INTERVIEW: Phrakrusitthipanyaphorn (52), geistliches Oberhaupt, zum buddhistischen Zentrum Warburg
Warburg. Wenn er mit den beiden Mönchen Phra Peeraphat Thaarsa und Phra Thaveechai Numpee durch die Warburger Straßen geht, schauen sich die Leute noch ein wenig fragend nach den drei Männern in orangefarbenen Kutten um. Doch Phrakrusitthipanyaphorn (52) ist in der Stadt am Desenberg bald auch zuhause. Der Buddha ("der Erwachte"), geistliches Oberhaupt von Nord-Thailand, wird im Spätsommer in das buddhistische Zentrum am Bahnhof einziehen und einen großen Teil des Jahres in Warburg verbringen. Mit ihm sprach darüber Simone Flörke.
Welchen Eindruck haben Sie schon von der Stadt Warburg und den Menschen hier bekommen?
BUDDHA PHRAKRUSITTHIPANYAPHORN: Ich bin das dritte Mal in Warburg, bin wie ein Tourist viel spazieren gegangen und habe nach und nach eine gute Stadt und Menschen mit Freundlichkeit kennengelernt – wie in meiner Heimat Thailand. Viele Dinge sind hier schön, viel Natur und viele Bäume. Unser Kloster bei Chiang Mai liegt etwa 15 Kilometer außerhalb der zweitgrößten thailändischen Stadt auf einem sehr großen Gelände. Ich habe hier auch viele Menschen, Europäer und Asiaten, mit Problemen getroffen, die nicht wissen, mit wem sie darüber reden können. Dafür bin ich hier: Um ihnen zu helfen.
Ist ein Bahnhof denn der richtige Ort für ein buddhistisches Zentrum? Warum dort?
BUDDHA: Es ist ein Ort, an dem viele Menschen kommen und gehen. Den Bahnhof einer Stadt kennt jeder. Deshalb wird es für die Menschen einfach sein, dorthin zu finden. Sie brauchen nicht suchen, können einfach mit dem Zug kommen.
Ist es nicht zu laut für Meditation?
BUDDHA: Der Zug fährt – wir machen, was wir machen. Das hat nichts miteinander zu tun. Egal wie laut es ist, man kann meditieren. Mediation heißt sich beherrschen, beruhigen und nachdenken. Dafür reicht es nicht, nur die Augen zuzumachen. Da steckt mehr dahinter.
Warum ist Meditation im Buddhismus so wichtig?
BUDDHA: Um Klarheit fürs Leben zu bekommen. In der Partnerschaft, im Geschäft, bei Krankheiten: Buddha zeigt den Weg zu Weisheit und Mitgefühl, zeigt den guten Weg. Wir können dabei nachdenken, wie wir bislang gelebt haben und wie wir weiterhin leben wollen.
Warum ist dafür ein buddhistisches Zentrum notwendig?
BUDDHA: Das ist wie in die Schule zu gehen. Den richtigen Weg lernen. Der Bahnhof ist ein Ort, ein fester Punkt, wo die Menschen hingehen können und Buddha finden. Es ist einfacher in einem Tempel, einem Zentrum, das für alle offen ist. Buddha ist für alle Menschen da, die ihn brauchen. Meine Mühe ist dabei nicht wichtig. Wenn ich nicht im Bahnhof bin, wird ein anderer der Mönche – minimum drei weitere werden dort leben – zu den Menschen gehen.
Was sagen Sie den Menschen, die den Buddhismus nicht kennen, möglicherweise sogar Angst vor dem Fremden haben?
BUDDHA: (Lächelt). Sie sollen keine Angst haben, einfach kommen, mitmachen und mitlernen oder auch einfach nur zusehen und zuhören. Es geht darum, den Buddhismus von Mensch zu Mensch weiterzugeben als eine Empfehlung, nicht als Zwang. Wer interessiert ist, kommt automatisch und entscheidet, was gut für ihn ist.
Wie werden Sie in Warburg leben?
BUDDHA: Wie in Thailand auch: Morgens, nachmittags und abends beten. Und meine Zeit aufteilen für die Menschen, die mit Fragen und Problemen zu mir kommen. Der Warburger Tempel wird der Hauptsitz in Europa sein, unser erster Anlaufpunkt hier. Später wollen wir vielleicht noch nach Süddeutschland, in die Schweiz oder nach Frankreich gehen.
Warum sind Sie damals Mönch geworden?
BUDDHA: Freiwillig als 14-Jähriger, um den Menschen zu helfen. Deshalb bin ich in den Tempel gegangen. Der Anfang war sehr schwer, eine harte Zeit für mich. Doch als ich merkte, dass ich für die Menschen da sein kann, hat mir das viel Kraft gegeben. Der Körper ist dabei egal, nur das Herz und die Gedanken sind wichtig. Ich sehe es heute als meine Pflicht an, mich in Thailand um die jungen Menschen zu kümmern. Bei Chiang Mai im Kloster leben bei uns noch 574 kleine Mönche, die dort lernen. Im April kommen weitere 200 hinzu.
Übersetzt wurde das Gespräch aus dem Thailändischen vom Vorsitzenden des buddhistischen Vereins, Kuong Houa Tu.