Dass der Antrag von den Grünen gestellt wurde, überrascht nicht. Der Zeitpunkt des Antragseingangs ebenfalls nicht. Die kleine Warburger Ratsfraktion hatte noch nie einen Hehl aus ihrer Forderung nach einer autofreien oberen Hauptstraße gemacht. Und aus den Erfahrungen der langen Sperrung aufgrund der Baustelle sollte jetzt durchaus ein geeigneter Anstoß zur erneuten Diskussion gegeben sein. Reden wir darüber.
Eine richtige Fußgängerzone wollen viele Bürger. Nicht so eine Gemenge-Lage aus vormittags Stoßstange an Stoßstange und nachmittäglich lieblos-öder Flaniermeile. Nein, gänzlich autofrei soll Warburgs neue Einkaufsmeile werden.
Soll die obere Hauptstraße in Warburg auch künftig autofrei bleiben?
Unbestritten: Das bisherige Erscheinungsbild des bucklig daliegenden Pflasters und die mitunter leicht trostlose Aneinanderreihung von Stellflächen und Laufwegen entlang der Häuserfronten taugte ganz und gar nicht als fantasiefrohe Visitenkarte. Das scheint mit dem neuen Belag jetzt ganz anders zu sein. Den Grünen ist zu Ohren gekommen: Der neue Belag gefalle, sei freundlich und ansprechend, finden die Warburger. Viele, darunter auch eingefleischte Autofahrer, so sagen sie, forderten die Freiheit vom durchfahrenden Verkehr. Barrierefrei, mehr Sicherheit für alle, bessere Luft, man könne in Ruhe flanieren und sich gefahrlos vor Cafés oder Pizzerien setzen. Das hebe das Image der schmucken Einkaufsstadt zwischen Paderborn und Kassel.
Die Warburger Geschäftsleute denken da ganz anders. Sie fordern vor ihren Auslagen Parkplätze, Parkplätze und nochmal Parkplätze.
Damit der Kunde bequem und direkt vor der Ladenkasse aussteigen kann. Denn das wollen, so sagen sie, die Kunden. Ob zum Brötchenholen oder zum genüsslichen Erlebnis-Shopping, das sagen sie nicht.
Kurze Wege zu Fuß oder der Slalomlauf ums geliebte Blech. Da prallen zwei Welten gewaltig aufeinander. Doch der Zeitgeist ändert sich schnell, wie entsprechend auch so manches Marketing-Konzept im Einzelhandel.
Die Frage "Autofrei oder nicht?" zu klären, ist alles andere als ein leichtes Unterfangen. Das wissen alle Kommunalpolitiker im Rat. Gute Argumente gibt’s hüben wie drüben. Liebe Ratsleute, hört Euch um, fragt nach in Euren Wahlbezirken. Die Diskussion ist zu Recht wieder mal eröffnet: Wenn man mich fragen würde, hätte die Einkaufszeile ohne Motorengeknatter, Müffelgase, Karussellrunden drehende Musikanlagen auf vier prallen Gummischluffen und stressgeplagte Durchgangs-Kraftfahrer sehr gute Chancen.
dieter.scholz@ihr-kommentar.de