das Zusammengehörigkeitsgefühl. Er ist von der ersten Stunde an dabei. Julian Eric ist der einzige Achtklässler und so das jüngste Bandmitglied. Er hat in den wöchentlichen Proben das Keyboard für sich entdeckt.
"Ich wollte schon immer Musik machen, aber irgendwie ist vorher nie etwas daraus geworden." Jetzt sitzt Julian, dank der Sponsoren und einem günstigen Gebrauchtkauf, mit dem Instrument der Schule auch daheim am PC. "Ich höre mir die Melodien an und probiere ein wenig, und dann passt es", sagt Julian. Beim Spiel verlässt er sich auf sein Gehör.
Bandmanager und Pädagoge Schröder erklärt, dass Julian kein Einzelfall ist, die Band aber keinen Musikschulcharakter habe. "Auch Marc ist mit seiner Gitarre nur mit Kenntnisfragmenten bei uns eingestiegen." Mit autodidaktischem Fleiß habe er sein großes Talent, an den Saiten seiner Gitarre und seiner Stimmbänder, "ungeheuer nach vorn gebracht".
Inzwischen sind die acht ein eingespieltes Team. Nicht nur, dass sie die Zeit für den Probenaufbau von 20 auf fünf Minuten reduzieren konnten, auch das erste Einspiel für einen neuen Song dauert selten länger als eine halbe Stunde. "Die Proben sind einfach das Beste", lacht Marc in die Runde der jungen Musiker. "Wir haben viel Spaß und es kommt nicht so auf den Moment an, wie bei unseren Auftritten." Die gibt es regelmäßig bei Schulveranstaltungen. Aber auch in Niesen werden sie 2011 ein Fest bereichern. Beim Familienfest der Stadt im vergangenen Sommer ließen es die Jungmusiker richtig krachen, mit der, von Lehrer Schröder geschriebenen, Hommage an das Landleben in Peckelsheim.
"Stadtleben, das ist mir zu schnell, das ist nichts für mich", bringt Marc zum Ausdruck. "Unsere Musik gemeinsam weiterentwickeln, das ist perfekt."
Über einen Band-Ausstieg mit dem Abschluss nach der 10. Klasse wollen die Sieben lieber erst gar nicht nachdenken: "Panik. Es muss einfach weitergehen", sagt Bianca, legt den Schalter am Mikro um und springt von der Bühne.
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