Chefetage des Landschaftsverbandes spricht mit Bürgermeister Michael Stickeln über den St.-Petri-Altbau
Warburg. Die Frage ist von weitreichender Bedeutung: Ist der Altbau des St.-Petri-Hospitals aus den 1920er Jahren denkmalwürdig oder nicht? Eine Frage, die unter den Nägeln brennt. Mit der Antwort steht und fällt die Entscheidung: Abriss des Altbaus, wie vom Träger des Warburger Krankenhauses geplant, - oder auch nicht. Ein Gipfelgespräch sollte gestern Annäherung und Klärung bringen.
Im Warburger Behördenhaus saßen gestern Bürgermeister Michael Stickeln und Beigeordneter Klaus Braun den Vertretern aus der Chefetage des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) gegenüber: LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch, LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale und Landeskonservator Dr. Markus Harzenetter.
Das Trio war eigens vom LWL-Sitz in Münster in die Börde gereist, um "keinesfalls in einer aggressiven, sondern in einer freundschaftlichen Atmosphäre eine konstruktive Lösung für das Krankenhaus zu finden", so Direktor Kirsch. Eine Lösung, so viel sei vorweggenommen, gab es beim gestrigen Gesprächstermin zum Thema Denkmalschutz noch nicht.
Das Verfahren ist noch offen und das seit dem Jahr 1994. Damals wurde eine sogenannte "Benehmensherstellung" von Seiten des Landschaftsverbandes in der Frage der Unterschutzstellung eingeleitet. In dem amtlichen Schreiben forderte der Landeskonservator die Stadt dazu auf, den St.-Petri-Altbau in die Denkmalliste aufzunehmen. Die Eintragung eines Bauwerks in die Denkmalliste ist Aufgabe der an die Kommune angegliederten Unteren Denkmalbehörde. Ein übliches Prozedere. "In Warburg wurde der Altbau aber nicht in die Liste eingetragen", erklärte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch: "Damit war und ist das Verfahren noch offen."
Im Winter 2010 sei dann ein Hinweis auf die Abriss-Pläne im Zuge des geplanten Krankenhaus-Neubaus aus der Warburger Bürgerschaft beim Landschaftsverband in Münster eingegangen. "Danach musste der Landeskonservator handeln", erklärte Direktor Kirsch.
Sein Schreiben erreichte Bürgermeister Michael Stickeln am Morgen des 18. Januar. Dem Tag, als im Warburger Rat die Pläne für den Neubau des Krankenhauses von St.-Petri-Geschäftsführer Hans-Werner Kuska vorgestellt werden sollten. Landeskonservator Dr. Markus Harzenetter verlieh in seinem Schreiben der 17 Jahre alten Aufforderung, den Krankenhausaltbau unter Denkmalschutz zu stellen, Nachdruck (die Neue Westfälische berichtete). In der Sitzung am Abend des 18. Januar stimmten die Warburger Ratsmitglieder einstimmig gegen eine Aufnahme des Altbaus in die Denkmalliste und drückten durch diese Abstimmung ihre Zustimmung zu dem Abriss des Altbaus aus.
Das Amt und die Behörden
Rund 28.000 Denkmäler wurden bisher in Westfalen-Lippe in die Denkmalliste eingetragen – das sind weniger als ein Prozent der gesamten Bausubstanz. Um die Denkmalpflege wird sich hauptsächlich vor Ort gekümmert. Verantwortlich für denkmalrechtliche Entscheidungen, wie Unterschutzstellungen oder bauliche Veränderungen, ist im Regelfall die Kommune, an der die Untere Denkmalbehörde angegliedert ist. Sie führen auch die Denkmallisten. Die Obere Denkmalbehörde liegt bei der Kreisverwaltung. Die Oberste Denkmalbehörde in Nordrhein-Westfalen ist das Landesministerium für Bauen und Verkehr in Düsseldorf.
