Warburg/Calden. Vor einem Jahr hieß es noch: "Bitte anschnallen. Jetzt geht’s los!", so stand es in der November-Ausgabe der Info-Zeitung "Durchstarten" des nordhessischen Flughafens Kassel-Calden. Los ging es wenig später mit den vorbereitenden Arbeiten rund um das Gelände im Kasseler Ortsteil, Straßen wurden vermessen, Geländeprofile erstellt und Baupläne festgezurrt. Dann rollten die ersten Bagger und Lkw an, um Zufahrten zu sanieren und ein Teilstück der von Warburg (Kreis Höxter) kommenden Bundesstraße 7 zu verlegen. Auf dem Flughafengelände selbst allerdings blieb alles ruhig. Der 1. Spatenstich für Neubauten und Rollbahnverlängerung erfolgt erst in ein paar Monaten. Statt 2012 wird der Flughafen erst 2013 fertig. Der Airport steht in Konkurrenz zum ostwestfälischen Flughafen Paderborn/Lippstadt.
Der größte Teil der Caldener Bauarbeiten spielt sich zurzeit auf den Straßen ab. Um für das prognostizierte erhöhte Verkehrsaufkommen nach Fertigstellung des kompletten Umbaus im Jahr 2013 auch eine bessere Anbindung zu erreichen, werden großflächig um das Gelände des Flughafen herum die Straßen und Wege ausgebaut sowie Waldstücke gerodet. Die Verlegung der Bundesstraße 7 auf einer Länge von zwei Kilometern sei nach Angaben der Flughafen-Leitung auch deshalb erforderlich, weil die heutige Trasse der B 7 über das künftige Flughafen-Areal verlaufe. Insgesamt hat die Flughafen GmbH in Kassel über 220 Millionen Euro für den Ausbau einkalkuliert.
Drei Abschnitte stehen im Baubuch der Planer: Phase 1 steht unter dem Motto "Pflanzen auf Reisen". Phase 2 ist mit "Boden in Bewegung" überschrieben, die letzte Phase heißt "Tower und Terminal wachsen". So seien nach Mitteilung von Dr. Bernd Riss, Projektsteuerer des Flughafen-Baus, bereits drei seltene Pflanzenarten in einen neuen Lebensraum umgezogen, "damit sie nicht unter die Räder kommen". Weil Teile des Waldstücks Hegeholz für die Verlegung der Bundesstraße 7 gerodet werden mussten, sei es unumgänglich gewesen, Seidelbast, Türkenbund und Märzenbecher auf die Reise zu einer Neuansiedelung auf einer Ausgleichsfläche zu schicken - eine Kleinigkeit im Vergleich zum Mega-Bauprojekt im Straßenbau und auf dem Gelände selbst.
Erdarbeiten im Gange
Nördlich des Kasseler Ortsteils Calden ist die größte Baustelle der nordhessischen Region entstanden: 220 Hektar Fläche werden bebaut, 4,5 Millionen Kubikmeter Boden bewegt, mehr als zwei Kilometer Bundesstraße verlegt. Im März diesen Jahres hatten die Erdbauarbeiten begonnen, der Abschluss dieser Arbeiten am und auf dem Flughafengelände solle nach Informationen der Flughafenbetreiber bis Ende 2012 erfolgen.Erst wenn der sich Boden nach den Erdbewegungen gesetzt habe, könne auf dem Flughafen-Areal auch der Ausbau der Start- und Landebahn in Angriff genommen werden. Größerer Flughafen - größere technische Einrichtungen: Im westlichen Bereich neben dem Gelände werde ein Teil des Hegeholzes Platz für die Anflugbefeuerung sowie eine hindernisfreie Anflugschneise machen müssen. Anstelle der hohen Bäume werden auf einigen Flächen niedrigere Bäume und Büsche gepflanzt, die den Flugbetrieb nicht gefährden. "Bei noch so geringen Eingriffen in die Natur werden Ausgleichsflächen geschaffen, um die Folgen des Flughafen-Baus für die Natur zu kompensieren. Diese Flächen umfassen insgesamt über 400 Hektar, das ist fast das Doppelte des gesamten Flughafen-Geländes", so Dr. Riss.
Parallel dazu werde Kassel-Calden auch in die Höhe wachsen: Herzstück den neuen Passagierbereiches werde das neue Terminal-Gebäude sein. "Auch wenn die Eröffnung des Flughafens erst für 2013 geplant ist, muss der Terminal-Bau spätestens 2012 fertig sein. Der Grund: Die Funktionalität des neuen Gebäudes wird vorher gründlich getestet, damit nach der Eröffnung auch alles reibungslos klappt", so der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafen GmbH Kassel, der ehemalige hessische Finanzminister Karlheinz Weimar.
Kritik von Bürgerinitiativen
Gleichzeitig entstehen die neue 2.500 Meter lange Start- und Landebahn, die Rollbahnen sowie die Abstellflächen für die Flugzeuge. "Ausreichend Parkplätze für Personal und Passagiere dürfen natürlich auch nicht fehlen. Schließlich soll Calden ein Flughafen der ganz kurzen Wege werden", so Karlheinz Weimar, der trotz aller Bedenken und der massiven Kritik von Bürgerinitiativen und Anliegergemeinden am Ausbau nach wie vor von der Richtigkeit der Maßnahme überzeugt ist: "Damit werden Arbeitsplätze am Flughafen und den Betrieben der Region geschaffen oder gesichert. Ohne einen leistungsfähigen Flughafen wird die Region mittelfristig von wichtigen Verkehrs- und Wirtschaftsentwicklungen angekoppelt werden."
Sie schießen wie Pilze nach Regenwetter aus dem Boden – die Nachhaltigkeit spielt dabei keine Rolle: Das prangern die Studien-Macher von "Nomisma", "One Works" und "Kpmg" an.
24 Flughäfen auf dem Staatsgebiet seien nicht rentabel und von keiner strategischen Bedeutung: Bozen gehört neben Foggia, Parma, Rimini, Forlì, Brescia, Cuneo, Perugia und einigen weiteren dazu.
Es seien großteils öffentliche Gelder, die diese Flughäfen vor dem Konkurs retten, schreiben die Studien-Macher. Ihre Maschinen fliegen nämlich weit an der – von der Studie – empfohlenen Mindest-Passagier-Teilnehmerzahl von 500.000 Fluggästen vorbei.
Link unterdrückt
Und Calden soll auch noch von der EU gefördert werden.