Bestattungen bei Temperaturen weit unter Null: Die Bauhof-Teams müssen auch unter frostigsten Bedingungen arbeiten
Warburger Land. Gestorben wird immer, beigesetzt auch. Die Mitarbeiter der städtischen Bauhöfe trotzen den anhaltenden Minusgraden. Sie bereiten den Boden für die letzte Reise der Verstorbenen. Dafür brauchen die Männer bei Werten von weit unter Minus zehn Grad schweres Gerät.
Normalerweise quittiert Hubert Bartoldus vom Friedhofsamt der Stadt Borgentreich Gebührenbelege. In strengen Winter war aber auch schon einmal eine Rechnung für Propangas über seinen Schreibtisch gewandert. "Das brauchten die Männer vom Bauhof, um Gräber auszuheben", sagt Bartoldus. Mit dem Gas wurde der Kompressor auf Betriebstemperatur gehalten, um mit dem Presslufthammer das frostige Erdreich aufzubrechen, erklärt Norbert Fögen vom Bauhof-Team.
Permafrost
Auf dem so genannten "Dach der Welt" gibt es ganzjährig kalte und karge Orte. Auf dem Permafrost-Boden in Tibets Norden gedeihen keine Bäume. Der Boden ist aus Stein. Eine Erd- oder Feuerbestattung nach westlichen Vorstellungen ist daher unmöglich. Die Angehörigen bereiten ihren Verstorbenen eine Himmelsbestattung. Bei dieser Bestattungsform wird der Körper des Verstorbenen im "Tal des Buddhas" den Elementen und den Tieren preisgegeben. Die Tiere, die sich an dem Körper genährt haben, helfen im tibetischen Glauben den Verstorbenen, ins Bardo zu gelangen, einem Sein zwischen Tod und Wiedergeburt.
Ein Urnengrab auszuheben ist Handarbeit. Rund eine halbe Stunde dauere es im Sommer, ein rund 40 mal 40 Zentimeter großes und gut 60 Zentimeter tiefes Karree auszuheben. "Jetzt brauchen wir einen halben Tag dafür", erzählt Dieter Renge, Leiter des Borgentreicher Bauhofs. Der Friedhofsboden in der Bördestadt ist rund einen halben Meter tief gefroren.
Noch härter wird es beim Sarggrab: Im Sommer dauert der Aushub zwei Stunden. Derzeit sind es vier. "Wir rücken mit schwerem Gerät an", sagt Dieter Renge. Bei laueren Temperaturen ist das Bauhof-Team mit einem Minibagger vor Ort. In der Frostphase kommen zwei: Mit seinem Minibagger rückt dann Helmut Kröger, Chef der gleichnamigen Regen- und Abwassertechnik-Firma, an. An seiner Baggerschaufel hängt der kräftige Betonbrecher-Arm, der unnachgiebig das Frostreich aufsprengt.
"Mit dem Betonbrecher pickeln wir die Frostschicht auf", erzählt Renge weiter. Rund 50 Zentimeter dick ist die zurzeit. "Weil es vorher viel geregnet hatte", meint der Vorarbeiter. Die rund zwei Kubikmeter Aushub werden in Borgentreich nicht einfach beiseite gepackt, sondern abtransportiert. Die Erde soll auftauen. "Deshalb lagern wir sie mindestens 24 Stunden in unserer Werkstatt", sagt Renge. Erst dann könne mit der aufgetauten Erde das Grab rund um den Sarg vernünftig verfüllt werden.
Auch Hans-Joachim Blömeke und seine Kollegen vom Willebadessener Bauhof blicken auf das Thermometer. "So ab Minus acht Grad geht es richtig los", sagt Blömeke. Dann kriecht der Frost in den Boden. Rund 40 bis 50 Zentimeter sind es aktuell am Eggekamm. "Da brauchen wir für einen Grab-Aushub den Presslufthammer", sagt der Bauhof-Mitarbeiter.
Auch vom Warburger Bauhof-Team wird der Frostboden mit dem Presslufthammer bearbeitet. "Sobald die gefrorene Schicht aufgesprengt ist, kann der Bagger untergreifen", erklärt Teamchef Klaus Lüdeke: "Das ist Arbeiten unter erschwerten Bedingungen." Nach dem Aushub des Grabes sei die eisige Problemlage aber noch nicht vollkommen abgetan.
Die Männer vom Bauhof arbeiten auf dem Gräberfeld meist mit einem Tag Vorlauf. Der freigelegte Grabraum muss abgestützt werden, damit er nicht zusammenfällt. Eisenschwellen halten das Erdreich am Platz. "Und bei diesen Graden frieren die Schwellen schnell fest, dann muss wieder die Brechstange ran", erklärt Lüdeke.