INTERVIEW: Winfried Volmert, scheidender Vorsitzender des Warburger Bürgerbus-Vereins, sitzt künftig selbst am Steuer
Warburg. Den Bürgerbus Warburg gibt es seit dem 28. Juni 2008. Motto: "Bürger fahren Bürger". Dafür war ein Bürgerbus-Verein gegründet worden. Von Anfang an war Winfried Volmert (65) Vorsitzender des 36 Mitglieder zählenden Zusammenschlusses. Gestern Abend gab der Altstädter sein Amt ab. Warum, das erzählte er Simone Flörke.
Herr Volmert, warum hören Sie auf?WINFRIED VOLMERT: Weil ich bei der Bürgerstiftung Warburg, bei der ich auch Mitbegründer bin, im November zum Vorsitzenden und Nachfolger von Manfred Bünz gewählt worden bin. Und eine Ämterhäufung wollte ich nicht. Ich bliebe als Beisitzer im Beirat und damit im erweiterten Vorstand.
Wie hat der Bürgerbus sich seit der Gründung entwickelt?VOLMERT: Sehr gut - auch im Vergleich zu anderen Bürgerbussen liegen wir bei den Fahrgastzahlen ganz weit vorn. Das Konzept ist sehr gut eingeschlagen. Wir bekommen von unseren Kunden - viele ältere Leute und Behinderte - nur positive Rückmeldungen. Das ist ein schönes Erfolgserlebnis.
Andere Bürgerbusse haben Schwierigkeiten, genügend Fahrer zu finden. Warum Sie in Warburg nicht?VOLMERT: Wir haben eine gute Mannschaft mit 25 bis 30 Fahrern und hatten von Anfang an ein gutes Potential. Auch weil sich zu Beginn über den Männerchor und andere Gruppierungen viele Freiwillige gefunden haben, die auch dabei geblieben sind. Künftig werde auch ich einer der Fahrer sein, habe schon meinen Gesundheitscheck für die öffentliche Personenbeförderung hinter mir.
Wie erklären Sie das Erfolgsrezept des Warburger Bürgerbusses?VOLMERT: Wir fahren nur in der Kernstadt Warburg. In Altenbeken beispielsweise fährt der Bürgerbus auch in die Ortsteile Buke und Schwaney - das macht es komplizierter. In Warburg verbindet der Bürgerbus die außen liegenden Wohngebiete wie die Schanze oder das Jugenddorf stündlich mit der Kernstadt: Täglich vier Runden vormittags und vier Runden nachmittags, jeweils von knapp einer Stunde. Eine Regelmäßigkeit, die sich jeder leicht merken kann. Und das für kleines Geld: 2,10 Euro für eine ganze Runde. Wir verkaufen auch viele Monatskarten. Denn 40 bis 50 Prozent unserer Fahrgäste sind Stammkunden. Dazu kommt die familiäre, freundliche Atmosphäre im Bus.
Das heißt, der Warburger Bürgerbus ist zukunftsfähig?VOLMERT: Auf jeden Fall. Der Bürgerbus in Warburg ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Auch ökonomisch. Das Verhältnis von gefahrenen Kilometern zur Anzahl der Fahrgäste ist bei uns sehr gut. Wir fahren pro Tour nicht sehr lange Schleifen. Der Aufwand für Benzinkosten, Reifen am Bus und ähnliches ist nicht so groß.
Ernst Mühlmeyer soll Ihr Nachfolger als Vorsitzender im Bürgerbus-Vereins werden.VOLMERT: Ernst hat sich dazu bereit erklärt, diese Position zu übernehmen. Er war zuvor als Beisitzer im Vorstand aktiv und ist wie ich ein Mitbegründer des Vereins. Es geht also auf dieser eingeschlagenen Linie weiter. Mit entscheidend sind auch die anderen Akteure im Vorstand: Die Arbeit ist gut verteilt, so dass nicht eine Person alles machen muss. Rolf Becker kümmert sich mit Heinz Fischer um die Fahrpläne, Viktor Faupel hat alle Verhandlungen mit dem Busverkehr Ostwestfalen (bvo) übernommen, dazu kommt Kassierer Hans-Peter Floren. Der Vorsitzende ist nur ein Teil des aktiven Vorstandes.