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21.01.2012
HÖXTER
Höxter macht Front gegen Nationalpark
Kreisumweltausschuss empfiehlt Ablehnung / SPD und Grüne wehren sich
VON ROSWITHA HOFFMANN-WITTENBURG

Beliebtes Ausflugsziel | FOTO/ARCHIV: UWE MÜLLER

Höxter. Mit der Autorität ihrer Mehrheit versucht die CDU im Kreis Höxter ein klares Nein zur Errichtung eines Nationalparks "Teutoburger Wald – Eggegebirge" durchzusetzen. Der erste Schritt erfolgte auf der Sitzung des Kreisumweltausschusses unter Leitung von Paul Gemmeke.

"Wir lehnen deshalb die Errichtung eines Nationalpark Teutoburger Wald – Eggegebirge ab", lautet der nach langer Diskussion mit elf Stimmen von CDU, UWG und FDP zu sechs Gegenstimmen dokumentierte Beschluss, der jetzt als Empfehlung an den Kreis- und Finanzausschuss geht.

Vorausgehend stand der von den SPD-Vertretern unterstützte Antrag der Fraktion der Grünen, den Tagesordnungspunkt "Geplanter Nationalpark" unter anderem auf Grund zu vieler Unklarheiten und Unwägbarkeiten abzusetzen und die Entwicklung aktueller Initiativen abzuwarten.

"Charmanter Vorschlag"

Nach dessen Ablehnung durch CDU-, UWG- und FDP-Fraktion, stand eine Positionierung des Kreises Höxter zum Nationalpark. Gemäß dem Verwaltungsvorschlag sollte sie in der Sitzung formuliert werden. Denn bei der Vorbereitung des Ausschusses lag die Reaktion auf einen von Landrat Friedhelm Spieker zwei Mal (am 21. November und am 8. Dezember 2011) an Landesumweltminister Johannes Remmel gerichteten Kompromissvorschlag noch nicht vor. Inzwischen wurde Spiekers Vorschlag von Remmel kategorisch zurückgewiesen.

"Es war ein sehr charmanter Vorschlag", meinte Spieker bedauernd, der einige Zeilen aus dem Antwortschreiben zitierte. Ausführlich stellte er seine Ideen vor, die unter anderem auf eine Reduzierung der geplanten Nationalparkfläche durch Herausnahme der in den Kreisen Höxter und Paderborn vorgesehenen Flächen fußte. Dieses mit der Option, den bis dahin auf den Kreis Lippe beschränkten Nationalpark im Jahr 2020 um Paderborn und Höxter zu erweitern.

"Dann aber im Konsens, auch zwischen Land und Region", erklärte der Landrat. Die Mehrheit im Kreis Höxter trage das Projekt zum heutigen Zeitpunkt nicht mit. "So mein Eindruck", sagte Friedhelm Spieker. "Es gibt genug Indizien, dass die Bevölkerung den Nationalpark nicht will", glaubt auch Robert M. Prell (FDP). Wilhelm Skroch und Matthias Goeken, beide CDU, wiesen unter anderem auf erheblichen Widerstand der Steinheimer und Bad Driburger hin.

Ahnungen, Zweifel, Prognosen

"Wir müssen die Bevölkerung mitnehmen", verlangte Manfred Wegge (CDU/UWG). Das war auch im Sinne von Martina Denkner (Grüne). Ihre Anregung, eine Bürgerbefragung durchzuführen, verhallte allerdings unkommentiert.Zu einem Konsens kam es auf dieser Sitzung noch nicht. Wie gehabt standen sich Gegner und Befürworter mit ihren Ahnungen, Zweifeln an vorliegenden Gutachten, Prognosen und Standpunkten auch hier unbeugsam gegenüber. Für die einen ist es Teufelswerk, das zum wirtschaftlichen Desaster im Kreises Höxter führen würde, die anderen sehen in der Entwicklung ungestörter Natur eine Chance, die sich unter anderem durch zu erwartenden Fremdenverkehr rentieren könnte.

Frank Oppermann (SPD) wunderte sich über vieles, aber ganz besonders über die Schnelligkeit der CDU, die der Diskussion schließlich mit der Vorlage eines bereits formulierten schriftlichen Beschlussvorschlags zur Ablehnung des Nationalparks etwas den Wind aus den Segeln nahm. "Wo habt ihr das so plötzlich hergezaubert?" fragte er staunend.

Nach kurzer Sitzungsunterbrechung und Beratung lehnten Grüne und SPD den CDU-Vorschlag ab. Für seinen Teil könne er zum derzeitigen Informationsstand noch keine Entscheidung treffen, fügte Oppermann hinzu. Bernd Grundkötter, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU stellte klar: "Wir sind der Meinung, dass es an der Zeit ist, ein Zeichen zu setzen gegen das Rumgeeiere des Ministers, der uns den aus seiner Sicht bereits beschlossenen Nationalpark aufs Auge drückt."

