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01.11.2011
OWL
"Das ewige Licht leuchte ihnen"
Interview mit Pfarrer Peter Heuel über die stillen Feiertage im November

Für das Leben | FOTO: NW-ARCHIV/MENZEL

Warburger Land/Willebadessen. November ist der Monat der stillen Feiertage. Allerheiligen am 1. November und Allerseelen am Tag drauf in katholischen Bundesländern, dazu Totensonntag und Volkstrauertag. Doch warum feiern wir diese Tage eigentlich so besonders? Und warum in dieser Form? NW-Volontärin Jessica Kleinehelftewes hat diese und weitere Fragen an Pfarrer Peter Heuel gestellt, den Leiter des Pastoralverbundes Willebadessen-Peckelsheim.

Herr Pfarrer Heuel, aus welcher Zeit stammt der Totengedenktag Allerheiligen?
PETER HEUEL: Dass heute Allerheiligen oftmals mit Totengedenktag gleichgesetzt wird, liegt wohl daran, dass in vielen Orten an diesem Nachmittag oder auch morgens in Verbindung mit Andachten und Messen die Gräber auf den Friedhöfen gesegnet werden. Dieser Gräberbesuch gehört vom Ursprung her zum darauffolgenden Allerseelentag. Am arbeitsfreiem Allerheiligen haben hingegen mehr Angehörige die Möglichkeit, ihrer Verstorbenen in Gemeinschaft zu gedenken und für sie zu beten.

Woher kommt der Tag?
HEUEL: Zu Beginn war der 1. November kein Tag des Totengedächtnisses, sondern ein Fest, an dem die Kirche an die bekannten und vor allem unbekannten Heiligen erinnerte. Die Anfänge von Allerheiligen gehen im Orient bis ins vierten Jahrhundert zurück. Das Fest am 1. November kam im achten Jahrhundert aus Irland und England auf den europäischen Kontinent und hat sich bald allgemein durchgesetzt.

Welche Bedeutung haben die beiden Tage Allerheiligen und Allerseelen?
HEUEL: Allerseelen - 998 von Abt Odilo von Cluny als Gedächtnistag aller verstorbenen Gläubigen eingeführt - und Allerheiligen sind zwei einander folgende Tage im Kalender, aber in unserem Empfinden sind sie nahezu identisch. Und das ist gar nicht so falsch, denn beide Tage bezeugen den gleichen Schlusssatz des Credo: Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben. An Allerseelen schauen wir mehr nach unten, auf die Gräber unserer Verstorbenen. Wir besuchen die Gräber unserer Verwandten, Freunde und Bekannten, erinnern uns an sie. Wir beten für sie in der Hoffnung auf ein Wiedersehen bei Gott.

Und an Allerheiligen?
HEUEL: An Allerheiligen geht unser Blick mehr nach oben, zum Himmel. Nach unserem christlichen Glaubensverständnis ist der Tod ja nicht die letzte Realität unseres Lebens, sondern Durchgang zum Leben, zum ewigen Leben bei und mit Gott. Wir verstehen dieses Hochfest als Erntedankfest für Leben, Tod und Auferstehung von Jesus Christus. Es ist das herbstliche Osterfest, an dem die Kirche das neue Leben in Gott feiert, in das die Heiligen gelangt sind, das allen Christen verheißen ist. Allerheiligen und Allerseelen sprechen von Trauer und Zuversicht, vom Tod und von erwarteter kommender Herrlichkeit.

Was hat es mit dem Schmücken der Gräber auf sich?
HEUEL: Wenn ich einem Menschen zum Namens- oder Geburtstag oder sonst einem schönen Ereignis gratuliere, ihm meinen Dank aussprechen möchte, drücke ich dies gern mit Blumen aus. So sind auch die Blumen, Gestecke und Kränze am Tag der Beerdigung und der Grabschmuck im Laufe des Jahres und vor allem zu Beginn des Novembers zu verstehen. Den Grabschmuck dürfen wir als Ehrerbietung ansehen, der dazu dienen soll, die Verstorbenen zu ehren und ihrer besonders zu gedenken. Die Blumen setzen Zeichen - Zeichen der Liebe und der Dankbarkeit. Dabei haben bestimmte Blumen zugleich eine Symbolsprache und sprechen von Auferstehung, Liebe, Paradies, Hoffnung und (ewiges) Leben.

