Gewerbegebiete im Kreis: Wirtschaftsförderer setzen
auf das Wachstum bereits ansässiger Firmen
Warburg/Kreis Höxter. In Ostwestfalen-Lippe sind Gewerbeflächen gefragt. Das meldet die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen (IHK) zu Bielefeld. Eine gute konjunkturelle Lage sei der Grund für die hohe Nachfrage. Doch während neu ausgewiesene Flächen an den Autobahnen bei Bielefeld oder Paderborn schnell zulaufen, hakt es im Kreis Höxter. Dessen Gewerbeflächen gelten als schwer verkäuflich.
Die Stadt Warburg wirbt in ihrer Wirtschaftsbroschüre mit der "dynamischen Wirtschaftskraft heimischer Unternehmen, einem pulsierenden Einzelhandel und hohem Freizeitwert" der alten Hansestadt. "Eine starke Wachstumsregion", so buhlt in deutscher und englischer Sprache das 18-seitige Heft um das Interesse. Dass die Vermarktung der Industrie- und Gewerbebetriebe im Kreis sehr differenziert zu betrachten sei, sagt Jürgen Behlke.
Der Leiter der IHK-Zweigstelle Paderborn/Höxter nennt einige Faktoren, warum vor allem größere Unternehmen den Gang aufs Land scheuen: "Mangelnde Kundennähe und schwierige Vertriebsmärkte." Firmenchefs vermissten die "verlängerte Werkbank und den Absatzmarkt, der aufgrund der dünnen Besiedlung im Kreis nicht vorhanden ist". Der Kreis sei von seiner Einwohnerstruktur her "zersiedelt". Behlke zählt als weiteres Infrastruktur-Problem die Anbindung ans schnelle Internet auf, die aktuell nicht überall gegeben sei.
Zudem könne er die Kommunen verstehen, die "aufgrund mangelnder Nachfrage und klammer Kassen keine größeren Summen in die Hand nehmen, um Firmen zu locken". Auch die Problematik der nordhessischen und niedersächsischen Randgebiete sei wenig förderlich. "Die Höhe der Gewerbesteuer-Hebesätze in den angrenzenden Landesteilen liegt teilweise bis zu 100 Prozentpunkten unter denen der Städte im Kreis Höxter", erklärt er.
Ein weiterer Grund: "Die Wachstumspotenziale der am Standort bestehenden Firmen sind nicht so groß, dass sich dies im Verbrauch von Flächen niederschlägt", so Behlke. Die IHK versuche, "die heimischen Betreibe im Bestand zu sichern und ihr Wachstum nach vorn zu bringen". Es gehe nicht darum "irgendeinen Großen zu bekommen, sondern die Potenziale der heimischen Unternehmen zu unterstützen", so Behlke. Dazu zählt er die Sorge um die Rahmenbedingungen, wie den DSL-Ausbau oder die kommunalen Gewerbesteuern. "Die Städte müssen unternehmerfreundlich bleiben oder sich in diesem Bereich verbessern."
Nach wie vor sei das große Thema die Verkehrsanbindung, meint Michael Stolte, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GfW) im Kreis Höxter. Viele Unternehmer scheuten die Neuansiedlung, weil sie nach Lieferanten- und Kundenstrukturen entschieden. Doch "2011 war ein intensives Jahr der Beratung externer Anfragen nach Gewerbeflächen", resümiert Stolte. "In unserer Kundenstatistik stehen 65 Standortanfragen aus der Region OWL und 41 von überregionalen Firmen." Vom Architekten über den Handwerksmeister bis zum Industrie-Unternehmer: Die Gebietsanfragen betrafen vor allem die Stadt Warburg, doch bestehe auch eine deutliche Nachfrage im Steinheimer Industriegebiet Bergheim oder im Wirtschaftspark Höxter-Stahle, wird Stolte konkret.
Spannend findet er die Entwicklung in den benachbarten Landkreisen Holzminden und Northeim. Seine Wahrnehmung: Die Betriebe würden zwar gerne in Niedersachsen neu bauen, aber Höxters erschlossene Gewerbegebiete locken. "Firmenchefs denken pragmatisch", sagt Stolte. "Sie wählen lieber die quadratisch-praktisch-gut erschlossene Fläche im Kreis Höxter als die Auseinandersetzung mit der Industriebrache nebenan."
Natürlich liefen die Premiumflächen entlang der A2 oder der A33 sehr schnell zu. Da müsse man zwischen Oberzentren und ländlichen Gebieten unterscheiden. Wegen der Nähe zur A44 und des Bahnanschlusses sei die Hansestadt Warburg gefragt. Bergheim habe die Ostwestfalenstraße. In Borgentreich und Willebadessen blieben die Flächenverkäufe dagegen "sehr überschaubar". Die GfW werbe im Messegeschäft, auf der Expo-Real in München oder der Hannover Messe, berichtet der Wirtschaftsförderer. Broschüren werden gestreut, Gespräch mit Projektentwicklern und Investoren geführt. Stolte setzt auf den Kontakt, lobt das Netzwerk innerhalb der Ansprechpartner in den Rathäusern. "Das funktioniert in allen zehn Städten des Kreises hervorragend."