Hardehausen/Madagaskar. Er war der Star aus Madagaskar: Bertrand Oglivie Tafitasoa aus Madagaskar hat im vergangenen Jahr auf dem Jugendbauernhof Hardehausen als Missionar auf Zeit gearbeitet (die Neue Westfälische berichtete). Jetzt ist Tafita, so der Spitzname des 28-Jährigen, in seine Heimat zurückgekehrt. Mit seinen Erfahrungen aus Deutschland will Tafita die heimische Landwirtschaft stärken.
Tafita ist noch gut in Erinnerung: "Wir waren gemeinsam Schlitten fahren", erzählt Vincent Schnückel aus Hardehausen. Der 14-Jährige gehört zu einer Konfirmandengruppe, die Tafita bei seinem Projekt unterstützen will. "Es geht darum, ein landwirtschaftliches Versuchs- und Ausbildungszentrum aufzubauen", erklärt Dagmar Feldmann, Tafitas Gastmutter und diplomierte Agrar-Ingenieurin. Die Bonenburgerin steht im regen Kontakt zu dem Inselstaat vor Ostafrika. Dort wird an der Südküste in der Diözese Farafangana das Versuchszentrum aufgebaut.
"Tafita arbeitet an einem Konzept, wie mit einfachen Mitteln bessere Erträge erwirtschaftet werden können", erklärt Feldmann. Ein Stromnetz gibt es in der Provinz nicht. Treibstoff ist teuer, genau wie Traktoren. "Feldarbeit ist dort Handarbeit", weiß die Bonenburgerin, die in den 1980er Jahren den Inselstaat bereist hat.
Handarbeit ist auf den 10.000 Quadratmetern Versuchsfläche also angesagt. Der Hektar soll in Parzellen eingeteilt werden. Heimische Feldfrüchte wie Maniok, Bohnen oder Kichererbsen sollen angebaut werden – und Reis. Auf 2.000 Quadratmeter soll das Reis-Anbauverfahren verbessert werden.
"Der Reis wird dort sozusagen trockenen Fußes angebaut. Er wird feucht gehalten, aber steht nicht wie sonst bis zum Kopf unter Wasser", erklärt Feldmann. Neu getaktete Pflanzzeiten sollen darüber hinaus eine ganzjährige Getreideversorgung sichern.
Reis gehört zu den Grundnahrungsmitteln auf Madagaskar. Aber Reis wird knapp. Die Bevölkerung wächst. "Sie hat sich verdoppelt", erzählt die Bonenburgerin. 1988, als sie die Insel besuchte, lebten 10 Millionen Menschen auf der Insel. Heute ist die 20-Millionen-Einwohner-Marke längst geknackt worden. Durch Brandrodung des Urwaldes werden neue Felder erschlossen, einige Jahre bewirtschaftet – dann wird weitergezogen, weiß die Bonenburger Milchbäuerin. Eine Ackerwirtschaft mit fatalen Folgen für Umwelt und Mensch. Auch deshalb will Tafita forschen, um Alternativen für den heimischen Ackerbau aufzuzeigen.
Tafita ist als Technischer Assistent bei dem Projekt "Grüne Diözese Farafaranga" angestellt. Bischof Benjamin Ramaroson hat gegen den Raubbau in seiner Diözese mobilgemacht. "Fünf Bäume pro Jahr, fünf Jahre lang", lautet der Appell an die 100.000 Katholiken in seinem Beritt. Derzeit kontrolliert Tafita noch das Aufforstungsprogramm. Als Nächstes ist die Feldforschung dran.
Die Versuchsflächen sollen am Stadtrand von Farafaranga entstehen. Beaucamp heißt das Areal, wo der quirlige Bischof Katecheten ausbilden lässt. "Die Katecheten sind Träger der Entwicklung und sollen sowohl das Evangelium als auch neue Methoden des Landbaus in die Dörfer tragen", erklärt Bischof Ramaroson.
Die Methoden will Tafita auf den Feldern erproben und weitergeben. "Auf dem Jugendbauernhof hat er gelernt, Menschen anzuleiten, längerfristige Pläne zu entwickeln und stolz zu sein, als Bauer zu arbeiten", betont Dagmar Feldmann. Sie will Tafitas Feldforschung unterstützen. Die Diözese stellt das Land und kann fünf Prozent der Kosten übernehmen. Rund 7.500 Euro für Material und Löhne für ein Wirtschaftsjahr fehlen noch. Mehr als 1.500 Euro haben Tafitas Freunde aus Deutschland bereits gespendet.