Wie die Menschen im Warburger Land mit den Problemen bei frostigen Temperaturen umgehen
Warburger Land. Bibberkalt ist es auf der großen Baustelle im ehemaligen Krankenhaus-Park. 60 Arbeiter wuseln bei knackigen minus zwölf Grad geschäftig umher. Über ihren Köpfen schwenken zwei riesige Kräne schwere Lasten in luftiger Höhe. Auf dem Gelände, auf dem der Neubau des St.-Petri-Hospitals sowie ein neues Facharztzentrum entstehen, arbeiten die Handwerker in zwei Schichten trotz der Kälte so, als ob es Sommer wäre. Leben und arbeiten bei Temperaturen weit unter Null - wir haben nachgefragt, welche Probleme auftauchen.
Krankenhaus-Baustelle
"Die Schmerzgrenze liegt bei minus 15 Grad", sagt Polier Reiner Rauh an der St.-Petri-Baustelle. Dann überlege die Bauleitung, ob es noch Sinn mache, die Arbeiten fortzuführen. Das liegt aber weniger an der körperlichen Verfassung der Arbeiter, die sich mit dicken Socken und Handschuhen schützen, als vielmehr an den Baustoffen. "Beton braucht eine gewisse Temperatur", erklärt Rauh, was die Probleme bei Frost ausmacht. "Dann verzögert sich auch der Aushärtungsprozess." Das Richtfest Mitte April ist aber nicht in Gefahr: Eventuelle Verzögerungen durch die Kälte fangen die Handwerker auf, indem sie an wärmeren Tagen mehr arbeiten. Bei den kalten Temperaturen schützen sie die Baustoffe, indem sie die Fenster der Gebäude mit Thermofolien verschließen. Außerdem verstärken sie die Decken mit Stahlbeton. "Bei diesen Temperaturen geht das nicht so leicht von der Hand", sagt Rauh, doch seine Mitarbeiter seien daran gewöhnt. "Der eine friert mehr, der andere weniger."
Baustelle Hauptstraße
Die Bau- und Pflasterarbeiten an der oberen Hauptstraße und der Desenberggasse ruhen derzeit. "Fürs Pflastern brauchen wir Temperaturen von mindestens zwei Grad plus - und das über einen längeren Zeitraum", sagt Projektleiter Walter Güntermann. "Wenn es losgeht, sind außerdem noch Reparaturen notwendig." Über einen Zeitpunkt der endgültigen Fertigstellung möchte er deshalb nicht spekulieren. Sechs Bäume sind bereits angepflanzt und drei Sitzbänke aufgestellt worden. Unter anderem müssen noch Fahrradständer installiert und Lichtschächte verlegt werden. Bis Ende Februar sollen zehn Seilhänge-Leuchten aufgehangen werden. Im Seitenbereich der Desenberggasse ist das Pflaster noch nicht komplett und eine letzte Asphaltschicht fehlt. "Momentan ist ein vernünftiges Arbeiten nicht möglich", erklärt Güntermann.Erdwärme-Projekt
"Heute läuft nichts mehr, wir brechen die Baustelle ab", ärgert sich Maschinenführer Helmut Moll. Schon seit Tagen hat der Bohrtrupp bei frostigen Temperaturen mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die Bohrungen für die Erwärme-Nutzung im Baugebiet Auf’m Profit voran zu treiben. "Wir setzen bei der Bohrtechnik Wasser ein, das gefriert einfach zu schnell", so Moll. Das Spülbohrverfahren musste abgebrochen werden, auch der zweite Trupp des Unternehmens, der bereits fertiggestellte Bohrungen mit einem Zement-Bentholit-Gemisch verpressen sollte, musste gestern wieder abziehen. Dick eingemummt versuchten die Mitarbeiter, mit Gasbrennern die zugefrorenen Leitungen zu enteisen - vergebens. Jetzt heißt es warten auf sinkende Temperaturen, damit die Hausbewohner demnächst mit Erdwärme heizen können.
Stadtwerke
"Die Leute sind wachsam, denn Frostschäden kosten Geld", sagt Sebastian Maicher, Rohrnetzmeister bei den Stadtwerken Warburg, mit Blick auf rund 185 Kilometer Versorgungsleitungen im gesamten Stadtgebiet (ohne Hausanschlüsse). "Bislang also noch keine Frostschäden", vermeldet er. Die sind Sache des Hauseigentümers oder Anlagenbetreibers. Bei außen liegenden Leitungen wie an Ställen oder auf Weiden sollte bei diesem Wetter das Wasser angestellt und der Entleerungshahn geöffnet werden. Sein Tipp: "Dämmung der Rohrleitung mit einem feuchtebeständigen Material ist wichtig, zum Beispiel mit dem sogenannten Amalex, einer Dämmung, die es im Baumarkt gibt." Mineralwolle sei ungeeignet, die ziehe Feuchtigkeit. Kellerfenster sollten zudem geschlossen bleiben und jegliche kalte Luft um und an der Wasseruhr vermieden werden.
Feuerwehr-Einsatz
Vorsorglich haben viele Feuerwehren extra in der kalten Jahreszeit einen kleinen Lötbrenner in der Ausrüstung dabei: Damit können zugefrorene Hydrantendeckel enteist werden, wenn die Schläuche angeschlossen werden müssen. Das berichtete Stadtbrandinspektor Jürgen Rabbe aus Ossendorf. "Früher hat man die Hydrantendeckel vor dem Winter eingefettet, heute macht man Plastikfolie dazwischen." Zum Teil gehört ein Eimer Streusalz mit auf das Einsatzfahrzeug. "Wo wir bei Bränden an Einsatzstellen an kalten Tagen viel Wasser benötigen, stehen wir in enger Verbindung mit den Stadtwerken oder Kommunalunternehmen." Die schicken einen Streuwagen zum Einsatzort. Manchmal würden die Feuerwehren im Winter auch zum Beseitigen von Eiszapfen beispielsweise oberhalb von Gehwegen gerufen: "Zwei Kameraden auf der Drehleiter hoch pflücken die Zapfen herunter."
Rettung
Der Einsatz zur Rettung der drei fast festgefrorenen Schwäne vom Bahnhofsteich in Rimbeck (die NW berichtete) sei außergewöhnlich gewesen. Bislang nach Jürgen Rabbes Erinnerung sogar einmalig. Regelmäßig geschult würden die Wehren in Rettung von Personen, die im Eis eingebrochen sind. Vor allem die Löschgruppe und Löschzüge, die Teiche oder Seen im Einsatzgebiet haben. Wie der Löschzug Scherfede, der sich um den Bahnhofsteich in Rimbeck und den Hardehausener See kümmert.