Das Amt für Denkmalpflege in Westfalen ist ein Fachamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, welches die Denkmalbehörden bei den Entscheidungen fachlich berät und begleitet. Laut Gesetz ist das LWL-Amt in seinen Gutachten nicht an fachliche Weisungen gebunden ist. Die Empfehlungen und Gutachten sollen dadurch frei von politischen Einflüssen erfolgen können. (sw)
Soweit der Stand. Das Denkmalschutz-Verfahren läuft weiter. "Zumal sich an dem Bau seit dem Jahr 1994 nichts verändert hat", sagte Landeskonservator Dr. Markus Harzenetter. Der Leiter der LWL-Denkmalpflege begründete im gestrigen Gespräch noch einmal die Denkmalwürdigkeit des St.-Petri-Altbaus. "Es ist ein markanter und interessanter Krankenhausbau des Elberfelder Architekten Franz Voigt, der seinerzeit wiederholt im Bereich von Krankenhausbauten in Erscheinung getreten war", sagte Landeskonservator Harzenetter. "Damals war er sehr renommiert."
Entstanden sei der alte St.-Petri-Bau im Schatten der Hyperinflation. "Das Projekt hatte damals schwierige Rahmenbedingungen. Für den Bau wurden Lotterien und Sammelaktionen in der Bevölkerung veranstaltet", berichtete der Landeskonservator. Gebaut wurde in den Jahren 1923 bis 1925. Der Kredit der Stadt belief sich damals auf mehr als 500 Millionen Reichsmark. "Die Bürger fanden den Bau damals fast ein wenig zu großstädtisch, zu modern und progressiv", so Landeskonservator Harzenetter.
Das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen sei eine Fachbehörde, in welcher die Denkmalwürdigkeit eines Baus aus rein wissenschaftlicher Sicht geprüft werde, betonte LWL-Direktor Wolfgang Kirsch. Fragen wirtschaftlicher Natur spielten bei der Entscheidungsfindung der Experten keine Rolle. "Wir sind eine reine Fachbehörde, welche die Gemeinde nicht zwingen kann", erklärte Kirsch. Eine eigene Entscheidungsbefugnis habe das LWL-Amt nicht. Entscheidungen über die Aufnahme eines Bauwerks in die Denkmalliste würden im Benehmen mit dem Fachamt und den entsprechenden Denkmalbehörden getroffen.
Die Eingangs zitierte Benehmensherstellung über die Eintragung des St.-Petri-Altbaus in die Denkmalliste stehe noch aus. So sieht es der Landeskonservator. Darüber soll bald im Düsseldorfer Landesministerium für Bauen und Verkehr, der Obersten Denkmalbehörde, entschieden werden. Das LWL-Amt wird Bauminister Harry Voigtsberger (SPD) eine Ministervorlage schicken - und das schnell. Denn die Frist zur Benehmensherstellung beträgt zwei Monate. Nach dem Warburger Ratsentscheid gegen die Unterschutzstellung ging das entsprechende Schreiben am 24. Januar beim LWL-Amt ein. Bis zum 24. März müssen nun die Unterlagen im Düsseldorfer Ministerium zur Bearbeitung vorliegen.
Maximal acht solcher Ministervorlagen im Jahr würde das LWL-Amt veranlassen, sagte Kirsch. Insgesamt gibt es rund 28.000 Denkmäler in Westfalen, "davon wurden bisher fünf aus der Denkmalliste wieder ausgetragen", so Kirsch. "Das Verfahren in Warburg ist bisher sehr unglücklich verlaufen, deshalb liegt uns viel daran, jetzt im Dialog zu bleiben", betonte der LWL-Chef. "Der Landeskonservator ist kein Rambo und Konfrontation ist nicht unsere Absicht."
Daran interessiert, möglichst schnell ins Gespräch zu kommen, ist auch Bürgermeister Michael Stickeln - allen voran mit dem Investor und der Eigentümerin des Hospital-Areals, der Rhön-Klinikum-Aktiengesellschaft. "Die medizinische Versorgung der Bürger muss in der Stadt gesichert bleiben", betonte Bürgermeister Stickeln das vornehmliche Anliegen. Die Rhön-Klinikum AG plant einen Krankenhaus-Neubau für rund 30 Millionen Euro, dem der St.-Petri-Altbau - bis auf die Kapelle - weichen würde. Sollte der Altbau erhalten bleiben und aufwändig umgebaut werden müssen, würde das Bauvorhaben rund 8 Millionen Euro mehr verschlingen, hatte Krankenhaus-Geschäftsführer Hans-Werner Kuska im Januar den Ratsmitgliedern Zahlen genannt. Mehrkosten, die sich für den Bauherrn nicht rechnen würden.