Warburg. Mehr als 150 Männer: Auch bei der 117. Auflage des karnevalistischen Meisterfrühstücks blieben die Männer unter sich. Doch so ganz ohne geht es dann doch nicht: Die Bierchen an den Tischen im Pädagogischen Zentrum (PZ) kredenzten zwei Damen. "Schade, dass Frauen hier nicht zugelassen sind", wurde gegen Ende ein wenig wehmütig übers Mikrofon bekundet. "Super nur, dass Ihr dennoch für steten Nachschub sorgt." Die Warburger Meister mögen’s deftig.
Ein wenig älter als der internationale Frauentag ist die Traditionsveranstaltung des Warburger Meister- und Gewerbevereins zu Rosenmontag. Die Meister wissen zu feiern. Bei schmackhaftem Schweinemett und kühlem Warburger Pils. Bei humorigen Bonmots aus der Bütt sowieso. Zwar fehlte in diesem Jahr "verletzungsbedingt" Zeremonienmeister Franz Freitag, seit Jahren ein Garant für manch trockenen Spruch. Doch gab sich das verbliebene achtköpfige Vorstandsteam alle Mühe. Ein Telegramm vom Krankenbett verhieß für das kommende Jahr den Wechsel der Sportart: Freitag überlegt den Seitensprung – von der gefährlichen Skipiste in die ruhigere Formel 1. Launige Sprüche und ein loses Mundwerk, dafür mögen die Meister ihren Oberkarnevalisten.
Die Couplets der "Papenheimer Hofsänger" erzählten von der Runkelrübenzupfmaschine, einem Lied, dessen "Refrain hundertprozentig abgeschrieben, aber mit Sternchen und Fußnote versehen" sei. Überhaupt war Plagiator Guttenberg immer wieder eine Steilvorlage für einen flotten Witz.
Rund 70 Kilo Mett wurden roh oder gebraten im Foyer des PZs verteilt, bevor Vorsitzender Michael Hendtker das Geheimnis lüftete. Der 37. Träger des Titgenbürgerschildes hantiert mit Kamm und Schere: Hartmut Börnecke gebührte die Ehre.
"Von der Wiege bis zur Bahre, Haare, Haare, Haare", bestätigte der Frisörmeister und lud aus der Bütt zu einer Stadtbesichtigung ein. Vom Pylon, der an der Sparkassenfiliale in der Neustadt errichtet werden soll ("der gehört nach Ägypten, nicht in die Unterstraße und in die Altstadt gehört die Sparkasse") bis zum Krankenhaus führte der Weg. Entlang des "Walter-Platzes", wo sich Alt-Bürgermeister Walter Hellmuth mit einem Bungalow ein Denkmal geschaffen habe, und der Parteizentrale der FDP, dessen Chef "dem uneinsichtigen Bürgermeister" einen erbitterten Kampf um die Parkplätze angesagt habe. Weiter ging’s durch die obere Hauptstraße, in der "bald Grün-Eschen statt Schein-Akazien Schatten werfen". Börnecke beschwor das christdemokratische "Schatten"-Kabinett mit Bürgermeister Michael Stickeln an der Seite von CDU-Generalsekretär Oliver Wittke in Düsseldorf.
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"Wer finanziell an Krücken geht, dem haben sie es etwas leichter gemacht", blickte Börnecke auf die Umgestaltung im Finanzamt. Und im Krankenhauspark habe er Klaus Braun, den Ersten Beigeordneten entdeckt, der nach Bekanntgabe des Haushaltslochs nun gewissenhaft "nach dem Schatz des Grafen Dodiko" suche. Dem Landeskonservator schrieb der neue Schildträger ins Stammbuch: "Denk mal nach!" Warburg dürfe nicht am Denkmal ersticken. "Warburg muss atmen". "Klare Worte", raunte es durch die Reihen des Publikums.
Uwe Ahlemeyer aus Calenberg trug den Meistern seinen "Reim aufs Schwein" vor. Bernd Overbeck, der Postbote aus Ossendorf, wollte in einem Brief aus dem Rathaus gelesen haben, dass die Kalandstraße "jetzt als Teststrecke für geländegängige Fahrzeuge" ausgewiesen werden solle. Der Ausbau koste nichts. Mächtig Applaus gabs für sein Kompliment: "Das hier ist nicht die Kreisliga, das Warburger Meisterfrühstück spielt in der Champions-League".