Willebadessen-Eissen. Alfons Rose ist gelernter Landwirtschaftsmeister, doch um die Bewirtschaftung des Hofes kümmert sich der 61-Jährige längst nicht mehr: Er ist Geschäftsmann und an fünf Firmen beteiligt. Ein Standbein ist die Bio-Champignonzucht, die er vom Büro aus steuert – ohne eine Neuorientierung hätten es Betriebe schwer, meint Rose.
Roses Hof, der Eulenhof, liegt im kleinen Dorf Eissen im Kreis Höxter. Vor 20 Jahren hat er auf ökologischen Anbau umgestellt, 1994 reifte zusammen mit seinen Hofnachbarn Andreas und Klaus Engemann die Idee, Bio-Champignons zu züchten. Gemeinsam gründeten sie die Eulenhof-Gesellschaft, Teilhaber sind Alfons Rose (50 Prozent) und die Brüder Engemann zu je 25 Prozent. Der Engemann-Hof übernimmt die deutschlandweite Vermarktung, produziert wird seit 1996 auf dem Eulenhof – zunächst in drei Räumen, mittlerweile sind es sechs.
Landservice-Betriebe
So nennt die Landwirtschaftskammer Betriebe, die über den Anbau hinaus einen weiteren Service anbieten. Das kann zum Beispiel ein Reitangebot, ein Hofladen oder eine innovative Produktionsidee sein.
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Das Geschäft läuft gut. Fast 600.000 Euro Jahresumsatz macht die Eulenhof-Pilzfarm. Mit zwei seiner weiteren Gesellschaften, dem Biogemüseanbau und der Möhren-Vermarktung, ist Rose genauso erfolgreich. Die Buchführung der Betriebe übernimmt ebenfalls eine Rose-Firma. "Der Biomarkt ist ein wachsender Markt", sagt Rose, der selbst aber nicht weiter expandieren will. "Die eigenen Grenzen des Wachstums sind irgendwann erreicht." Die Pilzfarm soll überschaubar bleiben.
Biokompost lässt Pilze wachsen
Fünf Anbauräume sind permanent in Betrieb, die Pilze werden ganzjährig gezüchtet. In Regalreihen, vier bis fünf Etagen hoch, sind die Beete übereinandergestapelt, so dass pro Raum 180 Quadratmeter Beetfläche entstehen. Jeden Donnerstag werden die Metallregale mit 13 Tonnen durchwachsenem Biokompost befüllt. Die Pilzbrut ist darin schon enthalten, das erledigt eine Spezialfirma. Es folgt die Phase des Einwachsens, dann wird die Myzelbildung zum Stocken gebracht. Der Kompost ist nun komplett mit weißen Fäden durchzogen, erste Knöpfchen bilden sich. Nach 18 Tagen beginnt die erste Erntewelle. "Wir ernten fünf Tage lang nur große Pilze", sagt Rose. Nach ein paar Tagen folgt die zweite Welle mit etwas kleineren Exemplaren.
Erfolgreich | FOTO: SIGURD GRINGEL
Das Pflücken ist Handarbeit. Erfahrung ist gefragt, denn die Pilze müssen gekappt werden, bevor sich die Lamellen öffnen. Zwölf Pflückerinnen in Voll- und Teilzeit hat Rose beschäftigt, die meisten sind seit über zehn Jahren im Betrieb und stammen aus der Umgebung. Sie ernten von Montag bis Freitag durchschnittlich 22 Kilogramm Pilze pro Stunde, 13 Tonnen im Monat. Die Ernte geht täglich ins Kühlhaus des Engemann-Hofs. Maria Ernst ist Gruppenleiterin, wohnt in Eissen und kommt mit dem Fahrrad zur Arbeit. "Bioanbau schafft Arbeitsplätze in der Region", sagt Rose.
Für das optimale Wachstum sorgt eine computergesteuerte Technik, die Temperatur und Luftfeuchte regelt. In diese Technik hat Rose im vergangenen Jahr nochmal 70.000 Euro investiert. Vom Notebook aus behält er stets die Kontrolle. Anfangs züchtete Rose auch Austernpilze, doch das hat er schnell aufgegeben, weil diese eine völlig andere Steuerung benötigen.
Damit es zu keinem Produktionsausfall kommt, treibt ein eigenes Blockheizkraftwerk den Dampfkessel an, ein eigener Brunnen und ein Notstromaggregat komplettieren den autarken Hof.
Rose sieht die vielen Standbeine als Altersvorsorge, und er hat noch weitere Pläne; zum Beuspiel eine Produktion aus der Region für die Region. Seine beiden Söhne treten irgendwann in seine beruflichen Fußstapfen.