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12.10.2011
WARBURGER LAND/BORGENTREICH
Risiko Wildunfall
Vermehrt Kollisionen im Herbst / Polizei gibt Tipps für Autofahrer

Unfall in der Dämmerung | ARCHIV-FOTO: WEISCHE

Warburger Land/Borgentreich (NW/sf). Den schweren Unfall eines 23-Jährigen nach einem Wildwechsel auf der Kreisstraße 30 bei Borgentreich (Kreis Höxter) nimmt die Kreispolizei zum Anlass, auf das Risiko von Wildunfällen im Herbst hinzuweisen. Der junge Mann war mit seinem Auto Sonntagnacht einem Reh auf der Fahrbahn ausgewichen und seitlich gegen zwei Bäume gekracht. Er blieb unverletzt, am Auto entstand 5.000 Euro Schaden.

"Das hätte auch schlimmer ausgehen können", sagt Sprecher Peter Schneider von der Polizei. Die Direktion Verkehr weist auf die besonderen Gefahren bei Wildwechsel hin, denn der Kreis sei mit seinem Waldreichtum auch mit einer hohen Wilddichte bestückt. Dies zeige sich auch in der Verkehrsunfallstatistik: Mehr als 1.000 Unfälle, vorwiegend mit Reh- und Damwild, tauchen jährlich in der Statistik der Kreispolizeibehörde auf. 2010 wurden dabei vier schwerverletzte und vier leichtverletzte Menschen registriert. Doch: "Die tatsächliche Anzahl der Wildunfälle dürfte noch höher liegen", so Schneider.

Immer wieder würden verendete oder verletzte Tiere entlang der Straßen von Jägern gefunden, ohne dass Polizei oder Revierinhaber verständigt wurden.

Was Autofahrer unterschätzen

Gerade im Spätherbst nehme das Wildunfall-Risiko deutlich zu. Der Grund: "Die Felder sind abgeerntet, und die Tiere müssen sich vermehrt auf Nahrungssuche begeben. Zudem sind viele Wildtiere dämmerungsaktiv", erklärt der Sprecher. Damit träfen sie bei ihren Wanderungen auf den morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr, was wiederum das Unfallrisiko steigen lasse.

Häufig unterschätzten Autofahrer die Gefahr, die von einer Kollision mit einem Tier ausgehe. Schneider: "Schon ein Reh mit 20 Kilogramm Gewicht hat bei Tempo 100 ein Aufschlaggewicht von etwa einer Tonne. Dieser Unfallgefahr sollten sich die Fahrer bewusst sein."

Auf Straßen, die durch Waldgebiete oder Felder führen, ist laut Polizei eine gedrosselte Geschwindigkeit daher oberstes Gebot. Das aufmerksame Beobachten der Seitenräume der Straße und die besondere Vorsicht bei Wildwechsel-Schildern könne Wildunfälle verhindern. "Wer mit Wildwechsel rechnet und das Wild frühzeitig erkennt, kann den Anhalteweg entscheidend verkürzen."

Zusammenstoß in Kauf nehmen

Sollten bereits Tiere auf der Fahrbahn stehen, vorsichtig bremsen, abblenden und hupen. Achtung: Auch wenn nur ein Tier auf der Fahrbahn steht, kann es sein, dass sich in der Nähe weitere Tiere aus dem Rudel befinden. Falls ein Crash mit einem Wildtier bevorsteht, sollte der Zusammenstoß mit dem Tier in Kauf genommen werden. "Das ist immer noch besser, als beim Ausweichen den Gegenverkehr zu gefährden, gegen einen Baum zu prallen oder in den Graben zu fahren", so der Experte.

Nach einem Wildunfall gilt: Unfallstelle sichern, gegebenenfalls verletzten Verkehrsteilnehmern Erste Hilfe leisten und den Rettungsdienst alarmieren und dann den Unfall bei der Polizei oder der nächsten Forstdienststelle melden. Mit einer schriftlichen Bestätigung von dort kann der Wildschaden der Versicherung gemeldet werden. Auch ein Bild von der Unfallstelle kann bei eventuellen Ansprüchen auf Schadenersatz hilfreich sein.


Gefahrenstrecken im Kreis Höxter

Von der Anzahl der registrierten Wildunfälle aus 2010 sind nach Angaben der Polizei die größten Risikostrecken:

Landstraße 828, Strecke Borlinghausen bis Willebadessen – 13 Unfälle

Landstraße 763, Strecke Strecke Eissen bis Borgentreich – 11 Unfälle

Landstraße 820, Strecke Dringenberg bis Siebenstern – 12 Unfälle

Bundesstraße 64, Strecke Bad Driburg/Brakeler Straße bis Herste/Einmündung Schmechten – 11 Unfälle

Kreisstraße 18, Strecke Alhausen bis Abfahrt Gut Albrock – 26 Unfälle

Bundesstraße 252, Strecke Nieheim/Einmündung L 755 bis Eichholz – 22 Unfälle

Bundesstraße 252, Strecke Brakel/Einmüdung K 18 bis Abfahrt Bellersen – 19 Unfälle

Kreisstraße 18, Strecke Brakel bis Bosseborn – 17 Unfälle

Kommentare
Oh Bundy, sie hab sich offensichtlich zur Aufgabe gemacht zu jedem Artikel etwas zu schreiben ...und sei es noch so lapidar!.. Das ist ja auch in Ordnung, aber qualifiziert sollte es doch dann schon sein! Siehe auch den Beitrag von "Horn". Es ist wichtig die Menschen auf die Gefahren immer wieder aufmerksam zu machen!

@schorsch
Sie zahlt sehr wohl, wenn die Spuren eindeutig sind, und das sind sie bei Kollision mit Wild eigentlich immer. Es kann aber sein, dass man damit zum Gutachter muss.

So ein schöner Wildschweinbraten mit Kartoffeln und Rotkohl könnte mir jetzt auch noch gefallen obwohl es schon fast elf ist.

An dieser Stelle möchte ich mich bei der Jägerschaft bedanken, deren ungezügelte Hegerei eine Ursache dieser regelmäßig wiederkehrenden Gefahr ist!! Dämmerungsaktives Wild?? Schönes Bespiel ist das Jagdverbot auf Rügen. Dort sieht man Rehwild zuhauf, am helligten Tage friedlich aasend, welches hier in der Region als scheues Dämmerungswild bezeichnet wird. Wo der Jagddruck verschwindet, gibt es auch keine Wildunfälle... Auch verschwinden die Schäden an Wildverbiß, das das Wild normal auf den Flächen aasen kann... Übrigens ist unser Rehwild ein Flächenwild... Erst durch den Jagddruck verschwindet es im Unterholz...

Ganz einfache Sache, man muss sich klar machen das bremsen und lenken nicht gleichzeitig geht ohne die Stabilität des Fahrzeugs zu beeinträchtigen. Hat man dies einmal verinnerlicht und es taucht z.B. ein Reh auf, dann nicht lenken sondern einfach bremsen. Dann kommt der Tipp meines Fahrlehrers: Wenn das Reh tot ist, dann herzlichen Glückwunsch. Wenn nicht Beine brechen oder ähnliches damit es nicht weglaufen kann. Bei Wildunfall ohne Wild zahlt nämlich keine Versicherung.



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