Kreis und Städte sehen die Lage derzeit noch entspannt / Maßnahmenkatalog regelt Handlungsbedarf
Kreis Höxter. Nach Dauerfrost ist ab heute erst einmal Schluss mit Winter. Regen und milde Temperaturen stehen bevor. Im Flachland, so sagen es die Wetterpropheten voraus, werden sich die Minusgrade für einige Zeit zurückziehen. Für den Kreis Höxter bedeutet das, sich auf das nächste Hochwasser vorzubereiten. Die Lage wird zurzeit aber als nicht dramatisch bezeichnet.
Die Pressesprecherin des Kreises, Silja Polzin, sagte auf Anfrage der NW, dass man im Bereich der Weser von einem Hochwasser noch weit entfernt sei. Der Pegel steht derzeit in Höxter bei 1,87 Meter. Die erste Meldestufe liegt bei vier Metern. "Da haben wir noch einen großen Puffer", so Polzin.
Die Probleme liegen zunächst woanders: Sorgen bereiten die tauenden Schneemassen dem Leiter der Rettungsleitstelle Heinrich Muhr. Zurzeit bilden die Schneemassen einen geschlossenen Streifen an den Fahrbahnrändern. Alle Kanaleinläufe sind fast ausnahmslos verdeckt. "Kommt es zu einem schlagartigen Wetterumschwung mit Plusgraden und entsprechenden Regenschauern, so vermute ich, wird ein kontrollierter Ablauf des Wassers nicht möglich sein", so Muhr. Das bedeute, das Wasser wird unkontrolliert seinen Weg suchen, sodass eventuell mit Überschwemmungen zu rechnen sei.
Seine dringende Empfehlung an die Anwohner: "Sobald Tauwetter angesagt ist, räumen Sie bitte die Kanaleinläufe frei, sodass das Schmelzwasser in die Kanalisation gelangen kann und größere Schäden vermieden werden." Außerdem wird es für die Autofahrer gefährlich, wenn nachts die Wasserlachen an den Straßenrändern gefrieren und zu großen Eisflächen werden.
In Nieheim hat vor allem die Ortschaft Oeynhausen regelmäßig mit Hochwasser zu kämpfen. Das Problem: Die Emmer fließt direkt durch den Ort und die Brücke bildet eine Art Wehr. "Wir wollen den Hochwasserschutz für Oeynhausen verbessern und unter anderem die Wälle erhöhen", sagt Hans-Jürgen Parensen von der Stadtverwaltung. Allerdings beginnen die Maßnahmen erst im Frühjahr. "Wir hoffen einfach, dass wir verschont bleiben", sagt Parensen. Die einzige Vorbereitung die die Stadt treffen kann, ist die Gully freizuräumen.
"Zwar hatten wir selten solche Wassermassen, aber wir sehen dem Tauwetter gelassen entgegen", sagt Winfried Gawandtka von der Stadt Brakel. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren sehr viel in den Hochwasserschutz investiert und unter anderem Vorfluter angelegt. Bekannte Punkte an der Nethe, Aa und Brucht würden beobachtet. "Dabei helfen die Anwohner, die ja Umgebung kennen und im Ernstfall die Stadt und die Feuerwehr rufen", so Gawandtka. Aktionismus sei nicht angebracht. "Im Vorfeld Sandsäcke aufzuschichten, hat keinen Sinn. Wir wissen ja nicht, wo das Wasser hinfließt."Auch die Stadt Höxter ist auf das Hochwasser vorbereitet. Ottbergen und Bruchhausen liegen an der Nethe. Da ist zuerst mit Überschwemmungen zu rechnen. Erst zwei bis drei Tage später schwillt dann die Weser an, weiß der Leiter des Ordnungsamtes Willi Kruse. Schwappen die Fluten über, muss in der Regel die Nethebrücke in Bruchhausen gesperrt werden. Ergießen sich die Wassermassen in die Weser, geht es in Höxter auf dem Radweg 99 unterhalb der Weserbrücke nicht mehr weiter. Und wenn erst einmal die Kreisstraße 46 gesperrt werden muss, dann ist auch Gefahr für Lüchtringen im Verzug. Für die Freiwillige Feuerwehr bedeutet das: Einsatz. Sie muss die neue Hochwasserschutzwand aufbauen, damit das Wasser im Bereich des alten Fährhauses nicht in die Ortschaft dringen kann. Das jedoch ist (noch) ein Zukunftsszenario. Kruse sieht den Ernstfall noch nicht auf die Stadt mit ihren Ortschaften auf sich zukommen. Bei einer Schneeschmelze könne der Fluss 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter verkraften.
Entspannt ist derzeit auch noch Ralf Meibohm, Leiter des Ordnungsamtes in Beverungen. "Wir haben regelmäßig mit Hochwasser zu tun. Wir haben die betroffenen Ortschaft mit Sandsäcken bestückt - auch Privatpersonen. Die Feuerwehr ist gerüstet und wir haben einen Maßnahmenkatalog, nach dem wir vorgehen können. Dann wird situationsbedingt entschieden. Meibohm weiß: "In Amelunxen steigt die Nethe bei Hochwasser sehr schnell. Das kann man an den Pegelständen festmachen. Und die werden regelmäßig abgefragt. Bei Weserhochwasser muss, wie auch in Höxter, der R 99 gesperrt werden. Neuralgische Punkte sind die OrtschaftenWehrden, Würgassen, Herstelle und Beverungen selbst. Bei einem Wasserstand von fünf Metern dringt in Würgassen das Wasser in die Keller der Privathäuser, bei 5,20 Metern in Beverungen, ab 5,30 Metern haben die Wehrdener ein Problem und bei 5,50 Meter die Hersteller. "Das sind aber Wasserstände, die selten vorkommen", sagt Meibohm. 1. Warburger Lokalseite