Warburg (NW/sw). "Im März 1971 erhielt das Stadtarchiv aus Privatbesitz ein kleines Heftchen überreicht, das den schönen Titel ,Das Desenbergs-Fest-Büchlein' trägt", erzählt Stadtarchivar Franz-Josef Dubbi. Herausgegeben und gedruckt wurde es 1840 in Warburg vom Buchhändler und Zeitungsverleger Gustav Billig.
In der Warburger Zeitung vom 28. Mai 1840 wurde zum Fest auf dem Desenberg am 18. und 21. Juni aufgerufen. "Damit sollte auch an die Schlacht bei Belle-Alliance erinnert werden, die 25 Jahre vorher getobt hatte", erklärt Geschichts-Experte Dubbi. Auch anderenorts wurden 1840 in Festveranstaltungen zum 25. Jahrestag des entscheidenden Sieges über Napoleon begangen. "Der latente patriotische Ansatz geriet in Warburg allerdings bald in den Hintergrund", so Dubbi.
Den Desenberg hatte man als Veranstaltungsort ausgewählt, weil sich in ihm das "Gedächtnis vieler wichtiger Ereignisse der vaterländischen Vorzeit" verkörpere. So sahen den Berg die Verfasser des Desenberg-Büchleins, die als Autorenkollektiv mit Namen "Die Festgenossen" ihr Werk verfasst haben.
"Den ursprünglichen Festtermin konnte man allerdings nicht einhalten, weil am 7. Juni König Friedrich Wilhelm III. starb", erzählt Dubbi. Gustav Billig kündigte Ende Juni das Erscheinen eines Festbüchleins an, das die Geschichte des Desenberges und eine Reihe von eigens zu diesem Anlass verfassten Liedern enthielt. Über den ersten Festtermin erschien im Westfälischen Merkur ein Bericht eines Warburgers. Er beklagte, dass der Wettergott der Feier nicht günstig gewesen sei. Den zweiten Termin des Desenbergfestes kündigte das Festkomitee vorsorglich mit dem Hinweis an, dass bei Regenwetter die Feier im Gasthaus Bracht mit einem feierlichen Ball stattfinden solle.
Der Bürgermeister Fischer vermerkte in seinem Jahresrückblick: "Am 5. und 12. Juli 1840 wurde auf dem Desenberge zur Erinnerung des 25-jährigen Friedensjubiläums ein Fest gefeiert, welches leider durch Regenwetter sehr gestört wurde." Anscheinend waren die organisatorischen Schwierigkeiten und die Unsicherheit der Witterung so groß, dass das erste Desenbergfest auch das letzte blieb.
Für sein Festbüchlein verfasste Gustav Billig selbst ein dem Desenberg gewidmetes Gedicht. Danach folgt auf zehn Seiten die Geschichte des Desenberges vom 8. bis ins 19. Jahrhundert. "Von den sechs folgenden Festliedern wurde der Text von fünf eigens zu diesem Anlass von Warburger Sangesfreunden verfasst, darunter wiederum zweimal Gustav Billig", erzählt der Archivar und präsentiert eine Kostprobe der Dichtkunst. "Kein Maulwurf thürmte diesen Berg / Ihn schuf der Gott Vulkan, / Sonst läg er da, ein grauer Zwerg, / Jetzt steigt er himmelan." Gesungen wurde nach der Melodie "Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust".