ZWISCHENRUF

Retourkutsche

VON ROSWITHA HOFFMANN-WITTENBURG

Vom grünen Landesminister abgebügelt und mit dem Versuch gescheitert, durch einen Kompromissvorschlag Zeit zu gewinnen, wirkt das jetzt eingestielte Nein des Kreises Höxter wie eine Retourkutsche.

Jetzt wird der Minister vom schwarzen Landrat abgebügelt. So wirkt es. Und Bernd Grundkötter (CDU) macht keinen Hehl daraus: Es sei an der Zeit, ein Zeichen zu setzen. Ob auf diese Weise ein Befreiungsschlag gelingt, darf bezweifelt werden. Die Ablehnung des Versuchs, per Kompromiss zu schlichten, die verhärteten Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern etwas geschmeidiger und damit vielleicht auch durchlässiger für die Argumente der jeweils Andersdenkenden zu machen, ist sicher enttäuschend. Beleidigt sein sollte man deshalb nicht.

Im Fall Nationalpark stehen sich weniger Rot, Grün, Schwarz und ein bisschen Gelb gegenüber, sondern vielmehr Schwarz und Schwarz. Es ist der Lipper CDU-Landrat, der mit seinem Ja zum Nationalpark einerseits aus der Reihe tanzt, aber andererseits zum Ausdruck bringt, dass Politik eben nicht nur schwarz oder weiß ist. Sie umfasst eine Vielfalt schillernder Grau- und Zwischentöne.

So bunt wie die Bevölkerung. Auch sie hat eine Meinung, die man nicht nur im Zweifelsfall anhören sollte. Und es reicht nicht, sie nur vermeintlich zu erahnen. Sie sollte tapfer eingeholt werden. Schade, dass Martina Denkners Idee der Bürgerbefragung kommentarlos verhallte.hoexter@ihr-kommentar.de


Kommentare
Die Karte des geplanten Nationalparks zeigt die Flächen des Truppenübungsplatzes und des Lippischen Landesverbands.
Leider werden die Ausgleichsflächen nicht ausgewiesen.
Wenn denn der Nationalpark so viel einbringt, warum braucht es dann Ausgleichsflächen?
Die Ausgeichsflächen für den Lippischen Landesfeband liegen wohl in Westfahlen.
Statt die Lippische Sonderwirtschaft bei den Nachbarn zu betreiben sollte sich der Landesferband, wenn er denn siene Fläche in den Nationalpark einbringt, konsequenterwise gleich selbst auflösen.

Die Ablehnung des Nationalparks (Np) kann ich nicht verstehn. Vielleicht wäre ein Blick über den Tellerrand sinnvoll? Kanada gilt als eines der erfahrensten Länder mit Nationalparkerfahrung und berät weltweit Staaten / Institutionen bei der Entwicklung. Ich bereise das Land seit 40 Jahren und kann die ganz überwiegenden Vorteile eines Np nur hervorheben (Arbeitsplätze, Umweltschutz, Tourismus, finanzielle Ressourcen, Bildung u.v.m. bei entsprechender Planung - durchweg Vorteile für die Region sowie für die Allgemeinheit. Es ist einfach nur noch ärgerlich, die jahrelange Diskussion mit immer den gleichen Argumenten zu verfolgen, und die Versuche kleiner Lobbygruppen, ihre Interessen durchzusetzen.

Sehr schön!!!

Hoffen wir, dass man diesen unsinnigen Nationalpark stoppen kann! Stoppt Remmel!!!

Ich persönlich bin der Meinung, man sollte mehr für den Naturschutz tun aber die Einrichtung eines Nationalparks ist der falsche Weg.
Was soll ich jetzt ankreuzen?
Bei der Umfrage kann man als naturbewusster Nationalparkgegner nur verlieren. Wenn b gewinnt ist es Lobbyismus der Holzindustrie und der Park wird trotzdem eingerichtet, alle anderen Antworten befürworten den Park.

Mir erscheint es so, als habe jeder Minister, gleich welcher Couleur, in den vergangenen Jahrzehnten seine persönlichen Wünsche und Neigungen in Gesetze gegossen, mit deren finanziellen Folgen wir heute und in Zukunft leben müssen. Dann kanem neue Minister und die taten das gleiche. Es ist an der Zeit, zu verhindern, dass das ewig so weitergeht. Langzeitverpflichtungen nur noch dann, wenn sie unbedingt notwenig sind. Der Nationalpark Eifel arbeitet mit einem Defizit von ca. 5 Millionen Euro pro Jahr und das -so wie es aussieht- auch für die kommenden Dekaden. Ein ähnlich grosser Nationalpark Teutoburger Wald würde also in den kommenden 30 Jahren rund 150 Millionen Euro verschlingen, Preissteigerungen mal gar nicht gerechnet. Das ist für ein Gebiet, dass in einem gut gepflegten und gut geschützten ZUstand ist, aus meiner Sicht nicht notwendig. Diese 5 Millionen pro Jahr für Schulen oder Kindergärten? Da bekäme auch Remmel mein Ja. So aber keinesfalls.



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