Nennen Sie Beispiele.
HEUEL: Von einer Floristin habe ich mir jüngst erzählen lassen, welcher Art der heutzutage gewählte Blumenschmuck ist. In den ersten Jahren nach dem Tod des Angehörigen sind es oftmals Kreuz und Kranz mit sogenanntem Island-Moos. Und in den letzten Jahren zunehmend in Herzform. Da haben wir wieder die Symbolsprache: Das Kreuz steht ganz klar für Jesu Tod und Auferstehung; der Kranz ohne Anfang und Ende ein Zeichen für Unendlichkeit und damit für Gott; das Herz für die Herzlichkeit, die wir mit dem Verstorbenen verbinden und auch die Liebe Jesu zu uns Menschen, die wir an jedem ersten Freitag im Monat (dem Herz-Jesu-Freitag) in der Messe feiern.

Und warum werden Kerzen angezündet?
HEUEL: Während Blumen ja auch verwelken und vergehen, haben die angezündeten Kerzen eine noch deutlichere Sprache. Sie drücken Wärme, Wohlbefinden und Behaglichkeit aus. Für die Verstorbenen soll es darüber hinaus bedeuten, was wir bei der Beerdigung beten: "Und das ewige Licht leuchte ihnen." Vereinfacht gesagt: Dunkel steht für Tod und Licht für Leben.

Worin liegt der Unterschied zwischen den Gedenktagen im November?
HEUEL: Der November wird manchmal als Totengedenkmonat bezeichnet. Der Volkstrauertag wird als staatlicher Gedenktag seit 1952 am zweitletzten Sonntag vor dem Advent begangen. In vielen Orten wird an diesem Tag eine Gedenkfeier für die Opfer der beiden Weltkriege gehalten. Oftmals findet dazu eine Kranzniederlegung am Ehrenmal statt. Die besonnene Gefallenenehrung ist wichtig, damit wir aufmerksam bleiben für die kleinsten Keime der Gewalt. Damit wir diese Keime ersticken und niemals aufhören zu versuchen, Konflikte, die es zwischen Menschen im Kleinen und im Großen immer geben wird, ohne Gewalt zu lösen. So werden wir gleichzeitig konflikt- und friedensfähig werden.Dann gibt es da noch die Unterscheidung katholisch - evangelisch.
HEUEL: Während die katholische Kirche an Allerseelen der Verstorbenen fürbittend gedenkt, kennt die evangelische Kirche den letzten Sonntag im Kirchenjahr als Totensonntag, der auf eine Anordnung von 1816 des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. zurückgeht. In den evangelischen Gemeinden wird an diesem Sonntag vor dem 1. Advent, der auch Ewigkeitssonntag genannt wird, in den Gottesdiensten der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht.

Allerheiligen zählt zu den stillen Feiertagen. Was halten Sie von der Entwicklung, dass immer mehr Menschen den Feiertag nutzen, um in evangelisch geprägten Bundesländern einkaufen zu gehen?
HEUEL: Von meiner vorherigen Diaspora-Pfarrstelle im Waldecker Land ist mir dies sehr bekannt. Für die Gewerbetreibenden zum Beispiel in Korbach ist der Allerheiligentag einer der besten Umsatztage im Jahr. Ich kann es nachvollziehen, dass manche den freien Tag zum entspannten (Weihnachts-)Einkauf nutzen. Gottesdienst- und Friedhofsbesuch müssen deshalb ja nicht ausgeschlossen sein. Damit kann ich leben. Anders sieht es aus, wenn bei uns der Sonntags- und Feiertagsschutz durch meiner Meinung nach unnötige verkaufsoffene Sonntage und Arbeiten (die Pflasterung an Allerheiligen in Warburg einmal ausgenommen, weil zeitbedingt) ausgehebelt werden. Die wenigen stillen Feiertage im Jahr (Karfreitag, Allerheiligen, Volkstrauertag und Totensonntag) sollten wir dem Anlass entsprechend nutzen.

Kommentare
Nun, dem Unternehmen "Kirche" kann und will ich nichts beisteuern...
Die Ursprünge von reichen auf das heidnisch-keltische Fest Samhain zurück, das am 1. November gefeiert wurde/wird. Samhain ist das keltische Neujahrsfest, markierte den Beginn des Winters und stellte auch eine Art Erntefest dar.
An diesem Tag des Übergangs in ein neues Jahr sei die Welt der Götter sichtbar geworden.

Erst im 9. Jahrhundert wurde Samhain nach und nach zum Allerheiligenfest umfunktioniert - um den heidnischen Charakter des Festtages zu verdrängen!

Wer weiss denn schon noch, welche Bedeutung die Kerzen haben, wieso ein Gedeck mehr zum Tisch/gemeinsamen Essen gehört, wieso Der Besen vor die Tür gestellt wird?

MIr gefällt der Gedanke nicht, das die Kirche bzw. Ihre Erfinder - das Unwissen der damaligen und heutigen "Christen" immer noch in Irrglauben versetzt. Wie gut, das ich kein Monotheist bin, sondern den Weg eines Polytheisten beschreite...


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