Im Empfangsgebäude des Bahnhofs entsteht ein buddhistisches Zentrum / Bistro, Toiletten und Reisecenter
Warburg. Am Warburger Bahnhof entsteht ein buddhistisches Zentrum: Die Zahnärztin Dr. Charlotte Gormsen hat das denkmalgeschützte Empfangsgebäude zum symbolischen Preis von einem Euro erworben, wird es in seiner ursprünglichen Form sanieren und vermieten an einen Verein, der dort ein Zentrum mit Tempel und Meditationsräumen einrichtet: "Buddhametta Wat Warburg", was etwa so viel bedeutet wie Tempel der lebendigen Liebe Buddhas.
Über die Kosten wollte eine gut gelaunte Investorin Charlotte Gormsen gestern an ihrem Geburtstag nichts verlauten lassen. Klar ist laut Architekt Karl-Heinz Cornelius aber, dass Sanitäranlagen und Elektrik in dem knapp 160 Jahre alten Gebäude komplett erneuert werden müssen. 840 Quadratmeter Nutzfläche stehen im Erd- und Obergeschoss, 300 Quadratmeter im Dachgeschoss zur Verfügung. Es solle in "Ort der Begegnung" werden, an dem die Seele zur Ruhe komme, erklärt die zweite Vorsitzende Sukhoutha Beyer.
Gebaut werden soll ab März in drei Abschnitten, so Cornelius, der das Konzept mit Gormsen und dem Vorsitzenden Kuong Houa Tu in Zusammenarbeit mit dem thailändischen Meister Phakru Sittipanyaporn abgestimmt hat. Der Meister wird die Hälfte des Jahres in Warburg leben und ist für ganz Mitteleuropa zuständig. Ursprünglich sei es in Süddeutschland geplant gewesen, doch die Lage Warburgs in der Mitte Deutschlands und die Bahn vor der Haustür gaben den Zuschlag für Warburg. Kontakte knüpfte die Zahnärztin mit dem Gastronomen Tu beim Essen. Sie spricht von einer "Bereicherung für die Stadt". Und war erfreut über das schnelle Verhandlungsergebnis: "Das ist wie Butter gelaufen – alle haben ihr Bestes getan. Ein Zeichen, dass es richtig ist."
Im Erdgeschoss wird im Tempel ein Meditationsraum (mit Schallschutz-Fenstern) entstehen, dazu Speiseraum, Toiletten und Küche für die Besucher des Zentrums, wo auch Schulungen stattfinden. Zudem soll ein Bistro gebaut werden, das vom Zentrum und von außen für Besucher und Reisende zugänglich ist. Das Bistro bietet auch Kaffee und belegte Brötchen an, erklärt Yuhin Phimwiset, die sich um die Reisenden wie die Gäste des Zentrums kümmern wird.
Das Obergeschoss wird zum Wohnsitz des Meisters – von seiner Bedeutung her vergleichbar wie der Bischof von Nord-Thailand und vom König ausgestattet mit Sonderrechten – und seiner Schüler sowie für Gäste. Cornelius: "Dort und im Dachgeschoss gibt es Erweiterungs-Möglichkeiten." Das Reisecenter mit dem Fahrkartenverkauf kommt in den jetzigen Bereich des Warteraumes und wird direkt vom Bahnsteig aus zugänglich sein. Hinzu kommen dort Toiletten, die rund um die Uhr geöffnet sein werden.
Carsten Kirchhoff, Projektleiter der Bahnflächen-Entwicklungs-Gesellschaft NRW, ist hocherfreut, dass die lange währende Geschichte um den Verkauf ein glückliches Ende gefunden hat: Mittlerweile habe man 80 Empfangsgebäude in NRW veräußert. Ein buddhistisches Zentrum sei noch nicht darunter. "Ein besonderes Denkmal mit besonderer Nutzung", machte er angesichts der Einmaligkeit deutlich: "Das einzige in ursprünglicher Form erhaltene Empfangsgebäude eines Inselbahnhofs mit Backstein-Architektur in OWL."
Neben der Sanierungsverpflichtung übernimmt die Investorin auch das Aufsetzen der Staffelgiebel, die wegen der Schäden abgenommen worden waren. Sie bekommt laut Kirchhoff einen sechsstelligen Baukostenzuschuss von der Bahn. Zudem finanziert die DB Station & Service den Anschluss an die Strom- und Wasserversorgung. Die Stadt Warburg hat über die BEG die 10.000 Quadratmeter große Fläche im Umfeld erworben, auf der Straßen, Stellplätze und Bushaltestellen errichtet wurden. Für Bürgermeister Michael Stickeln war gestern ein besonderer Tag: "Großer Bahnhof für eine große Sache. Sie sehen den Bürgermeister sehr strahlend. Die Buddhisten sind uns herzlich willkommen – wir wünschen dem Zentrum eine gute Entwicklung. Fühlen Sie sich wohl bei uns."